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Sonntag, 9. Juli, 5.30 Uhr

In seniler Bettflucht erstmals sogar den FAS-Boten geschlagen. Vorher ein Traum, leider kein Klartraum (so was hatte ich früher mal; tolle Sache, wenn man weiß, man träumt, und den Traum kontrollieren und lenken kann), sonst hätte ich reagieren können. Drum ging’s so: Große Freiluftveranstaltung der FAZ. Thema: Doping-Historie. Woran man sieht: Wär’s ein Klartraum, hätte ich tief Luft geholt, hätte abgehoben und mir einen Vogel-Freiflug weg von dieser Stätte gegönnt. Aber ich hatte mich, vom Traum fremdgesteuert, unter die Zuschauer gemischt, um zu hören, welcher Unsinn verzapft werden sollte. Wurde auch. Viel hochmoralisches Gerede zur Selbsterhöhung, keinerlei Versuche, konstruktiv im Sinne des Sports Lösungswege der kleinen, realistischen Art aufzuzeigen. Der Moderator entdeckt mich in der Menge, macht auf mich aufmerksam, und schon stehe ich im Shitstorm. Aber dann mischt sich der Tag in den Traum, ich wache langsam auf und stelle resigniert fest: Trotz bester Vorsätze lässt mich das Thema nicht los, jedenfalls nicht im Traum. Und ich denke: “Nicht im Traum denke ich an …” ist eine Redensart, die etwas beschwört, an das man aber oft genug dennoch denkt.

Da fällt mir ein: Nach dem Besuch neulich, der ebenfalls mit dem Thema zu tun hatte, kam eine Mail mit einem “Danke für das nette Gespräch”. Ich habe wohl einen schlechten Eindruck hinterlassen, denn “nett” ist bekanntlich der kleine Bruder von “Arschloch”. Wäre schade, weil ich meine Gegenüberin und das Gespräch sehr angenehm empfand. Anfang September werde ich merken, wie “nett” es wirklich gewesen ist.

Nicht kleine Brüder, sondern große Arschlöcher waren in Hamburg zugange. Geniale, aber gemeine Schlagzeile, soeben auf Bild online gelesen: “Scholz, der Tor zur Welt”. Nein, ist er nicht. Was kann er dafür? Wir alle sind die Toren der Welt, weil wir diesem Unwesen in unserer spätbundesrepublikanischen Dekadenz Tür und Tor geöffnet haben. Das ist zwar ein anderes Thema, hat aber mit Sport zu tun, denn die hobbykriminellen Hohls toben sich ja oft genug auch in der Fußball-Bundesliga aus. Nur ohne Randale-Touristen aus anderen Ländern. Am Montag sitzen sie dann wieder in Büros, Schulen, Seminaren. Und feiern sich. Aus ihrer Sicht war G20 ein Riesenerfolg.

Wenn jetzt noch kurz vor der Wahl ein islamistischer Terrorakt hinzukommt, gibt es bei der ersten Hochrechnung ein böses Erwachen.

Mhmm. Ob ich damit die Montagsthemen beende? Oder mit  Scholls ARD-Honorar? Die “Berichtigung” ist schon geschrieben, vor der kurzen Nacht, denn ich habe die Kolumne schon gestern in Rohfassung gebastelt. Im Sport-Stammtisch habe ich, ironisch frotzelnd, Scholl ein Gehalt von 25 Millionen im Monat unterstellt. Tatsächlich haben zwei Leser – deren Namen ich natürlich nicht nenne, denn ich stelle niemanden bloß, der kurz mal auf dem Schlauch steht, das kenne ich ja von mir zur Genüge – ernsthaft nachgefragt, ob das denn stimme und wo man das verifizieren könne. In der “Berichtigung” heißt es, Scholl verdiene nicht 25 Millionen im Monat, sondern 25 Fantastillionen am Tag.

Vielleicht hänge ich die Hohls noch an. Muss mich aber beeilen damit, denn die Bettflucht war keine ungewollt senile, sondern eine im Dienste des Handkäs’. Einer meiner beiden Abi-Klassenkameraden, mit denen ich seit ein paar Jahren sporadisch Radtouren unternehme, ist im Ruhestands-Nebenberuf ADFC-Oberer in Wetzlar, dort auch Radverkehrsbeauftragter (gelle, Pit!?), und er organisiert und leitet eine “Handkäs-Tour” durch Wetzlarer und Hüttenberger Gefilde, inklusive Abstecher nach Volpertshausen. Da klingelt’s bei Goethe-in-Wetzlar-Kennern: Volpertshausen, Werther, Lotte usw. Hat mich früher mal sehr beschäftigt, nachlesbar auch im “Sport-Leben” (Link rechts). Das (nicht die Goethe-Passage darin) war übrigens auch der eigentliche Grund  für das “nette” Gespräch.

Aber jetzt hurtig: Montagsthemen abschließen, bisschen FAS durchforsten (hoffentlich jetzt im Briefkasten), KKKK und dann aufs Rad. Mit der Allerliebsten aus meiner liebsten Zielgruppe. Und mit Goethe, Handkäs und einem sauer Gespritzten. Muss bei diesem Wetter erlaubt sein. Bleibt doch so heiß, oder?

 

Baumhausbeichte - Novelle