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Montagsthemen (vom 29. Mai)

Es gäbe so viel zu sagen. Da mache ich lieber hier schon den Punkt, auf den es Peter Heß von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung bringt: »Eintracht hat im Pokalfinale nicht triumphiert, aber schwer beeindruckt.«
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»Wir haben vielleicht unser schlechtestes Saisonspiel gemacht«, sagt Marco Reus. Aber nur, weil die Eintracht vielleicht am besten von allen Underdogs die Großen schlecht aussehen lassen kann. Eine aus der Not geborene Tugend (manche nennen es Untugend), für die Niko Kovac verantwortlich ist. Er tut das, was einen Klassetrainer ausmacht: Mehr aus einem Team herausholen, als in ihm steckt. Und Tuchel?
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Marco Reus. Seine Verletzungsanfälligkeit ist nicht nur Pech, sondern auch die Tragik manch eines genial veranlagten Sportlers: Zu viel PS in einem zu filigranen Körper. Ältere erinnern sich an einen anderen Dortmunder ähnlicher Bauart: Zehnkämpfer Frank Busemann.
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Im Vorfeld gab es viele, zu viele Interviews. Alles Schnee von gestern, nicht nur wegen der akuten Hitzewelle. Aber etwas merke ich mir: BVB-Boss Watzkes Geraune, er zweifle am angeblichen Motiv des Bus-Attentäters. Weil zu wahnwitzig. Stimmt. Aber Wahnwitz ist ein Synonym für die Welt, in der wir leben.
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Was hat Helene Fischers Management bloß geritten, die unter Hochspannung stehenden Fans beider Lager mit Trällerei zu bedudeln? Da wäre jede(r) ausgepfiffen worden. Oder hat sich Helene nur für die Fans aufgeopfert, weil Margot Käßmann angedroht hatte, wenn die nicht singt, komme ich von nebenan und halte in der Halbzeit eine Erbauungspredigt?
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Zu den Geheimnissen des deutschen Volkswesens gehört die Übereinkunft, dass Helene Fischer die gleiche Erotik ausstrahlt wie Heidi Klum. Allerdings für die einen gleich viel, für andere gleich wenig. Letztere spürten bei Kati Witts Einmarsch bei jedem Schritt mehr Erotik als beim ganzen Gehüpfe von Helene & Co.
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Früher waren die Fans im Berliner Olympiastadion begeistert, wenn die Musiker beim »British Tattoo« einmarschierten. Die müssen nicht unbedingt tätowiert sein, um mitspielen zu dürfen, denn »der Begriff stammt vom niederländischen ›tap toe‹ (Zapfen zu) und bedeutet Zapfenstreich« (Quelle: Wikipedia).
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Auch für Guillermo Varela bedeutete Tattoo Zapfenstreich – »Zapfen zu« wegen Tattoo. Nicht wegen des Tattoos an sich, denn sonst müsste man ja die Kicker von einer Elf auf die Basketball-Fünf reduzieren, um den Spielbetrieb aufrecht erhalten zu können. Varela hat fahrlässig gegen die Auflage verstoßen, sich wegen des durchaus vorhandenen Risikos nicht kurz vor einem Spiel tätowieren zu lassen.
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Zu pingelig? Mangels Erfahrung erlaube ich mir keine Meinung, erinnere aber an jenen Fußball-Profi, der nicht nur glattrasiert ist und einen fast konventionellen Kurzhaarschnitt bevorzugt, sondern der auch kein einziges Tattoo vorweist. Nicht nur, weil er regelmäßiger Blutspender ist und man nach dem Stechen eines Tattoos erst nach einigen Monaten wieder spenden darf, sondern auch, weil er mehr als andere Fußballer seinen Körper pflegt und fit hält.
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Wer ist es? Wäre eine gute Frage für unsere Rate-Serie »Wer bin ich?«, zumal, wenn man noch den irritierenden Tipp gäbe, dass der Gesuchte, ein Top-Star seiner Zunft, auch als Knochenmarkspender registriert ist. Da käme nur ein Normalo wie Messi in Frage, oder? Jener Messi, von dem der Spiegel einmal schrieb, »er wird nie ein Tattoo haben, und wenn er seinen rotsamtenen Anzug von Dolce & Gabana trägt, sieht er aus, als hätte ihm seine Mutter den falschen Konfirmationsanzug gekauft.« – Es gibt so’ne und solche Vorurteile. Mittlerweile ist Messi derart peinlich zutätowiert und gestylt, dass man kaum hinschauen mag, und der vorbildliche Normalo heißt … Cristiano Ronaldo.
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So’ne und solche Vorurteile gibt es auch in der deutschen Ruhmeshalle des Sports, neudeutsch Hall of Fame. Jetzt ist auch Lothar Matthäus drin, und zwar sportlich sehr zu recht. Verwehrt bleibt sie den als Schmuddelkinder des Sports lebenslänglich vorverurteilten Täve Schur und Jan Ullrich. Da kennt moralische Rechthaberei keine Gnade. Sonst stünden Schur und Ullrich ja auf einer Stufe mit Friedrich Ludwig Jahn, dem »Turnvater«, der in der Berliner Hasenheide als oberstes Leibesertüchtigungs-Ziel deutsche Körper mobilmachte für den Krieg gegen Frankreich.
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Und dann wäre da noch Peer Steinbrück, der seiner (seiner?) SPD genüsslich auflistet, was sie alles falsch gemacht hat, bis hin zur »Erich Schulz-Honecker«-Wahl. Die Sozis sollten genauestens hinhören, was ihr alter Vorturner und Ex-Kanzlerkandidat sagt – Steinbrück weiß schließlich, wie man Wahlen gewinnt … (gw)
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(www.anstoss-gw.de    gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle