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Sonntag, 7. Mai, 6.40 Uhr

Gestern, Wiesbaden, im Wald um das Jagdschloss auf der Platte. Charity Working Test. Ein Hundesport-Wettkampf.  Mit “Dummys” (Leinensäckchen) als Jagdwild-Ersatz. Unser Hund hat leider schon bei der ersten Aufgabe einen Fehler gemacht. Null Punkte, Prüfung verkackt, wie sie in der Szene sagen. Wahrscheinlich leidet die kleine Schwester (und ihr Mensch) noch unter dem Tod der großen alten Schwester. Streichpunkte wie beim Skispringen gibt es nicht. “Verkackt” wird manchmal sogar buchstäblich, denn wer während des Wettkampfs sein Geschäft macht, scheidet aus.

Ist alles noch viel komplizierter, aber ich als nur interessierter Beobachter und Begleiter kenne mich nicht richtig aus. So weit, so gut. “Charity” : Weil 25 Euro vom Startgeld einem wirklich guten Zweck dienen, denn sie gehen zu einer Organisation für Begleithunde von Behinderten. Man muss für einen guten Zweck also nicht unbedingt rückwärts den Mount Everest hoch laufen. Wenn danach gelähmte Kinder in ihren kleinen, bunten Rollstühlen Übungen mit ihren Hunden vorführen, weiß jeder, der manchmal  aus eher nebensächlichem Grund mit dem Leben hadert, wie viel Glück er hat und was  echtes Schicksal ist. Berührende Szenen.

Meine irgendwie gar nicht so verblüffende Beobachtung am Rande: Menschliche Teilnehmer und Atmosphäre beim Hundesportwettkampf  unterscheiden sich kaum von Menschensportwettkämpfen. Die gleichen Angeber, Aufgeblasenen, Netten, Zurückhaltenden, Verunsicherten, Konzentrierten, Geselligen, Verbissenen wie beim Menschensportwettkampf. Ein reiches, weites Feld für den interessierten Beobachter.

Vorbildlich die Verhaltensregeln. Auszug:

“Auf dem gesamten Areal sind die Hunde anzuleinen. Alle Hinterlassenschaften des Hundes und der Menschen sind aufzunehmen. Das Dummywerfen in den Wartezonen ist untersagt. Das Beschimpfen von Werfern / Helfern führt zum Ausschluss. Rund um das Jagdschloss Platte ist im Wald absolutes Rauchverbot!”

Nachahmenswert. Vor allem der Ausschluss Beschimpfender.

Nächsten Samstag fahre ich wieder nach Wiesbaden, wieder als interessierter Beobachter. Werfer-Saisonauftakt, mit Weltklasse-Athleten im Ring und alten Assen unter den Zuschauern. Traditionelles Treffen. Einige der kürzlich wieder in die Schlagzeilen Geratenen sind auch dabei. Bin gespannt, was sie zu berichten haben.

Das Thema Doping und die mögliche Neuordnung der Rekorde werden sicher am intensivsten bekakelt. Auch für die Montagsthemen habe ich schon einen Satz dazu notiert: Im 20. Jahrhundert gab es ehrlich gedopte Rekorde, im 21. Jahrhundert gibt es unehrlich ungedopte. Gefällt mir. Schreibe ich gleich mal “ungetwittert”. Auch diese Notiz wäre was für die Kurzrubrik: Video-BEWEIS. Nomen est Konflikt-Omen. Außerdem auf dem Zettel: Der Speer-Rekord (mit Rückblick auf Hohn/Handgranate usw.), Marathon/Nike/Red Bull und die Eintracht. Genug auf dem Zettel. Würde für mehrere Kolumnen reichen. Da fällt mir ein: Beim Schreiben über den “Working Test” habe ich nicht an Material für eine Kolumne gedacht. Aber warum nicht? Meine KKKK-Beste fragt mich immer: Was ist der Unterschied zum Reitsport? Wenn ich dann scheinüberlegen bloß lächle, weiß ich nicht, welchen Grund ich anführen sollte, dass das eine Sport und das andere nur merkwürdiger Zeitvertreib sein soll. Wissen Sie es?

Nachtrag ein paar Stunden später: Im Blog korrigiere und redigiere ich meine dahingeschriebenen Aufwärmsätze für die Kolumnen nicht. Ehrensache. Normalerweise. Doch diesmal musste ich auf höchstrichterliche Anordnung meine Erklärung der Spielregeln löschen. Nur Quatsch habe ich geschrieben, heißt es in der Urteilsbegründung. Ich nehme das Urteil natürlich an, sonst drohte die Höchststrafe: KKKK-Entzug.

 

Baumhausbeichte - Novelle