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Ohne weitere Worte (vom 23. Mai)

Einen ballbegabten Sohn zu haben gilt Eltern in manchen Großstadtmilieus als Statussymbol. (Gerhard Pfeil im Spiegel über den Showsport Fußball und seine Scheinwelt)
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ist lästig läuft ab läuft heiß / läuft auf zu einer form die / form gibt er formatiert das / spiel spielt frei spielt steil (aus: ode an lahm von Albert Ostermaier, Dramatiker und Bayern-Fan; zum Lahm-Abschied noch einmal nachgedruckt in der Süddeutschen Zeitung)
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2016 verdienten die 500 Spieler der 18 Bundesligavereine im Schnitt 1,9 Millionen Euro im Jahr. (Pfeil/Spiegel)
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Sein Stil glich dem eines Diamanten oder Zahnarztbohrers oder der Bundesrepublik im 21. Jahrhundert. Präzise, freundlich, gnadenlos. (…) Exemplarischer konnte man nicht für Deutschland stehen. (Michel Decar, Autor des Theaterstücks »Philipp Lahm«/SZ)
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Ein Durchschnittskicker wie Lewis Holtby verdient beim chronischen Krisenklub Hamburger SV 292 000 Euro im Monat. Ohne Prämien. Der Markt gibt es her. (Pfeil/Spiegel)
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Ein herzensgebildeter junger Mann, der (…) seinem herausragenden Talent stets Fleiß, Disziplin und Bescheidenheit voranstellte. Ein kluger Kopf mit Haltung. (Olli Dittrich in der SZ über Philipp Lahm)
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Eine Milliarde Euro gaben Klubs voriges Jahr weltweit für Agenten aus. Ein Kreislauf des Irrsinns. (Pfeil/Spiegel)
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(…) der ball ist wie / ein arm den er um seine / freunde legt er ist der / schatten den sie suchen (ode an lahm/Ostermaier/SZ)
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Angekündigt wird das Opus so: »Kein Prominenten-Biopic, sondern mit einer lakonischen Autorschafts-Volte den hysterischen Kultur- und Literaturbetrieb, Zeitgeist und Homestory persifliert und nebenher die dramatische Tradition schulterzuckend ins Abseits gestellt. ›Pilipp Lahm‹ ist die rettende Blutgrätsche gegen die konfliktfreie Dramaturgie toter Männer.« Bäm! Wenn das nicht mal alle Kuttenträger aus der Südkurve anlockt. (Thomas Becker in der taz über das Theaterstück)
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(…) er ist dort wo man / auf ihn zählt und meistert / am ball die welt (ode an lahm/Ostermaier/SZ)
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Die Bayern-Party (…) fand wie immer ihren Höhepunkt bei den Weißbierduschen, die sich die Spieler gegenseitig auf dem Rasen verpassten. Aber waren das wirklich Go-Pro-Kameras, die da auf so manchem Glas montiert waren? Tatsächlich: Bierduschen aus der Bierperspektive, das ist schon bizarr. (Lars Wallrodt in Welt online)
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»Okay Männer, zuhören: 25 000 sind da draußen und warten darauf, dass ihr gleich explodiert. 25 000! Die beten zu Gott, dass ihr gleich Gas gebt, dass ihr ein Feuerwerk abfackelt. Aber ein Punkt ist mir noch viel, viel wichtiger, Männer. Wenn ihr nach Hause geht, könnt ihr den ganzen Müll bei euren Frauen und Kindern und Freundinnen abladen. Alles, alles, was hier passiert, könnt ihr zu Hause abladen. Und die sind immer für euch da. Immer! Immer! Jeden Tag sind die zu Hause. Und heute sitzen die auf der Tribüne und beten genau so zu Gott wie die anderen auch, dass ihr hier heute ein Feuerwerk abfackelt.« (Kabinen-Ansprache von Bielefelds Co-Trainer Carsten Rump vor dem Spiel gegen Braunschweig, zitiert im  Westfalen-Blatt)
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»Wir gehen unseren Weg. Wir schauen nicht ängstlich runter in die Schlucht. Wir suchen nach dem Pfad, der uns rüberführt.« (Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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»Ich glaube, jemand, der keine Probleme hat – falls es so jemanden überhaupt gibt –, hätte es sehr schwer, einen Charakter zu entwickeln.« (der Schauspieler Franz Rogowski im Interview des SZ-Magazins)
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Einige Menschen, die es gut meinen mit Xavier Naidoo, glauben, er habe sich einfach die Birne weggekifft. (Tim Neshitov in der SZ)
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»Und ihr müsst mir jetzt ein Versprechen hier ableisten: Dass ihr für eure Familien alles gebt, alles gebt (haut mit der Faust auf den Tisch) in den 90 Minuten. Für eure Familien für eure Kinder werdet ihr jetzt da draußen ackern vom Anfang bis zum Ende. Und wir werden das Spiel gewinnen. Versprecht ihr mir das?« – »Jaaaaaaaaaaaaaaaaa!« (Rumps Rede wurde bisher 40 000 Mal bei youtube angeklickt. Nachbemerkung für Lebenspessimisten: Seine Mannschaft gewann sensationell 6:0) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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