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Ohne weitere Worte (vom 7. März)

Fünfmal binnen eines Jahres mussten Möbel, Wände und Böden der Penthousewohnung, die sein Club einem der strahlendsten jungen Abwehrspieler der Bundesliga angemietet hat, komplett renoviert werden. (…) Von ähnlichem Symptomwert ist die Geschichte von dem zu Recht hoch bezahlten Angreifer, der während der Urlaubszeit seines Beraters beim Videoanalytiker anrief, um zu erfahren, wo und wie er eilig einen neuen Sportwagen kaufen könne. Diese Beobachtung sollte keine moralische Entrüstung auslösen. Sie weist nur auf eine zum Regelfall gewordene Fehlentwicklung in der Persönlichkeitsstruktur von Fußballspielern hin. (aus einem Gastbeitrag des Literaturprofessors Hans Ulrich Gumbrecht in der Zeit)
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»An sich ist das Leben eines Fußballprofis ja ein Traum, ein Paradies – wenn du das richtig angehst. Wenn du dich aber verführen lässt, weil du schon als Zwölfjähriger 500 Euro als Taschengeld kriegst, deine Eltern einen Mittelklassewagen vor die Tür gesetzt bekommen haben und dein Vater vielleicht sogar noch einen 2000-Euro-Job als Scout bekommt, so pervers ist das ja schon bei den großen Klubs, dann verdirbt das deinen Charakter.« (Bremens Willi Lemke im FAZ-Interview)
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Natürlich gäbe es auch ein Leben ohne Sport, aber es wäre wesentlich ärmer (…), denn ich bin der festen Überzeugung, dass der Sport unsere wichtigste gesellschaftliche Ressource ist. (…) Nur der Sport hat die Chance, alle Menschen zu erreichen, vom Mutter-Kind-Turnen bis hin zur Koronar-Sportgruppe der Senioren. Der Sport erreicht gesunde Menschen und kranke, arme und reiche, und er ist absolut konkurrenzlos im Bereich der Integration. (Volker Bouffier in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)
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Die Vereine dürfen Gewaltexzesse nicht für Fanszene halten. (Bouffier/FAS)
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Der Heimvorteil ist etwas Schönes im Sport. (…) Es wird einem viel eher geglaubt. So durfte (….) Michael Phelps, der in der doping-verseuchten Sportart Schwimmen 23 olympische Goldmedaillen gewonnen hat, frei von der Leber weg behaupten: »Wenn ich bei einem amerikanischen Wettkampf starte, weiß ich, dass wir alle sauber sind.« (Evi Simeoni in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
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Michael Phelps hat vor einem US-amerikanischen Parlamentsausschuss zum Thema Doping ausgesagt. Der Olympiasieger hat mit einem Finger in die weite Welt hinaus gezeigt. Dorthin, wo Scharlatane und Alchemisten ihr Unwesen treiben. In den sauberen Gewässern von Gottes eigenem Land tummeln sich dagegen nur gute Menschen. (…) Die Bösen sind immer die anderen. (Jürgen Ahäuser in der Frankfurter Rundschau)
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In meiner Stuttgarter Zeit bekamen wir ein weißes Pulver für Muskelaufbau. Es stand in einer Kabinenecke, jeder hat ein Teelöffelchen geschluckt. Später hat man herausgefunden, dass das krebserregend sein könnte. (Thomas Berthold in seiner Bild-Kolumne)
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Am Samstag war ich bei meinem Kurs »Body fit« und sollte den neuesten Trend ausprobieren: Crawling. Krabbeln wie ein Säugling. Sie glauben gar nicht, wie kompliziert das ist. Ich (…) war doch sehr erleichtert, dass ich zu (…) der netten Trainerin sagen konnte: »Sorry, Säugling – das ist jetzt schon sehr lange her. Bitte zeig’s mir noch mal.« (Aus der Kolumne von »Frau Ott« in chrismon)

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Der Großreeder Achille Lauro (…) war (…) Klubeigner (Anm.: des SSC Neapel), Präsident, Bürgermeister und Parlamentsabgeordneter. (…) Von Lauro geht die Sage, er habe seine Trainer grundsätzlich bei der Morgengymnastik empfangen, die er nackt zu absolvieren pflegte. Wozu sich vor Höflingen bedecken? (Birgit Schönau in der Süddeutschen Zeitung)
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Es sind heteronormative Nachrichten. Man erfährt, dass dieser oder jener Sportler gerade Vater geworden ist. (…) Dazu passend werden stets Partner*innen ins Bild gesetzt, (…) quasi ein sehr privater Escortservice für die Spitzenathlet*innen. (…) Es ist ganz so, als wäre die klassische heterosexuelle Geschlechtersortierungswelt nie überwunden worden. (Jan Feddersen in der taz über Wintersport in ARD/ZDF)
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»Auf der Nürburgring-Nordschleife fuhr ich Vergleichstests mit einem Serien-Ferrari und einem Porsche. Plötzlich sehe ich vor mir einen anderen Ferrari. Und der Typ am Steuer hat richtig Stoff gegeben. In einer Rechtskurve stand sein Ferrari kurz quer, und ich bin innen an ihm vorbei. Als ich das Auto dann später ausrollen ließ, fuhr er neben mich, zeigte mir aus Spaß die Faust und rief: ›Du Hund, musst du mich ausgerechnet in einem Ferrari niedermachen?‹ Es war Michael Schumacher.« (Walter Röhrl im Sport-Bild-Interview) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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