Archiv für Mai 2017

Sonny & Cher – oder wer? (“Wer bin ich?” vom 1. Juni)

»Als Fußballprofi habe ich etwas erreicht, was mir keiner der heutigen Stars nachmachen kann. Überhaupt hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich heute noch bekannt bin.«
»Du bist bekannt? Komisch. Ich kenne Dich nicht. Ich bin vielen berühmten Menschen begegnet, dir aber offenbar nicht.«
»Wahrscheinlich bist du an mir vorbeigelaufen. Du warst ja ein großer Läufer zu Beginn deiner sportlichen Karriere. Außerdem ist Fußball nicht euer Ding, damals jedenfalls. Ihr spielt lieber Football. Aber wie bist du eigentlich zum Laufen gekommen?«
»Ach, weißt du, das habe ich eigentlich überhaupt nicht geplant. Ich wurde als Kind oft gehänselt, konnte mich nicht wehren, aber dann merkte ich, dass ich einfach weglaufen kann. Und seitdem lief ich, unermüdlich. Aber wie bist Du denn zu diesem seltsamen Sport gekommen, dem Fußball?««
»Ach, zu meiner Zeit und in meiner Heimat wird man halt einfach Fußballer, was sonst? Es sei denn, man gehört zur Upper Class und spielt Tennis oder Golf. Oder Kricket.«
»Warst du ein richtig guter Fußballer? Weltmeister oder so?«
»Du stehst wohl auf absolute Berühmtheiten?«
»Nein, ich habe mich nie nach der Prominenz gedrängt. Außerdem hat mancher von denen mehr von mir profitiert als ich von ihm. Aber erzähl mal, was konntest du besonders gut?«
»Diese Frage müssten die Sportjournalisten beantworten, ich kann mich doch nicht selbst loben. Aber gut, ich bin ja später selbst Sportjournalist geworden, da sag ich es mal in den Worten meines Berufsstandes: Ich war Torjäger, ein Mittelstürmer der alten Garde, immer fair, und meine Spezialität waren Flugkopfbälle. Aber zugegeben: Ich wäre ein ›local hero‹ geblieben, gäbe es nicht … (und hier verrät er, was wir eben nicht verraten).«
»Ball der einsamen … ach so! Das ist ja ein Ding! Da haben wir über ein paar Ecken doch zumindest einen gemeinsamen Bekannten. Wusstest du, dass ich John … (und hier – siehe oben)«
»Stell dir vor!?«
»Da staunst du, was!? Aber erzähle mal, du musst doch irgendwelche Erfolge im Fußball vorweisen können.«
»Sicher. Aber eben keine allzu großen. Vor allem wohl auch, weil ich im Weltkrieg im besten Fußballeralter war. Aber ich will nicht klagen. Der Krieg hat anderen mehr geraubt als ein paar Länderspiele oder Titel. Immerhin ist mir mit meinem Klub kurz danach etwas gelungen, wovon der aktuelle Trainer noch träumt.«
»Auch ich hatte etwas mit dem Krieg zu tun, aber das war ein anderer. Obwohl ich einen recht ungewöhnlichen Lebenslauf hatte, war mein Weg zum Sportstar doch ein in unserem Land sehr konventioneller: Als Lauftalent entdeckt, zum Football gewechselt, trotz Herkunft und mangelnder schulischer Referenz ein Stipendium bekommen – so läuft das bei uns eben. Wenn man Glück hat. Und ich hatte, neben mancher Tragik, viel Glück im Leben.«
»Davon habe ich gehört. Du hast sogar in einer Sportart, in der gerade Weltmeisterschaften stattfinden, Aufsehen erregt. Ich dagegen habe nur ein, wie man heute sagt, Alleinstellungsmerkmal, obwohl zu dem Alleinstellungsmerkmal gehört, dass es eben buchstäblich kein Alleinstellungsmerkmal ist. Schließlich waren Sonny und Johnny auch dabei.«
»Alleinstellungsmerkmal? Das verstehe ich nicht. Wie so vieles. Aber Sonny and Cher, die kenne ich.«
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Gesucht werden aber nicht Sonny und Cher, auch nicht Sonny und Johnny, sondern ….? Bis zum Einsendeschluss am 12. Juni wünsche ich allen eine prächtige Zeit. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 31. Mai 2017 .
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Ohne weitere Worte (vom 30. Mai)

Es ist ein ungeheuerer, im Kern auch erstaunlich unsouveräner Vorwurf, der beim BVB die Runde macht: dass Tuchel den Anschlag instrumentalisiert habe, um sich auf Kosten seiner Chefs als Gutmensch und Spielerversteher zu profilieren. (Claudio Catuogno in der Süddeutschen Zeitung)
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»Aus der Distanz wirkt nicht nachvollziehbar, dass zwei erwachsene und intelligente Menschen es nicht hinbekommen, sich zu treffen und auszusprechen. (…) Ich finde das Verhalten teilweise kindisch.« (BVB-Fan Marius Müller-Westernhagen im Sport-Bild-Interview)
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»Ich bin erst 20 Jahre alt und muss noch viel lernen. Ich muss die Zahl der dummen Ballverluste verringern, von denen ich noch zu viele produziere.« (Ousmane Dembele im Kicker-Interview)
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Ihr Gehirn wird im Museum ausgestellt, müssen wir uns Sorgen machen? – »Nein. Es handelt sich nur um ein überdimensioniertes, begehbares Modell« (Anm.: im Senckenberg-Museum). (…) Und nun soll noch eine kleine Nachbildung meines Gehirns präsentiert werden. Ein weiteres Modell hätte ich bekommen – aber meine Frau sagt: Das kommt mir nicht ins Haus.« (Charly Körbel im Kicker-Interview)
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»Das Geld macht uns alle krank und lässt uns rational nicht richtig nachdenken.« (Niko Kovac im Kicker-Interview über den Faktor Geld im Fußball)
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Eintracht Frankfurt ist – je nach Geschmack – das am modernsten, am kreativsten oder am zynischsten komponierte Tram im deutschen Profifußball. (Christof Kneer in der SZ über die »Lebensabschnitts-Elf« der SGE)
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Torsten Fink (…) erklärte dem ORF-Moderator Rainer Pariasek (…) in perfekter Piefke-Manier, dass Ösis vom Fußball offenbar nicht die geringste Ahnung haben. Auf die Frage, warum es nicht zum Sieg reichte, sagte Fink: »Weil wir ein Abseitstor bekommen haben.« Pariasek: »Aus unserer Sicht war das kein Abseits.« Fink: »Ja, weil Sie keine Ahnung haben. (…) Sie kommen aus dem Skisport. (…) Ist die Skisportsaison vorbei, oder warum sind Sie wieder hier?« (aus der »Schluss für heute«-Kolumne von Volker Stumpe in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Der Ball sei rund, pflegte Sepp Herberger zu sagen, ein Satz, der nur auf den ersten Blick banal erscheint. »Der Kreis steht für göttliche Vollkommenheit«, weiß Schalla (Anm.: Thomas Schalla, Theologe und Amateurfußballer), »er symbolisiert die Schöpfung, die Unendlichkeit«. Und wegen dieser besonderen religiösen Macht dürfe der Fußball auf keinen Fall mit der Hand berührt werden. (…) Allein der Torwart (…), als Hohepriester gewissermaßen oder Schamane mit direktem Draht zum Überirdischen, darf dieses Gesetz durchbrechen. (Ulli Kulke in der Welt über »Fußball und Kirche, die beiden bedeutendsten gesellschaftlichen Bekenntnisse im Lande«)
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Kameras an Biergläsern, eine Pause, in der es wichtiger ist, dass Anastacia zu Ende trällert als dass wiederangepfiffen wird, Helene Fischer macht das Pokalfinale zum Superbowl für ganz Arme – man ist als Fußballfan schon viel gewöhnt, (…) aber diese eine Woche setzt neue Maßstäbe. (Jürn Kruse in der taz)
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»Manche sind skeptisch, wenn es um Adel geht. Da gibt es zwar auch Verrückte, aber du hast eine gute Erziehung.« (Fußballreporter Fritz von Thurn und Taxis im Kicker-Interview)
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Und dafür haben Sie Ihre Karriere als Fußballer aufgegeben? Sie spielten bei Hansa Rostock, sogar Nationalmannschaft. – »Das war eine harte Entscheidung. Alle haben mich für verrückt erklärt. (…) Aber was ist, wenn dir ein Kreuzband reißt in dem Alter? Dann bist du weg! (…) Ich glaube, wenn man normalen Menschenverstand hat, muss man das machen.« (Marten Laciny alias Rapper Marteria, Ex-Fußballer und Ex-Model, im SZ-Interview)
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»Ich wollte nirgendwo Chef sein, weil ich anderen keine schlechten Nachrichten überbringen will.« (Thurn und Taxis/SZ) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 29. Mai 2017 .
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Ungetwittert

Bei schwüler Hitze den Pedelec-Akku voll aufdrehen und sanft durch den selbst erzeugten Fahrtwind gleiten – Cabriofahren ist nichts dagegen!

Veröffentlicht von gw am 28. Mai 2017 .
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Ralf Protzel: Zocken

… “Aber etwas kommt noch hinzu: Die Weltelite dreht, Storl gleitet an. Das Angleiten, die Parry-O’Brian-Technik, ist die sportliche Variante des Kugelstoßen, das Drehen die Zocker-Version. Ich würde das Zocken verbieten.” …. “Aber wen interessiert’s noch? “

Mich würde es tatsächlich interessieren, warum Sie das Drehen verbieten würden? Liegt es daran, dass beim Gleiten die schiere Kraft (sportlich objektiver) und beim Drehen eher die Technik entscheidet? Keine Ahnung – bin ja nicht vom Fach. Und wenn sich die Weltelite fürs Zocken entscheidet und damit häufig gewinnt, dann scheint die “Zockerei” keine Zockerei zu sein, sondern pures Kosten/Nutzenkalkül mit wenig Unsicherheit beim “Zocken”!?!?!?!?
Elferschießen beim Fußball ist da schon eher Zocken. Um es “sportlicher” zu machen, habe ich folgenden Vorschlag (ist mir gerade eingefallen und nicht zu Ende gedacht):
Wie gehabt: 5 Schützen pro Mannschaft – Gewinner des Elferschießens ist die Mannschaft, deren Spieler den härtesten aller Schüsse (Geschwindigkeit) erfolgreich ins Ziel (Torerfolg mit Torwart) gebracht hat. Die Anzahl der erfolgreichen Schüsse wäre dabei nicht von Bedeutung.

Sportlicher, weil: Wer richtig feste uff die Hütte druff haue kann, iss de bessere Fußballer! ;-) (Ralf Protzel/Bonn)

 

Veröffentlicht von gw am 28. Mai 2017 .
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Montagsthemen (vom 29. Mai)

Es gäbe so viel zu sagen. Da mache ich lieber hier schon den Punkt, auf den es Peter Heß von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung bringt: »Eintracht hat im Pokalfinale nicht triumphiert, aber schwer beeindruckt.«
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»Wir haben vielleicht unser schlechtestes Saisonspiel gemacht«, sagt Marco Reus. Aber nur, weil die Eintracht vielleicht am besten von allen Underdogs die Großen schlecht aussehen lassen kann. Eine aus der Not geborene Tugend (manche nennen es Untugend), für die Niko Kovac verantwortlich ist. Er tut das, was einen Klassetrainer ausmacht: Mehr aus einem Team herausholen, als in ihm steckt. Und Tuchel?
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Marco Reus. Seine Verletzungsanfälligkeit ist nicht nur Pech, sondern auch die Tragik manch eines genial veranlagten Sportlers: Zu viel PS in einem zu filigranen Körper. Ältere erinnern sich an einen anderen Dortmunder ähnlicher Bauart: Zehnkämpfer Frank Busemann.
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Im Vorfeld gab es viele, zu viele Interviews. Alles Schnee von gestern, nicht nur wegen der akuten Hitzewelle. Aber etwas merke ich mir: BVB-Boss Watzkes Geraune, er zweifle am angeblichen Motiv des Bus-Attentäters. Weil zu wahnwitzig. Stimmt. Aber Wahnwitz ist ein Synonym für die Welt, in der wir leben.
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Was hat Helene Fischers Management bloß geritten, die unter Hochspannung stehenden Fans beider Lager mit Trällerei zu bedudeln? Da wäre jede(r) ausgepfiffen worden. Oder hat sich Helene nur für die Fans aufgeopfert, weil Margot Käßmann angedroht hatte, wenn die nicht singt, komme ich von nebenan und halte in der Halbzeit eine Erbauungspredigt?
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Zu den Geheimnissen des deutschen Volkswesens gehört die Übereinkunft, dass Helene Fischer die gleiche Erotik ausstrahlt wie Heidi Klum. Allerdings für die einen gleich viel, für andere gleich wenig. Letztere spürten bei Kati Witts Einmarsch bei jedem Schritt mehr Erotik als beim ganzen Gehüpfe von Helene & Co.
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Früher waren die Fans im Berliner Olympiastadion begeistert, wenn die Musiker beim »British Tattoo« einmarschierten. Die müssen nicht unbedingt tätowiert sein, um mitspielen zu dürfen, denn »der Begriff stammt vom niederländischen ›tap toe‹ (Zapfen zu) und bedeutet Zapfenstreich« (Quelle: Wikipedia).
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Auch für Guillermo Varela bedeutete Tattoo Zapfenstreich – »Zapfen zu« wegen Tattoo. Nicht wegen des Tattoos an sich, denn sonst müsste man ja die Kicker von einer Elf auf die Basketball-Fünf reduzieren, um den Spielbetrieb aufrecht erhalten zu können. Varela hat fahrlässig gegen die Auflage verstoßen, sich wegen des durchaus vorhandenen Risikos nicht kurz vor einem Spiel tätowieren zu lassen.
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Zu pingelig? Mangels Erfahrung erlaube ich mir keine Meinung, erinnere aber an jenen Fußball-Profi, der nicht nur glattrasiert ist und einen fast konventionellen Kurzhaarschnitt bevorzugt, sondern der auch kein einziges Tattoo vorweist. Nicht nur, weil er regelmäßiger Blutspender ist und man nach dem Stechen eines Tattoos erst nach einigen Monaten wieder spenden darf, sondern auch, weil er mehr als andere Fußballer seinen Körper pflegt und fit hält.
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Wer ist es? Wäre eine gute Frage für unsere Rate-Serie »Wer bin ich?«, zumal, wenn man noch den irritierenden Tipp gäbe, dass der Gesuchte, ein Top-Star seiner Zunft, auch als Knochenmarkspender registriert ist. Da käme nur ein Normalo wie Messi in Frage, oder? Jener Messi, von dem der Spiegel einmal schrieb, »er wird nie ein Tattoo haben, und wenn er seinen rotsamtenen Anzug von Dolce & Gabana trägt, sieht er aus, als hätte ihm seine Mutter den falschen Konfirmationsanzug gekauft.« – Es gibt so’ne und solche Vorurteile. Mittlerweile ist Messi derart peinlich zutätowiert und gestylt, dass man kaum hinschauen mag, und der vorbildliche Normalo heißt … Cristiano Ronaldo.
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So’ne und solche Vorurteile gibt es auch in der deutschen Ruhmeshalle des Sports, neudeutsch Hall of Fame. Jetzt ist auch Lothar Matthäus drin, und zwar sportlich sehr zu recht. Verwehrt bleibt sie den als Schmuddelkinder des Sports lebenslänglich vorverurteilten Täve Schur und Jan Ullrich. Da kennt moralische Rechthaberei keine Gnade. Sonst stünden Schur und Ullrich ja auf einer Stufe mit Friedrich Ludwig Jahn, dem »Turnvater«, der in der Berliner Hasenheide als oberstes Leibesertüchtigungs-Ziel deutsche Körper mobilmachte für den Krieg gegen Frankreich.
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Und dann wäre da noch Peer Steinbrück, der seiner (seiner?) SPD genüsslich auflistet, was sie alles falsch gemacht hat, bis hin zur »Erich Schulz-Honecker«-Wahl. Die Sozis sollten genauestens hinhören, was ihr alter Vorturner und Ex-Kanzlerkandidat sagt – Steinbrück weiß schließlich, wie man Wahlen gewinnt … (gw)
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(www.anstoss-gw.de    gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 28. Mai 2017 .
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Baumhausbeichte - Novelle