Archiv für August 2017

Mittwoch, 30. August, 10.00 Uhr

Blog aufmotzen oder nicht? Bin immer noch unschlüssig. Danke für einige Anregungen. Ich tendiere dazu, “unter uns” zu bleiben. Daher habe ich ja auch in all den Jahren diverse Anfragen und Angebote, den Blog mit anderen zu verlinken, dankend abgelehnt. Vielleicht machen wir wenigstens ein paar kleine Modifikationen. Mal sehen. Insgesamt ist es aber sehr angenehm, “unter uns” zu bleiben. Millionen Klicks können nicht irren? Die Irren mögen um uns herum schwirren und  anderswo ihre  Auswürfe anbringen. Ich bin sehr stolz auf das Niveau der “Mailbox”, und das soll auch so bleiben. Sie ist Ihr Werk! Danke!

Wer die Wahl hat … hat den Wahlomat. Er soll heute ins Netz gestellt werden. Ob ich es wagen soll? Gestern habe ich als Test den alten NRW-Wahlomaten ausgefüllt. Ergebnis? O Schreck, o Graus. Ich verrate es nicht. Falls Sie den Test machen wollen, warne ich sie: Es könnte ein böses Erwachen geben. Herz und Verstand …

Anderer Test: Wen würden Sie wählen, wenn nur Trump und Putin zur Wahl stünden? Ein verhaltensgestörtes aggressives Kind oder einen eiskalten Schachspieler? Der eine berechnet seine Züge voraus, taxiert den Gegner und nutzt jede seiner Schwächen gnadenlos, hält aber die Regeln des Schachspiels ein. Der andere kennt die Regeln gar nicht, schmeißt mit den Figuren um sich und kräht: “Gewonnen!”

Man stelle sich bloß vor, Trump wäre im heißen Kalten Krieg US-Präsident gewesen …

 

 

 

Veröffentlicht von gw am 30. August 2017 .
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Ohne weitere Worte (vom 29. August)

Mayweather vs. McGregor ist ein Kampf, der in die Trump-Ära passt. Protzen zum Fremdschämen, hantieren mit unglaublichen Summen, so etwas wie soziales Gewissen offen verhöhnen. (Sebastian Moll/Martin Krauss in der taz)
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Noch hat die Branche wenig begriffen. Ihr Tenor lautet: Funktioniert der Videobeweis wie zum Auftakt nur partiell, mache er das Spiel ungerechter statt gerechter. Originelle Betrachtungsweise – was ist ungerecht daran, wenn wenigstens schon einige korrekter beurteilt werden? (Thomas Kistner in der Süddeutschen Zeitung)
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Schon am ersten Spieltag waren die Experten in Topform. Allen voran stürmte Lothar Matthäus, ein Altmeister der Wortakrobatik, als er in einer Diskussion um einen Elfmeter meinte: »Wäre, wäre, Fahrradkette. So ähnlich, Wie auch immer.« (Bettina Weiguny in ihrer Kolumne in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Ich persönlich glaube ja, mit Experten in Fußball-Sendungen ist es wie mit Fledermäusen und Flughunden (Anm.: Man hört eine weibliche Stimme, offenbar aus einer Tier-Doku:) »Fledermaus- und Flughundmännchen haben entweder ein großes Hirn oder große Hoden. Beides zusammen geht jedoch nicht.« (aus der Radio-Reihe »Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs«)
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»In Frankfurt hatten Alex Meier und ich bei den Fans zunächst einen schweren Stand. Das hat sich dann gelegt. Im Fußball ist es so: Heute bist du der Gott, morgen der Arsch.« (Benjamin Köhler im Kicker-Interview)
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Ein überwältigender, urgewaltiger Fußball, kraftstrotzend, zugleich betörend raffiniert und mit chirurgischer Präzision. (Christian Kamp in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über Liverpools »Volle Dröhnung für Hoffenheim«)
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Laut (Prof. Ingo) Froböse belegen diverse Studien, dass die Profis in der ersten Zeit nach einer Tätowierung Leistungseinbußen von drei bis fünf Prozent erleiden. Siebzig Prozent der Tinte gelangten in die Blutbahn, darunter leide die Regeneration, zudem könnten die Spieler nicht mehr richtig schwitzen. »Ich würde Tätowierungen verbieten (…)«, sagt Froböse. (Michael Wittershagen in der FAS-Kolumne »Schluss für heute«)
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Untergewicht haben außer Skispringern und Marathonläufern, bei denen es mühsam herbeipharmaziert werden muss, ganz überwiegend Frauen. (…) Heutzutage darf man sich nicht mehr einfach erheben oder lustig machen über die unterdurchschnittliche Körpergröße philippinischer Kindermädchen oder die erstaunlichen Hinterteile zentralafrikanischer Ärztinnen. (…) Was bleibt, ist das Übergewicht. (…) Seit Jahren erscheint kein Artikel über mich, in dem nicht mein Körper als ein dicker beschrieben wird. (Ex-Bundesrichter Thomas Fischer klagt im Zeit-Magazin: »Warum darf sich jeder über dicke Männer lustig machen?«)
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Da hilft es nicht, dass auch andere Tiere recht fettreich sind.(…) Hängebauchschweine sehen fett aus, erweisen sich aber als durchtrainiert; ebenso Sumo-Ringer. Und einen anständigen Silberrücken aus dem ugandischen Hochland kann man mit einem mageren Sixpack auch nicht beeindrucken. (Fischer/Zeit-Magazin)
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»Ich habe mal einen Mann erlebt, der hat im Kreißsaal die ganze Zeit zu seinem neugeborenen Sohn gesagt: ›Wilhelm, du hast keine Schuld.‹ Ich habe ihn dann gefragt, was das Problem sei. Er sagte, er habe gerade mit der Pränatal-Psychologin  telefoniert, und sie habe gesagt, das Baby hätte ein schlechtes Gewissen, weil die Hausgeburt abgebrochen werden musste. Eine Pränatal-Psychologin! Meine Prognose: Der kleine Wilhelm wird bestimmt noch mehr Therapien im Leben brauchen.« (Livia Görner, Hebamme, im SZ-Interview)
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»Frauen können noch fieser sein als Männer, wenn sie fies sind.« (Erika Pluhar, Schauspielerin und Autorin, im taz-Interview) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 28. August 2017 .
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Werner Haaser: Golfloch

Mit dem Hinweis auf die Studie über die Größenwahrnehmung (“Erfolgstypen
sehen das Golfloch, den Basketballkorb, das Fußballtor riesengroß,
mikroskopisch winzig dagegen kommt das Ziel den Grübelnden vor …”)
haben Sie mir einen hilfreichen Tipp gegeben!
Wenn ich (BMI um die 50) morgen früh vor den Ganzkörperspiegel treten
werde, werde ich mich über meinen grenzenlosen Optimismus freuen können. (Werner Haaser/Gießen)

Veröffentlicht von gw am 28. August 2017 .
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Sonntag, 27. August, 11.35 Uhr

Und es hat Schwupps gemacht. Und Spaß. Die Montagsthemen. Vorher auch der Blog. Trotz der Apokalyptik. Denn Spaß macht der Flow, in den man beim Schreiben kommen kann wie beim Laufen. Dort kenne ich ihn aber nicht, ich laufe nicht gerne. Ich fühle ihn beim Schreiben eher wie beim freihändigen Radfahren auf einem asphaltierten Grüner-Plan-Weg, leicht bergab und ohne Gegenwind. Oder mit Akku, eingeschaltet auf hoher Stufe. Aber wer zu sehr im Flow läuft, fährt oder schreibt, ist auch sturzgefährdet. Oder stolpert in ein Golfloch oder über einen Golfschläger. Siehe Montagsthemen. Unter den Links rechts (gw-Beiträge Anstoß; Hinweis nur für eventuell neu hinzu gekommene Leser). Frage dazu: Soll ich “Sport, Gott & die Welt” moderner gestalten lassen? Mit Blick auf mehr Klick-Zahlen, die mir herzlich unwichtig waren und sind? Oder wollen wir unter uns bleiben?

Veröffentlicht von gw am 27. August 2017 .
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Montagsthemen (vom 28. August)

Der Vorteil des Kolumnisten: Auch wenn er manchmal Irrwitziges schreiben sollte, darf er den Irrwitz anderer ignorieren. Nachteil des Sportredakteurs: Er muss ihn ins Blatt bringen. Chronistenpflicht. Zu lesen an anderer Stelle. Hier also nichts zu dem absurd aufgebretzelten Boxkampf des einen gegen jenen anderen, dessen Namen der gewöhnliche Sportinteressierte jetzt schon vergessen hat und den ich mir erst gar nicht gemerkt hatte.
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Der Sportkolumnist darf auch abschweifen und auf anderen Feldern dilettieren. Aber auch dort spielt Sport immer eine Rolle. Beispiel Wahlkampf. In diesem bekommt ein Kandidat keine hundert Punkte, sondern Prügel für den flachen Wortwitz, er interessiere sich mehr für Golffahrer als für Golfspieler. Dass er damit zwischen Autofahrern und Autobossen unterscheiden wollte, geht medial unter. Hauptsache Aufregung. Doch sich über den flachen Gag aufzuregen, das ist … noch viel flacher. Und so stellt sich bei meiner nicht ganz repräsentativen Umfrage heraus, dass sich nicht die Golfer aufregen, sondern müde abwinken, und nur die Medien Aufregung der Aufregung wegen schüren. Sehr flach das alles.
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An Golf musste ich auch denken, als ich die Frankfurter Eintracht spielen sah. Was recht erfreulich wirkte, zumal mit einem neuen Stürmer, der ein echter und fast buchstäblicher »Knaller« werden könnte. Man beachte den Konjunktiv, denn die Wirklichkeitsform scheiterte am Golfloch-Syndrom, an dem aber alle Frankfurter litten. Und hier kommt endlich einmal eine psychologisch-statistische wissenschaftliche Studie ins Spiel, die ich empirisch bestätigen kann: Erfolgstypen sehen das Golfloch, den Basketballkorb, das Fußballtor riesengroß, mikroskopisch winzig dagegen kommt das Ziel den Grübelnden vor, die ihre Zweifel mit in den Wettkampf nehmen. Dann kommt eher ein Kamel durchs Nadelöhr als ein Golfball ins Loch oder der Fußball ins Tor
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Die empfohlene Gegenmaßnahme hilft grübelnden Eintrachtlern nur sehr bedingt. Wer sich ein großes Golfloch oder ein scheunengroß offenes Fußballtor vorstellen kann, der trifft es auch, heißt es. Aber nur wer ungrüblerisch trifft, dem kommt es  groß vor. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Und Haller und Co. in den Po.
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In den beißt sich Thomas Müller schon seit Monaten. Er trifft kaum noch, weil Ancelotti ihn kaum noch aufstellt. Oder umgekehrt? Was ist Ursache, was Wirkung? Müller weiß es aber auch nicht so genau: »Meine Qualitäten sind scheinbar nicht gefragt.« Wenn sie nur scheinbar nicht gefragt sind, sind sie anscheinend doch gefragt. Nur Tore geben die Antwort. Einer wie Müller weiß am besten, was und wer das Golfloch-Syndrom von Stürmern heilt: die Zeit. Kommt sie, kommt Rat, kommt Tor.
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Nicht nur das Golfloch, auch der Hockeyschläger, um mal wieder vom Fußball loszukommen, macht außerhalb des Sports Karriere. Seine Erfolgsbilanz ist jedenfalls größer als die der goldverwöhnten deutschen Hockey-Asse an diesem Wochenende bei der EM (auch für sie: Kommt Zeit, kommt Rat, kommt Gold). Also, der Hockeyschläger: Mit ihm schlugen sich Verkünder und Bestreiter des Klimawandels die Köpfe ein, aber mittlerweile scheint allen klar, dass die Kurve der Erderwärmung einem liegenden Hockeyschläger gleicht (mit langem Griff und kurzer, steiler Kelle). Nur ob und falls ja wie sehr sie menschgemacht ist, wird noch mit Hockeyschlägern ausgefochten.
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Dass die Creutzfeld-Jacob-Krankheit durch Löcher im Gehirn gekennzeichnet ist, die wie ein kleiner Hockeyschläger aussehen, führt uns in den medizinischen Bereich. Bei einer »Ureterektomie mit Blasenmanschette« erfolgt der »Hockeyschläger-Schnitt«. Weiter im gegoogelten Text: Vorsicht beim Holzlatten-Schnitt im Baumarkt! »Meist werden sie im Handel stehend gelagert, und wenn dies zu lange geschieht, krümmt sich das untere Ende unter der Last; man spricht vom Hockeyschläger-Effekt.« Den »hockey stick« gibt’s auch als buchhalterischen Begriff, gemeint ist das plötzliche Ansteigen einer (Umsatz-)Kurve. Fehlt noch das »Kampfmittelräumgerät TREX 204«, ein »neuer Hockeyschläger mit Metallunterscheidung und Bodenkompensation«.
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Das Allerletzte dazu: In kanadischen Nationalparks soll man bei Begegnungen mit den riesenhaften  Wapitis einen Hockeyschläger über dem Kopf schwenken, um als Geweihträger ernst genommen zu werden.
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Frage an Radio Eriwan: Wie könnte ich als Kolumnist ernst genommen werden? Antwort: Vor dem Leser keine Hockeyschläger mehr schwenken. (gw)
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(www.anstoss-gw.de  gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 27. August 2017 .
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Baumhausbeichte - Novelle