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Montagsthemen (vom 12. Juni)

Alle hatten ihren Spaß. Wahrscheinlich sogar Miroslav Klose, obwohl seine Miene auf der Tribüne wirkte, als müsste er befürchten, Sandro Wagner könnte ihn in einem einzigen Spiel als Rekordschütze der Nationalelf ablösen. Aber so guckt er ja immer, der Miro. Und Sandro »Die Kante« müsste schon noch zwei, drei Mal öfter gegen solche San Gibraltars aus Liechtenstein spielen, um den Klose-Rekord zu knacken (und den wahren Rekord hält sowieso Gerd M., wie jeder aus meiner Alters-Kohorte weiß).
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Kleine Scherze erleichtern den Einstieg. Scherzfrei reagierte der Bundestrainer auf die Pfiffe gegen Timo Werner. Wer so jung ist,  Nationalspieler zudem   und 21 Tore geschossen hat, »darf nicht ausgepfiffen werden«. Eigenartige Logik. Auch Werner scheint noch nicht verstanden zu haben: »Jahrelang wurden Schwalben gemacht, und bei mir wird es so aufgebauscht.« Unrechtsbewusstsein klingt anders. Vorschlag: mächtiger Anpfiff von Löw, »habe verstanden« von Werner, und dann Schluss mit der Pfeiferei.
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Ein Typ wie Sandro Wagner tut jeder Mannschaft gut, trotz und wegen verbaler und sportiver Kantigkeit. Nehmen wir mal den neuen Leverkusener Chefcoach. Im Bild-Interview beteuerte Heiko Herrlich am 24. Mai: »Ich bin nächstes Jahr auf jeden Fall Trainer in Regensburg. Mich erfüllt es mit großer Dankbarkeit, dass ich Trainer in diesem Verein sein kann. Diese beiden christlichen Werte will ich vorleben.« Dagegen Wagner im FAZ-Interview auf die Frage, ob er nächste Saison noch in Hoffenheim spiele: »Weiß ich nicht. Das weiß man im Fußball nie.«
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Wagners klare Kante. Herrlich aber sollte die Kirche im Dorf lassen. Mit christlichen Werten wortzubimmeln entwertet christliche Werte. Obwohl er womöglich recht hat: Vielleicht ist er ja im nächsten Jahr wieder Trainer in Regensburg. Bei Rudi Völlers Trainerverschleiß …
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Aber was mag »Nur ein’ Rudi Völler« bloß geritten haben, Herrlich als dritte Wahl vorzustellen? »Es gab zwei Trainer, an denen wir sehr großes Interesse hatten, das haben wir leider nicht hinbekommen.« Völler zählt seinen neuen Coach schon vor der ersten Runde an. Knockout nur eine Frage der Zeit. Sehr, sehr böse Frage: Vielleicht sind ja nicht die Trainer in Leverkusen das Problem, sondern … ?
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Schluss mit Fußball. Olympia in Paris und Los Angeles. Westen vorn! Prima. Auch wenn es nicht die Qual der Wahl gab, sondern eine quälende Suche nach den letzten Willigen, die neben obskuren Potentaten noch an Olympia interessiert sind.
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Demnächst also eine Mixed-Staffel in der olympischen Leichtathletik. Keine schlechte Idee. Sogar eine richtig gute. Nicht nur im Laufen, nicht nur wegen unverkrampfter und sportlich interessanter geschlechtlicher Gleichberechtigung, sondern auch, weil man auf diese Art behinderte Sportler aus ihrem, sorry, Ghetto Paralympics holen könnte. Beispiel: Mannschaftswettkampf im Weitsprung, Deutschland tritt an mit seinem besten Springer, der besten Springerin … und Markus Rehm. Gewertet wird die Gesamtweite. Eine wirklich prima Idee, finde ich. Auch wenn’s nur meine ist.
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Schlechte Idee und ganz und gar nicht meine: Der Mixed-Staffel sollen andere Leichtathletik-Disziplinen zum Opfer fallen, zugunsten von trendigem Trallalahoppsassa, an das sich die Funktionärsolympier juvenil anschleimen.
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Sind Mixed-Mannschaften Mannschaften? Warum spielten die Frauen in Paris Damentennis? Warum kicken die Damen Frauenfußball und decken zudem noch den »Mann«? Was zwar der ultimative feministische Höhepunkt wäre, aber biologisch immer noch unmöglich ist. Wie Sie lesen, liebe Leserinnen, mache ich mir seit je her genderaffine Gedanken. Ich nehme sogar für mich in Anspruch, eine der blödesten sprachlichen Verirrungen erstmals angeprangert und schon vor -zig Jahren mit den seltsamen »Landsmänninnen« Schluss gemacht zu haben. Gelle, liebe Landsfrauen?
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Wenn ich so weiter mache, schleiche ich mich, an meine liebste Zielgruppe ranschleimend wie ein IOC-Olympier ans Trallalahoppsassa, noch in jede Frauschaft ein … schon höre ich Pfiffe. Ich heiße doch nicht Timo?!
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Die Pfiffe sind ein Anpfiff. Von unserem Leser Werner Haaser aus Gießen. Es ist auch kein echter Anpfiff, obwohl ich ihn verdient hätte, sondern nur ein dezenter Hinweis. Im »Anstoß« vom Samstag sah ich keine »Möglichkeit, einer Lösung auch nur ein Globuli näher zu kommen«. Werner Haaser mailt lapidar: »Hinweis: Singular ist Globulus.« – Wie peinlich für mich Besserwisser. Dafür hieß es ja schon in der Quarta: Setzen, sechs! Egal ob man Männlein, Weiblein oder sonst was war. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle