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Rück-Blog (vom 20. Juli)

Im Internet begleitet und ergänzt »Sport, Gott & die Welt« die »Anstoß«-Kolumnen von »gw«. In etwa vierteljährlichen Abständen veröffentlichen wir im »Rück-Blog« kurze Auszüge. Diesmal mit der Kurz-Rubrik »Ungetwittert«, der Online-»Mailbox« und weiteren Anmerkungen.
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2. April: Anruf von T. Erster Kontakt seit über 30 Jahren. Auch T. hat Krivec die Erlaubnis zur Namensnennung gegeben, ist jetzt aber beunruhigt. Heute Abend soll es einen Zehn-Minuten-Beitrag in »Sport inside« geben, mit der Doktorarbeit als Aufhänger. Lange mit T. gesprochen. Er will abblocken. Kann ich verstehen. Meine Situation ist eine andere. Viel komfortabler. Geht mir am … vorbei. Beinahe hätte ich »Arsch« geschrieben. (zur Erinnerung: Es ging um die Doktorarbeit über Doping in der BRD, die kurzfristig Schlagzeilen machte)
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5. April: Immer noch hat mir niemand eine Energiebilanz zeigen können, die mir bewiese, dass ein Windrad mehr verwertbare Energie erzeugt als verbraucht (Abbau der benötigten Bodenschätze, industrielle Erzeugung, Transport, Waldvernichtung, Wartung, Trassen zum Endverbraucher, Verschrottung usw.). Mir kommt vieles an der Energiewende vor wie kapitalistischer Wachstumsfetischismus in Grün. (Dazu gab es Post von einem Mitverantwortlichen bei einem regionalen Energieversorger. Siehe »Mailbox«. Auszug: »Ob diese Energiequelle der Weisheit letzter Schluss ist, kann ich auch nicht sagen, ich kann nur sagen, dass es uns vor erhebliche Probleme stellt.« Links des Lesers: http://www.vdi-nachrichten.com/Technik-Wirtschaft/Mehr-Windkraft-an-Land-rueckt-Oekologie-Blickfeld# und http://www.wiwo.de/technologie/green/tech/studie-zeigt-windraeder-sind-wahre-effizienzwunder/13549604.html)

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Karfreitag, 14. April: Vor einem Monat ist Brian Oldfield gestorben. Der ehemalige Kugelstoß-Weltrekordler war mein »Freund«, obwohl ich ihn nie kennengelernt habe. Mein Facebook-»Freund«, wie noch ein paar andere ehemalige US-Werfer. Ich war neugierig, was die alten Jungs so treiben, deswegen die FB-»Freundschaft«, und werde melancholisch, wenn ich sehe, wie sie in den alten Zeiten verhaftet sind und immer wieder alte Fotos von sich posten. Einer der Eifrigsten war Oldfield. Wenn er aktuelle Bilder von sich hoch lud, sah ich einen schweren Mann am Stock oder im Rollstuhl. Späte Folgen buchstäblich knochenbrechender Höchstbelastung über Jahrzehnte hinweg, für die Oldfield bekannt war. »The Big O«, wie ihn die Amis, das »Tier«, wie wir ihn nannten, voller beeindruckter Hochachtung.
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23. April: Ich habe mit meiner ständigen Zwei-Finger-Kanonade auf der Tastatur das »e« zerstört. Die Taste ist zerbrochen, ich habe sie mit Tesafilm zu stabilisieren versucht, aber das »e« reagiert oft nicht mal auf meinen brutalen Druck. Ich bssr das so gut aus, wi ich kann, abr manch fhlnds »e« übrsh ich lider.
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Ungetwittert: Im 20. Jahrhundert gab es ehrlich gedopte Rekorde, im 21. Jahrhundert gibt es unehrlich ungedopte Rekorde.

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28. Mai: Ich bin ein armseliger alter Tropf. Schäme mich immer noch bis auf die morschen Knochen, wenn mir Rennradler begegnen, einen kurzen Blick zu mir werfen, den Akku sehen und geringschätzig und grußlos vorbeiradeln. Die gleichen Typen, die kameradschaftlich grüßen, wenn ich ohne Pedelec unterwegs bin. Was immer seltener wird. Und die Scham immer größer. Am liebsten würde ich ihnen zurufen: Bin kürzlich beim Gesundheitscheck 310 Watt gefahren, was sagt ihr jetzt, ihr Flaschen?! Wie gesagt: armseliger alter Tropf.
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Ungetwittert: Bei schwüler Hitze den Pedelec-Akku voll aufdrehen und sanft durch den selbst erzeugten Fahrtwind gleiten – Cabriofahren ist nichts dagegen!
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11. Juni: Gestern Abend mit der Schwiegermutter beim Griechen in Melle. Danach aufgestanden, geschwankt, wg. Hüft-Aua, beinahe gefallen. In die erschreckten (oder erschrockenen?) Gesichter Entwarnung gegeben und auf mein Bierglas gedeutet: »Alkoholfrei!« War sogar wahr. Wahr war das. (Erschreckt oder erschrocken? Dr. Sylvia Börgens aus Wölfersheim hat dazu »einen guten Eintrag gefunden: http://www.sekada-daily.de/aktuelles/tipp/die-grammatikfrage-hei-t-es-erschrocken-oder-erschreckt.html – Das heißt also: In der attributiven Verwendung ist beides möglich, je nachdem, welcher Bedeutungsanteil im Vordergrund steht: ob Sie die Anwesenden mit Ihrem Schwanken erschreckt haben oder ob diese sich erschrocken gefühlt haben.«)
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21. Juni: »Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht / Auf die Fluren verstreut …«
Eine Amsel steht in der Uferzone des Teichs. Hackt mit dem Schnabel ins Wasser. Trägt etwas trippelnd davon. Zur Terrasse. Einen zappelnden Molch. Schleudert ihn heftig auf den Steinboden. Noch einmal. Und noch einmal. Der Molch ist tot. Die Amsel pickt ihn auf, fliegt ins Gebüsch. Mahlzeit.
»… schöner ein froh Gesicht, / Das den großen Gedanken / Deiner Schöpfung noch einmal denkt.« (von Klopstock, oder wie vornehme Hessen sagen: Klopfstock)
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Ungetwittert: Zwischenbilanz nach zwei Jahren auf dem deutschen Sonderweg: Kinder aus Schulen zu entführen und in fremde Länder zu verschleppen, das ist eine der fatalen Folgen einer aus der Emotion entstandenen deutschen Flüchtlingspolitik, die mehr Elend schafft, als sie verhindern wollte.
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9. Juli: Nach dem Besuch neulich kam eine Mail mit einem »Danke für das nette Gespräch«. Ich habe wohl einen schlechten Eindruck hinterlassen, denn »nett« ist bekanntlich der kleine Bruder von »Arschloch«.
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11. Juli: Der einzige Marschtritt, den ich mag, sind Herz und Verstand im Gleichschritt. Angesagt ist aber deren Extremspagat. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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