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Gewinnende Verlierer … (Anstoß vom 2. Mai)

… das klingt nach »Dunkel war’s, der Mond schien helle«, ist aber kein absurder Widerspruch, sondern eine sportliche Verbeugung vor dem FC Bayern München und Wladimir Klitschko. Beiden haftete das Etikett überlegen-kühler und leicht langweiliger Erfolgs-Maximierer an, doch gerade in ihren existenziellen Niederlagen zeigen sie überraschend viel Herz und Moral – und gewinnen als Verlierer mehr Sympathien, als sie dauersiegend verlieren konnten.
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Mit welcher Lust die Bayern ihren Frust wegspielten und -spülten, muss selbst spottende Verächter erfreuen, die hämisch von der zweiten »Triple«-Chance orakelt hatten: dem Verlust auch noch des dritten Titels. Apropos Triple: Ein »deutsches« steht noch im Raum. Für Sami Khedira mit Juventus Turin. Aber zunächst müssen die cleveren alten Juve-Haudegen die jungen Wilden aus Monaco an sich abprallen lassen. Wird sehr interessant, mehr jedenfalls als das Madrider Stadtduell.
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Noch ein Triple. Ein hessisches, wenn wir Mainz mal kurz vom anderen Ufer her eingemeinden. Die Nachbarn Frankfurt, Darmstadt und Mainz gemeinsam in der Bundesliga, drei Traditionsvereine ohne Großsponsor, Oligarchen oder sonstige Potentaten, das wird es so schnell nicht mehr geben. Man mag’s beklagen, kann es aber nicht verhindern. Und noch ein letztes Triple, denn zu den gewinnenden Verlierern gehören auch  die Darmstädter »Lilien«. Jedenfalls geht meine scheinrealistisch böse Vorhersage von Darmstadt als einem zweiten Tasmania Berlin  nicht in die Liga-Annalen ein, sondern, durch eine gewisse Brille betrachtet, anal daran vorbei.
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Von vorpubertär analem zu rabenschwarzem Humor. Bekanntlich hat der – nur vermutliche, da die Tat bestreitende – BVB-Attentäter mit sogenannten Put-Optionsscheinen den Börsenkurs manipulieren wollen. So abartig irrsinnig, dass es immer noch nicht zu glauben ist. Nun ist die BVB-Aktie auf ein 15-Jahres-Hoch geschossen. Haben Hintermänner den glimpflichen Verlauf eingeplant und auf die Hausse-Variante put-optiert? (nur zur Sicherheit: ist wirklich lediglich schwarzer Humor).
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Ebenfalls ein »schwarzer« Scherz: Wissen die Engländer, die für den Brexit gestimmt haben, dass Joshua nicht »ihr« Weltmeister wäre, wenn sie den antimigrantischen Brexit schon vollzogen hätten? Vielleicht wären seine nigerianischen Eltern zu uns gekommen und wir hätten jetzt einen echten deutschen Weltmeister, statt einen nur von uns adoptierten ukrainischen Exweltmeister.
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Ein großer Boxkampf. Klitschko hat sein – für Hardcore-Fans – Langweiler-Image gründlich korrigiert. Mit diesem verlorenen Super-Fight gewinnt er mehr Renommee als mit allen seinen kühl faustgefochtenen Siegen. Kaum zu glauben aber auch, dass er nicht nachsetzte, als Joshua stehend k.o. war. Ihm fehlt wohl doch der Killer-Instinkt. Was ja auch nicht unbedingt unsympathisch ist. Der letztlich entscheidende Schlag, dieser fürchterliche Aufwärtshaken, der Klitschko buchstäblich vom Boden riss, wird in die Boxgeschichte eingehen.
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Zurück zu den Bayern. Angeblich wartete bei der Ankunft am Flughafen nur ein (!) Fan auf den Meister. Nun ja, Ray Davis hätte sich gefreut. Aber nur, wenn dieser eine Fan … aber zunächst die Frage im Zeit-Interview: »1965 sind Sie mit den Kinks zum ersten Mal in die USA gereist. Was haben Sie damals von dem Land erwartet?« Darauf der Kinks-Boss: »Ich hoffte auf eine große, schöne blonde Frau, die mich in einer langen Limousine am Flughafen abholt und in ihre Villa bringt.« – Es wird zwar viel in die Beat-Ära hineingeheimnist, aber im Grunde bringt Davis fast alle Popsongs dieser Zeit auf einen Nenner. Nur »groß« und »blond« sind dabei die variablen Größen.
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In diesem Zusammenhang: Burkhard Schwinde korrigiert meine Behauptung, dass die bei Champions-League-Übertragungen bei Sky als Überleitung zur Werbung angespielte Pop-Hymne »Eloise« von Barry Ryan »auf keiner mir bekannten Oldie-Sammlung auftaucht«, denn, so unser Leser aus Bad Nauheim: »Sie befindet sich auf einer Doppel-CD ›Die erfolgreichsten Pop-Hymnen aller Zeiten‹ aus einer RTL Chart Show. Auf besagter CD ist ein noch größeres Pop-Epos: ›Music‹ von John Miles.«
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Ja, das ist ebenfalls ein gewaltiges Stück! Danke für den Tipp. Ich habe mir die CD schon bestellt, denn auf ihr sind weitere Pop-Ikonen zu hören. Nicht nur solche, die immer noch und immer wieder in Sport-Stadien und an Box-Ringen zu hören sind wie »Final Countdown« oder »We Are The Champions«, sondern auch mein ständiges Eingeständnis (»Mea Culpa« von Enigma) sowie die Edwin Hawkins Singers, deren Hymne Sie in dieser ersten Maiwoche begleiten möge: »Oh Happy Day!« (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle