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Ohne weitere Worte (vom 11. Juli)

VW wegen ein paar Millionen Euro mehr zum Sponsor der Nationalmannschaft zu machen, wäre ein Fehler. Der Autokonzern steht (…) in den Schlagzeilen als ein Unternehmen, das vorsätzlich betrogen hat. (…) Die Nationalmannschaft braucht andere Partner. (…) Auch der DFB, der selbst mehrmals wegen des Verdachts der Korruption in die Kritik geraten war, muss manches tun, um sein eigenes Image zu heben. (Karl-Heinz Büschemann in der Süddeutschen Zeitung über den möglichen  neuen Hauptsponsor der Nationalmannschaft.
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Ein halbes Jahr nach den Olympischen Sommerspielen sah das Maracana wie eine Ruine aus. (…) Mario Götze, der an diesem Ort (…) zumindest für diesen einen Augenblick besser war als Messi (…), erging es seither aber auch nicht viel anders als dem Endspielstadion. (Boris Hermann in der SZ)
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»Als 60-jähriger Fußballer hat man zwar viel Erfahrung, aber der Körper spielt nicht mehr mit. Als 18-jähriger Fußballer hast du zwar den Körper, aber keine Erfahrung. In dem Alter, in dem ich jetzt bin, vereint sich beides.« (Neven Subotic/28 im Kicker-Interview)
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Warum Boris Becker die Hand beißt, die ihn füttert, ist das größte Rätsel aller Rätsel, die ihn sein Leben lang umwabern. Es begann mit Günter Bosch. (…) Ion Tiriac (…), der nächste Rausschmiss. (…) Und dann kam Hans-Dieter Cleven. (Anm.: der jetzt von Becker 36,5 Millionen Euro fordert) (…) Becker wurde 2002 wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. (…) Dass er nicht, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, zu dreieinhalb Jahren Haft (ohne Bewährung) verdonnert wurde, hatte er angeblich der geräuschlosen Hilfe von Cleven zu verdanken. (Alfred Draxler in seiner Bild-Kolumne »Nachgehakt«)
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Eine Zeitlang war es ein Leichtes, sich über Boris Becker lustig zu machen. (…) Er füllte die Klatschspalten so sehr, wie es in dieser Zeit nicht einmal Lothar Matthäus gelang. (…) Zuletzt traf ihn auch noch der Zorn von Franz Josef Wagner, der seit Jahrzehnten öffentliche Briefe im Auftrag der »Bild«-Zeitung schreiben darf. (Michael Wittershagen in der »Schluss für heute«-Kolumne der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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»Boris ist (…)  kaputt. Falsch parken, falsch heiraten, Steuer hinterziehen, vom Kredithai Millionen leihen. (…) Lieber Boris Becker, was mich wirklich nervt, ist, dass Du Deine Falschparktickets nicht bezahlst. Was glaubst Du, wer Du bist?« (»Post von Wagner« in Bild)
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Ein Brief von Wagner ist die Höchststrafe für den deutschen Promi. Und das hat Becker wirklich nicht verdient. (Wittershagen/FAS)
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Dessen (Anm.: Clevens) Verständnis von Loyalität und Treue ist ein ganz anderes, ein besseres als das von Becker. (…) Cleven hat jahrelang stillgehalten. (…) Warum Becker nicht wenigstens mal versucht hat, sich mit ihm freundschaftlich zu einigen, mag vielleicht daran liegen, dass man im Tennis mit 0:2-Sätzen und 0:5-Spielen zurückliegen kann – und man kann trotzdem noch gewinnen. Darauf zockt er offensichtlich schon ein Leben lang. Aber solche Wunder gibt es nur im Tennis – im wahren Leben nicht. (Draxler/Bild)
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Wenn es (…) mal nicht läuft, zertrümmern Sie bisweilen Ihren Schläger. Ist Ihnen das im Nachhinein manchmal peinlich? – »Überhaupt nicht. (…) »Was ist so schlimm daran, einen Schläger kaputt zu machen? (…) Ich beleidige ja niemanden, ich will nur ab und zu meine Wut rauslassen können.« (Alexander Zverev im Spiegel-Interview)
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»Viele Jahre habe ich mir eingebildet, mein Vater wäre im Jahr 1936 Olympiasieger gewesen – und war sehr stolz auf seine Goldmedaille. Eines Tages bin ich dann vom legendären Sportjournalisten Harry Valerien in einer Talkshow mit der Tatsache konfrontiert worden, dass mein Vater zwar bei der Olympiade 1936 war, aber nur als einer von 12 000 Eröffnungsgruppenturnern, also nix mit Gold.« (Theater-Intendant Claus Peymann im Zeit-Interview)
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»Ich hatte eine Superkindheit. (…) Nach der Schule waren wir nur draußen, bis es dunkel wurde. Keiner hatte Angst um uns, das was passiert, und entsprechend habe ich eine große Freiheit gefühlt. (…) Ich war zum Glück auch der Beste im Fußball, was für das Selbstwertgefühl eines Jungen hoch einzuschätzen ist. Ansonsten war ich auch unglücklich verliebt, aber da muss man halt durch.« (Regisseur Sönke Wortmann im Interview der Frankfurter Rundschau)
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»Unlängst hat das Landeskriminalamt 4,20 Euro vorbeigebracht. Die stammen von zwei toten Obdachlosen. Davon habe ich ein Pfund Kaffee gekauft. Da kriege ich 600 Tassen raus. Wenn man so will, haben zwei verstorbene Obdachlose 600 lebende Obdachlose zu einer Tasse Abschiedskaffee eingeladen.« (Dieter Puhl, Leiter der Bahnhofsmission in Berlin, in der SZ-Interviewreihe »Reden wir über Geld«)
(gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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