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Sonntag, 28. Mai, 6.45 Uhr

Die Meldungen der Nacht nähern sich langsam dem Sommerloch. Pontonbrücke beim Kirchentag erstmals benutzt und Wettrennen zwischen Polizei und einem Exhibitionisten. Dass die Polizei gewonnen hat, war ja klar. Den Grund habe ich kürzlich genannt. Hier oder in der Kolumne? weiß nicht mehr. Der wacklige Spoiler als aerodynamischer Nachteil. Nicht schlüpfrig genug.

Eine brandaktuelle Meldung interessiert dagegen sehr. Ich fürchte aber: nur mich. Beim ersten großen Leichtathletik-Treffen gewinnt Crouser in Eugene mit 22,43 vor Walsh und Kovacs, weit dahinter wird David Storl Fünfter mit 20,63. Knapp vor Franck Elemba aus dem … Kongo! Wahrhaftig. Ich habe es schon das eine und andere Mal angemerkt, wahrscheinlich schon zu oft: An dem unvergleichlichen Talent Storl ist die Entwicklung vorübergegangen. Über die Gründe kann ich nur mutmaßen. Was ich ebenfalls schon getan habe. Heute mal nicht. Aber etwas kommt noch hinzu: Die Weltelite dreht, Storl gleitet an. Das Angleiten, die Parry-O’Brian-Technik, ist die sportliche Variante des Kugelstoßen, das Drehen die Zocker-Version. Ich würde das Zocken verbieten. Außerdem hat die Leichtathletik durch die Dominanz des Drehens mittlerweile drei Wurfdisziplinen mit Drehung und nur noch eine lineare. Drei sind eine zu viel. Ans Abschaffen von Speer oder Diskus denkt aber niemand. Zu recht. Ohne Dreher wäre Storl wieder weit vorne. Allerdings immer noch weit hinter seinen Über-22-m-Stößen, als er noch als die Zukunft des Kugelstoßens galt, schnell, explosiv und mit Top-Figur wie ein muskelstarker Zehnkämpfer.

Aber wen interessiert’s noch? Ist auch eher kein Montagsthema. Oder doch? Kann ja nicht nur um das Pokalfinale gehen. Da habe ich mir ein paar Stichworte am Rande notiert: Witt/Fischer, Kovac/Tuchel, Watzke/Motiv, Tattoo/Ronaldo, Olympiastadion/Blase, Rimet/NOP.

Witt/Fischer könnte aber zu Spoiler-lastig sein. Zu schlüpfrig. Mal sehen.

Ich bin sowieso ein armseliger alter Tropf. Schäme mich immer noch bis auf die morschen Knochen, wenn mir Rennradler begegnen, einen kurzen Blick  zu mir werfen, den Akku sehen und geringschätzig und grußlos vorbeiradeln. Die gleichen Typen, die kameradschaftlich grüßen, wenn ich ohne Akku unterwegs bin. Was immer seltener wird. Und die Scham immer größer. Am liebsten würde ich ihnen zurufen: Akku ist ausgeschaltet! Bin kürzlich beim Gesundheitscheck 310 Watt gefahren, was sagt ihr jetzt, ihr Flaschen?! Wie gesagt: armseliger alter Tropf.

 

 

 

Baumhausbeichte - Novelle