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Montagsthemen (vom 8. Mai)

Pokalfinalist und souveräner Nichtabsteiger: Eintracht-Fans, was wollt ihr mehr? Voriges Jahr um diese Zeit schien der Abstieg festzustehen. Jetzt gibt es eine Berlin-Party als Zugabe. Nur Traumtänzer finden’s nicht traumhaft.
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Red Bull in der Champions League. Sportlich immerhin eindrucksvoller, als einen Österreicher aus dem Flugzeug abzuwerfen. Oder einen Kenianer mit Spoilern im Windschatten eines Hasen-Autos um die Rennbahn zu hetzen. Red Bull hat auch den besseren Hasen(hüttl) als Nike. Sein Vorschlag zur Spontanheilung Schwerverletzter: fünf Minuten Schutzsperre für sich am Boden windende Profis. Nebeneffekt: Dann dauert ein Spiel wieder 90 Minuten.
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Hasenhüttl gibt seinen Spielern bis Mittwoch frei. So etwas gibt es nur im Fußball, wundere ich mich oft. Diesmal nicht. Für Leipzig ist die Saison mit dem Wunschtraumerfolg beendet, da kann man es getrost schleifen lassen. Auch Wettbewerbsverzerrung ist nicht zu befürchten. Die letzten zwei Gegner: Bayern und Eintracht.
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Nächste Saison kommt der Videobeweis. Das Konfliktpotenzial steckt schon im Namen: VideoBEWEIS. Sinnvoll und konfliktfrei ist nur die VideoHILFE für den Schiedsrichter. Aber dieses Gummi kaue ich nicht mehr durch. Will nicht auf die Kaudrauf-Bestenliste. Die Medaillen dort sind eh vergeben: Ferguson – Ancelotti – Kahn.
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Täuscht der Eindruck, oder kaut nur die alte Garde? Sind Tattoos das Kaugummi der Fußball-Moderne? Na ja, Guardiola oder Tuchel kauen weder Kaugummi noch sind sie sichtbar tätowiert. Nagelsmann auch nicht, »unser« Nico sowieso nicht.
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Apropos Tuchel: Schrill scheppert das Schweigen zwischen Trainer und Boss. Watzke deutet an, der Coach habe intern etwas anderes gesagt als öffentlich am Tag danach. Oder stinkt es einem eitlen Fa.., quatsch, oder ärgert es Watzke nur, dass er kritisiert und sein Untergebener belobigt wurde? Wie es auch gewesen sein mag: Tuchel und der BVB, das passt einfach nicht. Vielleicht sollte Tuchel, siehe alte Garde, im Spiel nicht mit vier bis fünf Extremitäten herumfuchteln, sondern mit zwei Kiefern genauso leidenschaftlich kauen. Das kommt bei Fußball-Traditionalisten besser an.
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Sorry. Zu albern. Fast so albern wie der Nicht-Rekord von Monza (in Herzogenaurauch stieg eine Spontan-Fete) oder die Bestrebungen, alle Leichtathletik-Rekorde aus der Vergangenheit zu annullieren. Weil: zu gut, um unverdächtig zu sein. Hübscher Treppenwitz: Kaum wurde die Diskussion angestoßen, bricht ein Speerwerfer den verdächtigen Rekord aus dem Jahr 1986. Vielleicht wäre der Speer sogar bis auf Uwe Hohns fabulöse 104,80 Meter aus dem Jahr 1984 geflogen, denn aus Sicherheitsgründen wurde danach bei dem 800-Gramm-Gerät der Schwerpunkt verändert, so dass es steiler fliegt und früher absinkt.
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Wie zum Hohn hält Hohn zwei andere phänomenale Wurf-Weltrekorde: 100,02 Meter mit einer DDR-F1-Handgranate und 44 Meter … mit einem Streichholz! Nur den Weltrekord im Rohes-Ei-Werfen, den hält ein finnisches Duo: 73 Meter, heil aufgefangen. Schwerter zu Pflugscharen? Macht Handgranaten zu rohen Eiern! Oder wenigstens zu Streichhölzern.
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In der Diskussion ist auch der Vorschlag, die alten Rekorde zu belassen und neue Rekordlisten zu führen. Gar nicht so übel, denn im Klartext heißt das, die ehrlich gedopten Rekorde des 20. Jahrhunderts von den unehrlich ungedopten des 21. Jahrhunderts abzugrenzen. Zu denen hätte auch der Hasenlauf von Monza gehört, wenn nicht … 25 Sekunden … hihihi, kichert es schadenfroh von Herzogenaurach bis Mittelhessen.
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Immer wieder wird alter Wein in neue Schläuche verpackt und als neue Sau durchs Dorf oder alter Hase durch Monza getrieben, wenn die Stilblüte mal erlaubt sein möge. Unser Innenminister versucht es mit einem neuen Trick und will uns alten Wein im alten Schlauch verkaufen. Leitkultur! Ist doch längst ancelottig durchgekaut und hat einen längeren Bart als jeder volltrottelige vollzottelige Islamist.
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Schwierig wird es schon mit dem neuen Ersten Gebot: »Wir geben uns zur Begrüßung die Hand.« Als ich letztes Jahr zum Check im Facharztzentrum war und versehentlich dem mir bekannten Mediziner, einem Fußballtorwart, die Hand reichen wollte, wich dieser mit erhobenen Händen zurück. Vor ein paar Tagen war ich wieder einmal im Krankenhaus. Das ist ganz sicher nicht muslimisch unterwandert, aber dennoch las ich, bevor ich zur Entbindungsstation hoch fuhr, den freundlichen Hinweis, bitte dem Arzt nicht die Hand zu geben. Die Mediziner wissen eben, was wirklich ansteckend wirken kann.
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Ach ja, zur Sicherheit, wegen der Entbindungsstation: Ich kam nur als Besucher. Sooo weit geht meine Identifikation mit meiner liebsten Zielgruppe nun doch nicht. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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