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Montagsthemen (vom 13. März)

Hrgota alleine vor dem Tor, Neuer schon ausgespielt, der Frankfurter Stürmer muss nur noch locker einknipsen – da rauscht von hinten Hummels heran, grätscht den Ball chirurgisch sauber aus den gegnerischen Beinen, feiert den Monster-Move ungewohnt euphorisch mit geballter Faust, und Neuer reißt begeistert die Arme hoch, als habe der FC Bayern soeben das entscheidende Tor im Champions-League-Finale erzielt. Zählte solch eine Aktion zur Tor des Monats-Wahl, Hummels wäre ein Kandidat für das verhinderte Tor des Jahres.
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Nur die Eintracht konnte nicht mitjubeln, denn nach mehreren selbstverhinderten Toren weckte dieses fremdverhinderte die schläfrigen Bayern endgültig auf, und das Spiel nahm seinen Lauf, den in diesen Tagen weder Ochs, noch Esel, noch irgendwer sonst aufhält.
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Anders der BVB. Tuchel wirbelt das junge, eh schon anfällige und nicht austarierte Team nach der Champions League wieder durcheinander, als wolle er zeigen, welch ein genialer Taktik-Tüftler er ist, der seine Spielfiguren nach Belieben hin und her schieben kann. In Berlin und München wurde nicht nur der Unterschied zwischen den Bayern und dem BVB deutlich, sondern auch der zwischen Ancelotti und Tuchel.
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Einschränkung: Das ist keine Tatsachen-Behauptung, sondern bloße Meinungsäußerung. Diese Relativierung ist angebracht, seit ich es mir zum Glück verkniffen habe, meine Meinung zum Trainerwechsel in Darmstadt schriftlich festzuhalten – dass nämlich Torsten Frings, der alte Haudegen und Trainer-Neuling, ein Fehlgriff in die Mottenkiste des Fußballs sei. Ein arrogantes Vorurteil. Verblüffend und eindrucksvoll, wie Darmstadt wieder wie Darmstadt spielt und kämpft und wie Frings die Mannschaft neu motiviert, ohne die hoffnungslose Lage zu beschönigen. Darmstadt und Frings werden absteigen, aber beide keine Absteiger sein. Auch in der Ware Bundesliga-Fußball kann der wahre Sport stecken. Respekt!
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Aber wirklich hoffnungslos? Der Ball ist, nun ja, rund, und er war, um es hochtrabender zu sagen, schon im 15. Jahrhundert für den großen Denker Nikolaus von Kues ein Symbol der göttlichen und der mathematischen Vollkommenheit, verkörpert die Ordnung des Raumes, schafft aber durch sein Rollen Unordnung, gehorcht also dem Zufallsprinzip … ach was, wir bleiben beim gebrauchsfertig heruntergebrochenen Herberger-Prinzip: Der Ball ist rund und Darmstadt daher noch nicht verloren.
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Apropos Darmstadt. Bin ich völlig aus der Zeit gefallen? Die erste Sportnachricht, über die ich am Sonntag stolpere: »Der Darmstädter Jack Culcay verliert seinen Box-WM-Titel im Halbmittelgewicht.« Der Darmstädter? Jack Culcay? WM-Titel? Nie was von gehört. Liegt es an mir? An meinem wachsenden Desinteresse am Boxen? An der verrückten WM-Titel-Inflation? Wahrscheinlich an beidem … nee, sind ja drei, gibt es ein Wort dafür? An dreidem? Vorsichtshalber: an allem.
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Wortspielerei. Kleines Hobby. Vor allem  sinnverwirrende Subjekt-Objekt-Verschiebungen. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung stoße ich auf ein neuartiges Exemplar, das in beiden Interpretationen Sinn macht. Zum recht späten ersten Besuch Angela Merkels in Washington: »Die Bundeskanzlerin schien Trump nicht besonders schnell sehen zu wollen.« Wer wen? Wen wer? Beide beide.
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Noch einmal zum Fußball. In der Einführung  zu einem FAS-Interview mit dem Mönchengladbacher Lars Stindl heißt es: Er ist »ein außergewöhnlicher Profi. Einer mit Abitur, aber ohne Tätowierungen.« – Wenn es nur danach geht, bin auch ich ein außergewöhnlicher Fußball-Profi.
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Obwohl ich schon längst über und über tätowiert sein müsste, hätte ich das verwegene Versprechen eingelöst, mir ein Tattoo stechen zu lassen, falls  ich jemals wieder über Doping schreiben sollte. Ein Versprechen, gegeben unserer Leserin Barbara Tomsch aus Reichelsheim, die sich nun wieder zu Wort meldet, nachdem ich getönt hatte, wenn es nach mir ginge, würde alles Obst im Fleisch (wie in Toast Hawaii) verboten: »Auf die Idee wären Sie nie gekommen, hätten Sie jemals meinen ›Kasseler mit Ananas‹ gegessen!« Mit »ungedopten Grüßen« der »Tattoo-Beauftragten« und gezeichnet mit einem »fröhlichen Muh von der« (auf der Ansichtskarte zu sehenden) »Wetterauer Kuh«.
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Da freut sich der Ochs vom Anstoß:  (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle