Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Sonntag, 2. Juli, 6.30 Uhr

Nach dem Dauerregen gestern, ohne einen einzigen Rad-Kilometer, ist die Straße zwar noch nassfleckig, aber der Himmel überwiegend blau, und die Sonne krabbelt schon um den Berg herum. Sieht gut aus für eine kleine Tour am Nachmittag.

Die große Tour hat mit einem Kraftwerk-Konzert und einer Enttäuschung für Tony Martin begonnen. Wobei mir aber nicht klar ist, warum, wenn schon aus PR-Gründen die Tour in Deutschland beginnt und Martin unbedingt zum Auftakt Gelb holen soll, das Zeitfahren angeblich auf ihn zugeschnitten sein soll, aber nur ein paar Kilometer lang ist. Da gibt es viel zu viele Unwägbarkeiten (siehe gestern das Wetter), als dass der beste Zeitfahrer auch automatisch gewinnen müsste. Ein, sagen wir, 30-km-Zeitfahren hätte den gewünschten Zweck besser erfüllt. Allerdings wären dann die Zeitabstände so groß geworden, dass das Gelbe Trikot nicht, wie ebenfalls aus PR-Gründen erwünscht, in den ersten Tagen ständig wechseln würde.

Ganz nett, wenn man gleich zu Beginn des Tages schon ein kleines Och-jo?!-Erlebnis hat. In den dpa-Meldungen der Nacht werden auch Betrachtungen am Rande verbreitet, und in Russland-Randnotizen (wohl zum Confed Cup) erfahre ich, dass das Wort vom “Blauen Planet” erstmals vom UdSSR-Kosmonauten Gagarin benutzt wurde, 1961, als erster Mensch im All. Nie darüber nachgedacht, aber ist ja ganz klar, wie ich jetzt im nachhinein denke: Niemand konnte zuvor gewusst haben, dass die Erde vom All aus so unfassbar schön blau aussieht. Oder konnten die ersten Sputniks schon vor Gagarin Farbfotos zur Erde funken? Glaube nicht.

Eine wusste schon vor Gagarin, wie blau die Erde von oben ist. Sie konnte es uns nur nicht sagen. Beziehungsweise bellen. Leika. Unsterblich geworden, weil sie zum Sterben in die Umlaufbahn geschossen wurde. Berühmt geworden, um zu verglühen.  Jetzt könnte ich menschliche Vergleiche ziehen, aber für Sonntagspredigten bin ich die falsche Besetzung. Ich vermute aber, wenn wir erst heute das All erkunden könnten und die ersten Satelliten nach oben schössen, würde es allenfalls Nordkorea wagen, einen Hund zum Verglühen an Bord festzuschnallen.

Hieß Leika Leika oder Leica? Muss mal nachgoogeln.

……..

Aha. richtig geschrieben. Unter “Leica” gibt es nur Leica in Wetzlar (für Außermittelhessische: Das Leica-Gebäude – wie eine Kamera gebaut -  Nähe Ex-Spilburg-Kaserne/Büblingshausen/Straße nach Dutenhofen, sollten Sie gesehen haben, zumindest virtuell im Internet). Wikipedia zu Leika:

Die Hündin Laika (russisch Лайка, deutsch Kläffer; * vermutlich 1954 in Moskau, † 3. November 1957 im Erdorbit) war das erste Lebewesen, das vom Menschen gezielt in eine Umlaufbahn um die Erde befördert wurde. Im Rahmen der Mission Sputnik 2 wurde sie am 3. November 1957 an Bord des sowjetischen Raumflugkörpers in den Weltraum geschickt. Ihre Rückkehr zur Erde war zwar nicht vorgesehen, dennoch überraschte ihr früher Tod. Über den Zeitpunkt ihres Todes und die Todesursache herrschte jahrzehntelang Unklarheit. 2002 wurde der Öffentlichkeit bekannt, dass Laika einige Stunden nach dem Start der Rakete starb, vermutlich an Überhitzung und Stress. Die Mission gilt dennoch als Erfolg. Die Erkenntnisse aus Sputnik 2 ermöglichten letztlich erst die bemannte Raumfahrt mit Juri Gagarin.

 

“Kläffer!” Auch so einen Namen würde man dem Forschungshund heute nicht mehr geben. Aber vielleicht wäre das eine Inspiration für Trump, der eine Journalistin (auch eine Meldung der Nacht, bei “Bild”) “dumb as a rock” genannt hat. Wird als “dumm wie ein Stein” übersetzt. Ich hab mal “händisch” nachgesteinest, im Langenscheidt, weil mir mal ein Engländer auf die Frage, was “schwerhörig” heißt, ein Wort gesagt hat, das so ähnlich klang, aber mit “tiäitsch” am Schluss. Jetzt weiß ich: Er muss mich missverstanden haben, denn “schwerhörig” heißt “hard of hearing”, “depth” ist gleich “Tiefe”, “deaf” = stumm. Wie auch bei “dumb” in der ersten Bedeutung “stumm” angegeben wird und erst in der zweiten “doof, dumm”. Und “rock”, das weiß ich sogar ohne Dictionary, heißt Fels und ist nicht des Steines Übersetzung. Der kann allerdings oft auch “dumb as a rock” sein im Sinne von stumm wie ein Fels. Und er ist nicht nur schwerhörig, sondern auch schwer hörig. Aber nur einer. KKKK. Jetzt kommt und kommen sie: Kaffee, Kuchen, Knicks und Kuss.

 

Baumhausbeichte - Novelle