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Sonny & Cher – oder wer? (“Wer bin ich?” vom 1. Juni)

»Als Fußballprofi habe ich etwas erreicht, was mir keiner der heutigen Stars nachmachen kann. Überhaupt hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich heute noch bekannt bin.«
»Du bist bekannt? Komisch. Ich kenne Dich nicht. Ich bin vielen berühmten Menschen begegnet, dir aber offenbar nicht.«
»Wahrscheinlich bist du an mir vorbeigelaufen. Du warst ja ein großer Läufer zu Beginn deiner sportlichen Karriere. Außerdem ist Fußball nicht euer Ding, damals jedenfalls. Ihr spielt lieber Football. Aber wie bist du eigentlich zum Laufen gekommen?«
»Ach, weißt du, das habe ich eigentlich überhaupt nicht geplant. Ich wurde als Kind oft gehänselt, konnte mich nicht wehren, aber dann merkte ich, dass ich einfach weglaufen kann. Und seitdem lief ich, unermüdlich. Aber wie bist Du denn zu diesem seltsamen Sport gekommen, dem Fußball?««
»Ach, zu meiner Zeit und in meiner Heimat wird man halt einfach Fußballer, was sonst? Es sei denn, man gehört zur Upper Class und spielt Tennis oder Golf. Oder Kricket.«
»Warst du ein richtig guter Fußballer? Weltmeister oder so?«
»Du stehst wohl auf absolute Berühmtheiten?«
»Nein, ich habe mich nie nach der Prominenz gedrängt. Außerdem hat mancher von denen mehr von mir profitiert als ich von ihm. Aber erzähl mal, was konntest du besonders gut?«
»Diese Frage müssten die Sportjournalisten beantworten, ich kann mich doch nicht selbst loben. Aber gut, ich bin ja später selbst Sportjournalist geworden, da sag ich es mal in den Worten meines Berufsstandes: Ich war Torjäger, ein Mittelstürmer der alten Garde, immer fair, und meine Spezialität waren Flugkopfbälle. Aber zugegeben: Ich wäre ein ›local hero‹ geblieben, gäbe es nicht … (und hier verrät er, was wir eben nicht verraten).«
»Ball der einsamen … ach so! Das ist ja ein Ding! Da haben wir über ein paar Ecken doch zumindest einen gemeinsamen Bekannten. Wusstest du, dass ich John … (und hier – siehe oben)«
»Stell dir vor!?«
»Da staunst du, was!? Aber erzähle mal, du musst doch irgendwelche Erfolge im Fußball vorweisen können.«
»Sicher. Aber eben keine allzu großen. Vor allem wohl auch, weil ich im Weltkrieg im besten Fußballeralter war. Aber ich will nicht klagen. Der Krieg hat anderen mehr geraubt als ein paar Länderspiele oder Titel. Immerhin ist mir mit meinem Klub kurz danach etwas gelungen, wovon der aktuelle Trainer noch träumt.«
»Auch ich hatte etwas mit dem Krieg zu tun, aber das war ein anderer. Obwohl ich einen recht ungewöhnlichen Lebenslauf hatte, war mein Weg zum Sportstar doch ein in unserem Land sehr konventioneller: Als Lauftalent entdeckt, zum Football gewechselt, trotz Herkunft und mangelnder schulischer Referenz ein Stipendium bekommen – so läuft das bei uns eben. Wenn man Glück hat. Und ich hatte, neben mancher Tragik, viel Glück im Leben.«
»Davon habe ich gehört. Du hast sogar in einer Sportart, in der gerade Weltmeisterschaften stattfinden, Aufsehen erregt. Ich dagegen habe nur ein, wie man heute sagt, Alleinstellungsmerkmal, obwohl zu dem Alleinstellungsmerkmal gehört, dass es eben buchstäblich kein Alleinstellungsmerkmal ist. Schließlich waren Sonny und Johnny auch dabei.«
»Alleinstellungsmerkmal? Das verstehe ich nicht. Wie so vieles. Aber Sonny and Cher, die kenne ich.«
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Gesucht werden aber nicht Sonny und Cher, auch nicht Sonny und Johnny, sondern ….? Bis zum Einsendeschluss am 12. Juni wünsche ich allen eine prächtige Zeit. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle