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Sonntag, 16. Juli, 6.45 Uhr

Sooo großer Aufmacher in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: “Zu viel Zucker, Salz und Fett im Essen”. Sooo große Story im Spiegel über Boris Beckers Investments in Öl und Gas in Nigeria, als Beispiel für seine angebliche Unbedarftheit in Gelddingen. Boris und ich! Wir haben viel gemeinsam, angefangen bei den Haaren (Becker wird auch noch “blond”). Bei mir ist alles nur viele Nummern kleiner, vom Sport bis zum Geld. Und hier treffen sich nigerianisches Öl und Gas mit deutschem Zucker und Salz (Fett lassen wir mal außen vor). Denn auch ich habe investiert, bin Kleinaktionär von Südzucker und Kali+Salz. Seit vielen, vielen Jahren. Grund: Wenn alles zusammenbricht, dachte ich, sind ein paar Aktien dieser Lebens-Grundstoffe Gold wert. Und was passiert, seitdem ich Aktionär bin? Zucker und Salz werden verteufelt, die Kurse meiner Aktien haben sich peu a peu mehr als halbiert. Boris und ich haben einfach kein Glück.

Im Ernst: Als Kleinaktionär erlebe ich am eigenen Leib, wie das Sein das Bewusstsein bestimmt: Zwar weiß ich, was zu viel Zucker und Salz anrichten können, aber dennoch ärgern mich die Warn-Schlagzeilen, und die Umweltprobleme von Kali+Salz bei uns oben in Hessen … ach, längst nicht so schlimm. Aber richtig schlimm: Diese miesen Süßstoffe ohne Zucker!

Kleine Scherze erhalten die Freundschaft. Mit Leserinnen. Siehe Mailbox. Wie schön, dass ich mit meinem Jux und Dollerei auch Freude bereiten kann (siehe aktuelles Beispiel in der Mailbox). Allerdings lese ich jetzt auch, dass Humor, Sarkasmus und (Selbst-)Ironie sowas von out seien. “In” sei … Pathos! Ausgerechnet Pathos. Das, was mir am wenigsten liegt. Wie gut, dass ich als altes Eisen mit solchen neuen Anforderungen nichts mehr zu tun habe.

Kleiner Spaziergang durch die Meldungen der Nacht: “Seespinnen pumpen Sauerstoff mit ihrem Darm durch den Körper.” Na sowas! In der See pumpen Spinner andere Stoffe durch und aus ihrem Körper, aber das ist in manchen spanischen Urlaubsorten, so eine weitere Meldung der Nacht, bei Strafe verboten. Konkret: Wildpinkeln im Meer ist eine Straftat. Wobei die Beweislage aber sehr dürftig sein dürfte. Es sei denn, einer pinkelt schon in Strandnähe in knietiefem Wasser. Warum hat uns die Natur nicht mit Seespinnen-Sauerstoff ausgestattet, den wir durch und aus dem Körper spülen! Wie leicht könnten wir alle zu Umwelt-Aktivisten werden!

Noch so’n Ding: In Sotschi durften Touristen einen süßen, kleinen Panda-Bären streicheln. Gegen Geld natürlich. Sehr gute Investition, da könnten Boris und ich uns ein Beispiel nehmen. Allerdings kam jetzt heraus, dass der Panda ein Chow Chow war, ein zum Panda gebleichter Hund.

Ich würde die Betrüger nicht wegen Betrugs, sondern wegen Tierquälerei bestrafen. Pandas sind sowieso überschätzt.

Mal auf den Montagsthemen-Zettel schauen: Souvlaki tanzen, dazu die griechische Männergeschichte / Fußball für die Füße / Englands U19 / U21 und Frauen / Bolt und van Niekerk / Doping und Zungenküsse / 21,87 m, Storl! Widerlegt er meine Skepsis? Mir nichts lieber als das / Dazu vielleicht das Eine oder Andere aus dem eben geschriebenen Blog (muss es mal nachlesen, ist ja wie immer ohne Netz und doppelten Boden aus dem schlaftrunkenen Kopf gepurzelt und schon vergessen). Aber nie zu vergessen: o andras spai sa togiali, se theli stenochoria. Übersetzung nachher in den Montagsthemen. Bis dann!

Baumhausbeichte - Novelle