Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Montagsthemen (vom 24. Juli)

Den in Froome personifizierten Erfolg von Sky mag preisen, wer will. Das Gerüchle bleibt. Kittels fünf Sprintsiege – prima. Aber mein stärkster Eindruck: Emmanuel Buchmann. Fünfzehnter in der Gesamtwertung und drittbester Jungprofi, das ist aller Ehren wert. Aber er fuhr die gesamte Tour de France unter dem Aufmerksamkeits-Radar. So funktioniert der Event-Mechanismus des Sports.
*
Am Rande gelesen: Nettes Angebot, exklusiv für FAZ-Leser, ein Faltrad zum Schnäppchen-Preis. 2900 Euro. Ein Faltrad! Meist das Zweit- oder Drittrad. Für 2900 Euro. Ein Schnäppchen! Dahinter steckt wohl oft ein kluger Kopf, aber nie ein armer Tropf. Materiell gesehen.
*
Ebenfalls in der Zeitung gelesen … huch, sogar in unserer! … eine Eloge, vulgo Loblied, auf Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann. Seine Erfolge haben ihm, schreibt dpa, »Elegien und Auszeichnungen eingebracht«. Man könnte Klagelieder singen. Kompromissvorschlag: Egal ob Elo- oder Elegie, schreibt einfach Elogie..
*
So viel Besserwisserei ahndet mein strafendes Über-Ich für gewöhnlich mit einem dicken Eigen-Klopps. Aber wenn schon Besserwisserei, dann noch eine. Vor einigen Wochen gab es künstliche Aufregung, als die Öffentlich-Rechtlichen ihre Olympia-Rechte verloren. Jetzt wird ebenso künstlich abgeregt, denn es gibt »Olympia-Hoffnung für ARD/ZDF«, es laufen »konkrete Gespräche über Sublenzierung« (FAZ). Ach was!? Und was stand vor vier Wochen in einer »gw«-Kolumne? »Wartet nur ein Weilchen, dann gibt es kleine Sublizenzen.« – Ha! Ich hab’s ja geahnt! Sie werden es nicht glauben, aber die »Sublenzierung« (statt Sublizenzierung) habe ich wirklich nicht absichtlich geschreibfehlert! Ist mir eben erst beim Rückscrollen aufgefallen.
*
»Die Entdeckung des Frauenfußballs hatte mein vorheriges, rein Vagina- und schwanzzentriertes Sexualleben erheblich bereichert.« Die drei Gründe, die für einen Autoren der taz zu diesem Fazit führen, erfahren Sie morgen in »Ohne weitere Worte«. Aber nicht, warum Vagina- groß und schwanzzentriert klein geschrieben wird. Der kleine Unterschied?
*
Kleiner Test im weiblichen Bekanntenkreis. »Ich interessiere mich nicht für die Tour de France der Frauen.« Achselzuckende Reaktion: »Na und?« – Fortsetzung, etwas später: »Ich interessiere mich nicht für Frauenfußball.« Empörte Reaktion von Frauen, die sich ebenfalls nicht dafür interessieren: »Chauvi! Ignorant!«
*
Aber ich interessiere mich ja für Frauenfußball. Mittlerweile. Sie klagen nicht, sie jammern nicht, sie schauspielern nicht. Und, auch ganz wichtig: Sie rotzen nicht. Wunderbar! Dass sie nie das Niveau von Männern erreichen werden – geschenkt. Spielt im Tennis, in der Leichtathletik, dem Schwimmen ja auch keine Rolle. Schlimm wäre nur, wenn sie es erreichten.
*
Apropos Schwimmen. Die WM beginnt, und kaum ein Deutscher macht mit. Wegen intern erhöhter Normen. Weil, um den Fisch bei seinem Kopf zu nennen, der Innenminister es will. Da nur noch Medaillen zählen, hat deren oberster Fetischist verfügt, für mehr Edelmetall und weniger Blech zu sorgen, sonst gäbe es kein Geld mehr. Die Verbände kuschten und setzten die internen Normen so hoch an, dass es … stinkt. Denn es riecht wieder nach dem doppelten deutschen VV: Verlangen und verbieten.
*
Immer dieser Ärger. Da freue ich mich lieber auf die Leichtathletik-WM. Mit »unseren« hessischen Sprinterinnen, mit den  Speerwerfern, mit Usain Bolts Abschied, mit Nachfolgern wie Wayde van Niekerk (sensationelles Triple: 9,94, 19,84, 43,03), mit Diskuswerfern wie Stahl und Sandra Perkovic (beide zuletzt über 71 m) … da fällt mir ein: Haben Sie die Kroatin schon mal gesehen? Hat die gleiche Muskelstruktur wie ihre Landsfrau Sara Kolak, die zu den Speer-Favoritinnen zählt. Eine Muskelstruktur, die man bei Frauen sehr selten sieht. Ein Schelm, der …. schreibt so einer auch für Leichtathletik.de? Wenn man bei der »Perkovic eine Schwäche ausmachen möchte, ist es vielleicht die, dass sie oft mit ungültigen Versuchen zu kämpfen hat. Mit dosiertem Stoff werfen, fällt ihr offensichtlich schwer.« – »Dosierter Stoff.« Schön gesagt, ob mit oder ohne Absicht.
*
Anderes Thema. Nicht die Ware, sondern der wahre Sport fiel mir ein, als ich die Nachrufe auf Bernhard Kempa las. Kempa spielte und trainierte bei Frisch Auf Göppingen, und dieser Klub war für mich gleichbedeutend für Hallenhandball, den damals noch kleinen Bruder des Feldhandballs. Spiele der Göppinger gegen Dukla Prag mit dem phänomenalen Torhüter Jiri Vicha gehörten zu meinen ersten Fernseh-Eindrücken. Danach musste ich unbedingt nach draußen rennen, den Ball gegen die Wand werfen und nach ihm hechten wie Vicha, oder den Kempa-Trick versuchen, was mit mir allein, als Passgeber und Werfer, nicht ganz einfach war.
*
Jetzt hatte ich mehr Erfolg. Kürzlich las ich, dass Thomas Röhler, der WM-Mitfavorit im Speerwerfen, ein Streichholz 32 Meter weit werfen kann. Gut, aber nicht gut genug, um den Weltrekord von Uwe Hohn zu brechen. Der warf nicht nur den Speer (104,80 m) und die DDR-F1-Handgranate (100,02) über 100 Meter weit, sondern auch ein Streichholz auf ebenfalls unerreichte 44 Meter. Phänomenal. Versuchen Sie es mal! Ich habe es getan und den Weltrekord gebrochen. Den im Weitsprung.  (gw)
*
(www.anstoss-gw.de gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle