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Dieser “Oscar” – das bin ich! (“Wer bin ich” vom 7. April)

Es wird immer schwieriger. WBI-Spitzenkönner haben Lösungsstrategien ausgetüftelt, mit denen sie auch den abgelegensten und abseitigsten Gesuchten finden können. Für diese Profis muss ich die Fragerunden derart verkomplizierend verschlüsseln, dass ich fürchte, andere könnten die Lust am Lesen verlieren. Das ist aber nicht Sinn der Sache, denn »Wer bin ich?« soll allen Freude bereiten, auch den Gelegenheits- oder Gar-Nicht-Teilnehmern. Sie will ich mit dem Rate-Text unterhalten, informieren und neugierig machen. Ob ich es diesmal schaffen und gleichzeitig die Profis vor eine knifflige Aufgabe stellen kann?

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Ich lag lange unbeachtet in meinem Grab, bin aber kürzlich wieder medial zum Leben erweckt worden. Ich passe ja auch besser in die heutige Zeit als in meine eigene, die mit den Begriffen Lifestyle und Selbstoptimierung wenig anfangen konnte. Heute scheint die Arbeit am eigenen, wie ihr sagt: »Image«, sogar das erstrebenswerteste Ziel überhaupt zu sein. Motto: Welches Bild gebe ich für die anderen ab? Wie präsentiere ich mich? Wie kann ich meine »Performance« verbessern? Bei meiner kurzfristigen Wiederauferstehung habe ich im Fernsehen seltsame Shows gesehen, »Castings« genannt, und selbst im hinterletzten Dorf, durch das ich gekommen bin, forderte mich ein Schild zum »Ego-Tuning« auf. Das geht selbst mir zu weit, der sein Ego stark getunt und in ähnlichen Schauveranstaltungen mitgewirkt hat.
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Meine Eltern wollten, dass ich Pfarrer werde. Da bin ich lieber mit 18 von zu Hause ausgerissen und habe mich einem echten Zirkus angeschlossen. Ich war in der ganzen Welt unterwegs und habe meinen Sport revolutioniert. Und nicht nur diesen, denn mein Prinzip gilt heute überall. Mit ihm habe ich Rekorde aufgestellt, einer liegt bei 49,5 cm. Nur kein’ Neid! Mein Geheimnis: Ein oder zwei Mal ist nicht genug, macht es fünf, sechs, viele Male! Im sportlichen Training, wohlgemerkt. An was hatten Sie denn gedacht?
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An DAS dachten viele, wenn sie mich sahen. Auch mein Tod hat damit zu tun, munkelt man. Oder war der Tod des Herakles schuld? Aber dazu schweige ich. Fragen Sie doch einen berühmten Detektiv meiner Zeit! Der weiß viel von mir.
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Jedenfalls stieg ich mit meinem sportlichen Alleinstellungsmerkmal zu einer weltbekannten Größe auf. Künstler entdeckten mich für sich, Wissenschaftler suchten meine Nähe, selbst Könige adelten mich, ernannten mich sogar zum Professor. Und das, obwohl meine Herkunft nicht gerade der wörtlichen Bedeutung meines Vornamens entsprach.
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Ich war auch ein Medienstar meiner Zeit. Ein kleines Filmchen ist noch auf youtube zu sehen. Und der »Oscar«, der in meinem ureigenen Sport vergeben wird (hier heißt er aber nicht so), dieser »Oscar« – das bin ich! Schauen Sie mal genau hin!
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Ein letzter Tipp: Die sportlich-musikalische Übung, mit der zwei Männer vor Jahren einen legendären »Wetten, dass!?«-Auftritt hatten, die habe ich als erster beherrscht, in Perfektion. Wer bin ich? (Einsendeschluss: Mittwoch, 12. April)
(gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle