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Michael Jungfleisch: Alles gar nicht so einfach!

Zwei Themen, die Sie angeschnitten haben, liegen mir besonders am Herzen. Am 22.07.17 hieß es in Bezug auf die Paralympics, „jeder sei eine Klasse für sich.” Da haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen, wie ich finde. Dies gilt nicht nur für die Behindertensportler, sondern im Prinzip für jeden Wettkampfsportler. Wenn man dies einmal zuende denkt, gibt es keinen Wettkampf, bei dem die Sportler wirklich unter gleichen Voraussetzungen an den Start gehen.

Die genetische Disposition ist bei jedem anders, von den ganzen anderen Faktoren wie Ernährung, Trainingsbedingungen usw. usw. ganz zu schweigen. Das einzige, was wirklich messbar ist, ist die im Endeffekt erbrachte Leistung und bei manchen Sportarten nicht einmal die. Bei der „Ware Sport”, dem vermarkteten Wettkampf, spielt dies kaum mehr eine Rolle. Darauf lassen sich Athleten und Zuschauer auch ein. Die Idee des „fairen Wettkampfs” ist jedoch, genau betrachtet, Fiktion.

Bezüglich Ihres Pornoseitenerlebnisses kann ich mich sehr gut in Ihre Gefühlslage hineinversetzen. Ich denke, ich hätte ganz ähnlich reagiert. Ich hätte Ekel und vielleicht auch eine Form von Entrüstung verspürt. Sicher hat der Pfarrer Lenz in seinem Beitrag recht, indem er schreibt, dass das Gebaren „der da oben” prinzipiell nicht besser sei. Nehmen wir noch die „in der Mitte” dazu, dann haben wir das ganze Spektrum. Jeder kann potentiell damit zu tun haben, wir alle leben im Spannungsverhältnis des Triebs und seiner Befriedigung. Wohl der oder dem, der dies immer perfekt bewältigt…  Pfarrer Lenz zitiert einen Kirchenlehrer und einen Psychologen, die nachdenkenswerte Dinge über Sexualität sagen, ob sie einem nun in ihrer Ausdrucksweise zeitgemäß erscheinen oder nicht. Leider haben aber auch Kirchendiener in Bezug auf fehlgeleitete sexuelle Betätigungen in den letzten Jahren immer wieder Schlagzeilen gemacht. Zutiefst Menschliches macht vor Niemandem halt. Das radikale Ausleben von Sexualität hat wahrscheinlich ähnliche Auswirkungen wie eine radikale Triebunterdrückung. Innere Leere, Frustrationen, usw. Sexuelle Lust aber fragt nicht nach Moral. Salopp gesagt: alles gar nicht so einfach! (Michael Jungfleisch/Düsseldorf)

Baumhausbeichte - Novelle