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Sonntag, 23. Juli, 6.30 Uhr

Zum Füttern der Vögel früh raus in die klare, kühle Luft nach den Gewittern der Nacht. Auch mal schön. Gleich in den Meldungen der Nacht nachgelesen: Ja, überall waren Gewitter. Nicht nur direkt über meinem Kopf. Die grellen Blitze hatten mich geweckt, nicht der Donner. Sofort wälzte der schläfrige Kopf ein schweres Problem: Was tun, wenn der Kugelblitz durchs weit geöffnete Fenster ins Zimmer rollt? Darüber konnte ich lange nachdenken. So wach, das Fenster zu schließen, war ich aber nicht.

Vögel. Auch bei diesem Wort wabert immer ein vorpubertär gehörter Satz durch den spätpubertären Kopf: “Stewardessen fliegen durch die Luft. Vögeln gleich.” Gab es wirklich mal einen Softsex-Film der späten Sechziger, fragt sich der später Sechziger, mit diesem Titel?

Vögel füttern. Mache ich zum ersten Mal in diesem Jahr auch im Sommer. Nicht an drei, wie im Winter, nur an einer Stelle. Sie futtern das Futter auch brav auf, bis auf den letzten Sonnenblumenkern. Sie nisten sogar direkt neben dem (natürlich selbst gebauten) Futterhäuschen im Gebüsch. Kleine Vögel. Kleiber? Keine Ahnung. Kenne mich mit Vögeln nicht aus … ehrlich, den Doppelsinn bemerke ich erst beim Schreiben. Noch mal: Mit Vögeln kenne ich mich nicht so aus, mehr als Amseln, Krähen, Elstern und Tauben kann ich kaum identifizieren. Doch, den Turmfalken erkenne ich auch, am Rütteln.

KKKK. Ein K hat sich seit einigen Wochen geändert. Zum Glück nicht Kaffee, Knicks und Kuss, sondern der Kuchen. Zu meiner großen Empörung hat der Bäcker, eine kleine lokale Kette, meinen geliebten Nussplunder aus dem Sortiment genommen. Den mit den vielen Riwweln (=Streuseln), dem Zuckerguss und der knackigen Umrandung. Den teigigen Inhalt habe ich immer herausgepuhlt, tranchiert und entsorgt. Zur Missbilligung der Allerliebsten meiner Zielgruppe. “Meine” Bäckerei, die auch kurz im “Seemannsköpper” auftaucht, hat noch mehr gesündigt: Erst geht “meine” Helga in Rente, dann werden ihre drei mir ebenfalls ans gewohnheitssüchtige Herz gewachsene Kolleginnen peu a peu, aber jedes mal Knall auf Fall gekündigt, dann der Verlust des Nussplunders, und als auch noch meine beiden täglichen Käsestangen, wahrscheinlich aus Einsparungsgründen, Teigkonsistenz und Käsearoma sehr geschmacklos änderten, habe ich mich von meiner Bäckerei scheiden lassen, Jahre nach unserer Silberhochzeit. Jetzt bin ich einsam und heimatlos, und an meiner neuen Quelle, der Filiale einer anderen lokalen Kette bei uns im Supermarkt, fremdele ich noch. Die Damen dort kennen mich noch nicht, werden mich auch nie kennen, so wie Helga & Co., die meine Tüte schon gefüllt hatten, bevor ich kam, und die besorgt waren, wenn ich vergessen hatte, mich tags zuvor abzumelden.

Wie bin ich bloß auf Helga und meine Käsestangen-Tüten gekommen? Ich wollte doch nur das Vogelfüttern im Sommer thematisieren, über das die Gelehrten streiten, die Ornithologen. Aber das ist nun mal der Blog, Schreiben im schläfrigen Flow. Schnell noch die Stichworte auf dem Zettel: Stahl, Perkovic, Kolak, Niekerk, Bolt, also LA / Röhler, Hohn und das Steichholz, also ebenfalls LA / Olympia, Besserwisserei, Sublizenzen / Tour, Buchmann, Faltrad, drittbester Jungprofi / Fußball, Nagelsmann, Elegie / Frauenfußball-Delirium in der taz / Kempa, Frischauf, frühestes Fensehen / Paralympics: 177/47 und 528/306.

Zahlen für Experten. Sagen sie Ihnen etwas? ich habe sie gerade erst gegoogelt. Schluss jetzt, KKKK kommen.

Baumhausbeichte - Novelle