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Mittwoch, 5. April, 17.50 Uhr

Danke, Ralf Protzel und Walther Roeber. 300 Gäste und 60 Liter Wodka ergeben für jeden 0,2 Liter, nicht 5, wie ein Leser ausgerechnet und ich zustimmend in die Mailbox gestellt hatte. Ich stelle meine Fehlerhaftigkeit gerne zur Schau, schütze aber den Leser und lösche seine Mail aus der Mailbox.

Auf der momentan täglichen Radtour (obwohl es abends immer ziemlich kalt wurde/wird) nach längerer Zeit wieder auf der Endbacher Platte gewesen. Mich schockt so schnell nichts in der Natur, aber wie dort der Wald rasiert ist und chausseebreite Schneisen zu den Windrädern gepflügt worden sind, jedes dieser Riesendinger steht zudem auf einem fußballfeldgroßen Podest, das ist ein Jammer. Und immer noch hat mir niemand eine Energiebilanz zeigen können, die mir bewiese, dass ein Windrad in seiner Lebenszeit mehr verwertbare Energie erzeugt als  verbraucht (Abbau der benötigten Bodenschätze, industrielle Erzeugung, Transport, Waldvernichtung, Wartung, Trassen zum Endverbraucher, Verschrottung usw.).

Am nächsten Tag bei den Königsberger Windrädern vorbeigekommen. Ein neues scheint aufgestellt zu werden, ein Rotor lag schon bereit, auf einem Spezialfahrzeug mit ungefähr 20 Rädern. Hoch oben sehen die Flügel längst nicht so riesig aus, wie sie hier unten sind.

Mir kommt vieles an der Energiewende vor wie kapitalistischer Wachstumsfetischismus in Grün. Wir alle zahlen, einige wenige kassieren.

Der richtige und wahre grüne Weg wäre, in großem Stil Energie einzusparen, zum Beispiel durch Haltbarkeitsauflagen für Autos, Waschmaschinen, Handys und Co, so dass nicht mehr im Wachstumsrausch auf Teufel komm raus produziert und produziert würde. Natürlich würde diese Art von Konsolidierung schwere Nebenwirkungen vielfältigster Art haben, klar. Deswegen will sie ja auch niemand. Lieber ein paar Sonntagsreden halten und Alibi-Aktionen starten, die nicht einmal gut gemeint, sondern reine Veräppelung sind – wie jene, bei der wir für eine Minute die Lichter ausknipsen, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Aber in diesem Dunkel sieht man es nicht.

Ui, da habe ich en passant ein eiferndes Wort zum Sonntag geschrieben. Sorry. Soll ich es löschen? Weil ich links schreibe und rechts handele? Als Energiesparer bin ich jedenfalls noch nicht mal mir selbst aufgefallen. Ach, nicht löschen. Ist ja auch nicht so ganz falsch, oder?

 

Baumhausbeichte - Novelle