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Sonntag, 21. Mai, 6.30 Uhr

Schock in der Morgenstunde. Meldung der Nacht, nicht bei dpa oder Bild online oder sonstwo gefunden, sondern von einem Facebook-”Freund” gepostet: Bild am Sonntag werde heute über einen positiven Dopingtest von Marco Völler berichten. Der Rudi-Sohn und ein weiterer Gießener Basketballer müssten mit einer Sperre rechnen (na klar, wenn’s stimmt). Völler habe “verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel” als Grund und Unschuldsbeteuerung genannt. Was glaubhaft klingt. Wobei: Was glaubhaft klingt, ist immer Ansichtssache. Wenn der Papst bei einem Volkslauf starten, positiv getestet und “verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel” als Grund angeben würde, glaubte es jeder, aber wenn Jan Ullrich bei einem Volksradfahren …

Wie auch immer: Nahrungsergänzungsmittel sind weltweit ein Milliardengeschäft, problematisch und überflüssig. Die erste Komponente verhindert, dass die beiden anderen die ihnen gebührende Rolle spielen. Überflüssig, weil bei sportgerechter Ernährung wirkungslos, problematisch, weil die “Verunreinigung” das permanente Risiko ist. Zum einen wegen der Dopingliste, zum anderen gesundheitlich.

Bin gespannt, was die Kollegen aus der BamS-Geschichte machen. Und ich? Soll ich in den Montagsthemen? Im Moment meine ich: lieber nicht. Mal sehen.

In Gießen gibt es ja zwei Sorten von Kollegen: Die von der eigenen und die von der anderen Zeitung. Gießener Allgemeine und Gießener Anzeiger. Ein Verhältnis wie Frankfurt/Offenbach, HSV/St. Pauli, Bayern/Löwen … undsoweiter. Unterschied: Der Konkurrenzkampf macht beide besser. Natürlich bin ich der Meinung, dass “wir” die klar bessere Zeitung machen. “Die” glauben aber auch, dass sie klar besser als wir sind. Aber etwas glauben “wir” und “die” nicht nur gemeinsam, sondern wissen es auch: Die Konkurrenz belebt und hebt das Geschäft deutlich über das Niveau vergleichbarer regionaler Tageszeitungen, die in ihrem Verbreitungsgebiet Monopolisten sind. Leider ist Gießen fast ein Unikat in der deutschen Medienlandschaft, konkurrierende Zeitungen auf derart engem Raum gibt es kaum noch und werden immer weniger.

Vorige Woche haben “die” in ihrer Serie “Was macht eigentlich?” einen alten Typen ausgegraben, der zu seiner eigenen Verwunderung sehr (und nach seinem Gefühl zu) positiv dargestellt wurde. Obwohl er aus dem “feindlichen” Stall kommt. Sehr souverän gemacht, liebe Kollegen. Kann auch im Internet gefunden werden. Geben Sie die Namen der Zeitung ein und … na ja, Sie ahnen es.

Aber nun, auch das ahnen Sie, mein altes Lamento: Nix auf dem Zettel für die Montagsthemen, was soll ich bloß schreiben? Vor der Verzweiflung rettet mich nur das Wissen: Irgendwas fällt mir noch ein. Ach so, ja, Bibiana muss rein, wegen der Leser-Mail. Auch Positives zum Ex-Streber aus der ersten Bank. Wird also. Irgendwie.

Baumhausbeichte - Novelle