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Mittwoch, 29. März, 18.10 Uhr

Einerseits würde ich gerne loslegen und alles noch einmal komprimiert darlegen, was ich in all den Jahren und Jahrzehnten zu diesem “aktuellen” Thema geschrieben habe, das einen uralten Bart hat. Andererseits lasse ich mich nicht am Nasenring durch die Manege führen, ich tanze lieber nach meiner eigenen Pfeife. Wie 1985, als ich beim Deutschen Sportärztekongress in Berlin einen Vortrag hielt und die Hosen weit herunter ließ. Dieses Bekenntnis schrieb ich ein Jahr später zu einem fast ganzseitigen Artikel in der FAZ um. Wiederum einige Jahre später, aber noch im alten Jahrtausend, weitete ich das Bekenntnis zum umfangreichen “Sport-Leben” aus. Diesen Text kürzte ich für eine Serie in den Zeitungen unseres Verlages und stellte ihn ungekürzt ins Internet, seitdem zu finden auf meiner Website “Sport, Gott & die Welt”. Mehr Offenheit und Öffentlichkeit geht nicht, dachte ich. Interessiert hat es aber niemanden so richtig, außer in Teilen der Fachwelt.

Und jetzt: “Steines outet sich erneut”. dpa berichtet, und sogar im Videotext tauche ich auf. Um das zu “schaffen”, hätte ich früher mindestens 21 Meter stoßen müssen. Verrückte Sportwelt. Wirklich ver-rückt. Und ziemlich armselig.

“Erneut geoutet!? Wenn Thomas Hitzlsperger heute sagt: “Ich bin schwul”, “outet” er sich dann “erneut”? Oder sagt er Bekanntes und Selbstverständliches, das keiner weiteren Erwähnung bedarf?

Ich muss meine Worte im Blog momentan mehr hüten, als mir lieb ist. Denn zur alten, kleinen und feinen Stammleserschaft gesellen sich aus diesem “aktuellen” Anlass auch neugierig Hinzukommende, die nicht wissen, dass mein Blog nur der Stein(es)bruch für die Zeitungskolumnen ist und sonntags sogar als Warmschreiben dient, als Aufwärmprogramm für die “Montagsthemen”, wobei ich meine Worte eben nicht hüte, sondern unkontrolliert in den Blog fließen lasse. Mit allen Albernheiten, Übertreibungen und Fehlleistungen, die dabei unvermeidlich  sind. Noch ein Wort für die neuen Leser (die sicher bald wieder abwandern und wir dann wieder unter uns und ungezwungen sind): Blog ist das, worüber als Titel ein Datum steht. Was mit Namensnennung beginnt, sind Leserbriefe, alles andere, meist “Sport-Stammtisch”, “Montagsthemen” und “Ohne weitere Worte”, sind die archivierten Kolumnen aus der täglichen Zeitungs-Serie “Anstoß”, die ich nun  auch schon vor fast einem Vierteljahrhundert eingeführt habe.

Soll ich also im nächsten “Sport-Stammtisch” ausführlich auf den Hype eingehen? Oder nur anmerken, dass ich mich nicht am Nasenring usw.? Soll ich noch mal das schöne Schäuble-Zitat bringen? Mein über 30 Jahre altes Statement vom Staatsdoping a la Bundesrepublik, die Doping forderte und förderte, mit aktiver Mithilfe der Medien? (Stichworte: “Olympia-Touristen”, intern erhöhte Olympianorm 1976: 2 x 20,60 m, Aussagen von DSB- und NOK-Spitzen usw.). Oder mein Vorschlag für einen kleinen Schritt zu mehr Chancengleichheit und weniger Doping (wie im alten Olympia frühzeitige Anwesenheitspflicht im Olympischen Dorf ca. zwei Monate vor dem Wettkampf, im Dorf dann lückenlose Kontrollen), der sogar im DOSB diskutiert, aber als weltfremde Schrulle abgetan worden sein soll?

Ich weiß es noch nicht. Ist ja noch Zeit. Jetzt stelle ich erst einmal drei Lesermails online, darunter die von Jörg Kofink, der jetzt von Zeit und SZ interviewt worden ist. Im  Verlauf seines Textes auftauchende Namen werde ich vorsichtshalber einXXXen.

Baumhausbeichte - Novelle