Archiv für Februar 2017

Freitag, 17. Februar, 12.20 Uhr

Mit einigen Mühen den Stammtisch geschrieben. „Link rechts“ muss ich nicht mehr schreiben, ab sofort will ich wieder alle Kategorien (siehe Links rechts/also doch!) doppelt unterbringen, im Blog und verteilt auf die Rubriken (letztes Mal: siehe Links rechts). Macht das Ganze, hoffe ich, lesbarer und nachvollziehbarer.

Auf der Fahrt von und nach Dänemark vertreibe ich mir die Langeweile mit Landmarken. Kirchheimer Dreieck. Seen bei Nörtlingen. Elbtunnel. Riesenbrücke bei Rendsburg. Die „Graense“. Kolding. Esbjerg. Dann noch 30 km. Für jede Etappe gebe ich mir ein Zeitlimit. So bleibt es immer spannend. Alte Wettkampfmentalität. Die Beste aller Guten neben mir hat dafür kein Verständnis.

Aber was ich sagen wollte: Auf Hin- und Rückfahrt habe ich eine Haupt-Landmarke verpasst: die Skihalle bei Bispingen. Obwohl ich auf der Rückfahrt höllisch aufgepasst habe. Nichts von ihr zu sehen. Pleite und abgerissen? Eine Weile lenkten die Gedanken vom eintönigen Fahren ab. Zu Hause gegoogelt. Ist noch da. Auch in jüngerer Zeit noch Werbung für sie. Warum habe ich sie zwei Mal nicht gesehen, obwohl ich mich darauf konzentriert hatte? Doppelter Sekundenschlaf?

Eine Landmarke vergessen: Volksparkstadion, wie auch immer es momentan heißen mag. Schriftzug des aktuellen Namenssponsors ist nicht erkennbar.

Nach dem Volksparkstadion wird es übrigens Richtung Dänemark ätzend. Drei oder vier 10-km-Baustellen jeweils kurz hintereinander. Nur falls Sie demnächst gen Norden fahren.

Veröffentlicht von gw am 17. Februar 2017 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert für Freitag, 17. Februar, 12.20 Uhr

Sonntag, 12. Februar, 10.40 Uhr

Mit dem dänischen Ladenbesitzer ins Gespräch gekommen. Hier sprechen sie alle deutsch, was mich etwas beschämt, denn trotz vielmaliger Besuche hier spreche ich so gut wie kein Wort dänisch. Ich kenne das Schild „Hund an die snoer“ und kann beim Bäcker „fem rundstücker versgod“ sagen, das ist alles.

Wir sprechen über die aktuellen Probleme, die in Dänemark die gleichen sind wie bei uns. Sein Fazit: Gut gedacht ist nicht gut gemacht. Oder in seinem unnachahmlichen Gitte-Idiom: „Wir wollten alle ssöne Menssen sein.“

Und haben dadurch alles noch viel schlechter gemacht.

 

Veröffentlicht von gw am 12. Februar 2017 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert für Sonntag, 12. Februar, 10.40 Uhr

Mittwoch, 8. Februar, 12.00 Uhr

Geschlossene Schneedecke. Seit Stunden Schneegestöber. So etwas habe ich hier auch noch nicht erlebt. Am Strand aber alles wie gehabt. Wind, Wellen, Nordsee. Ob es dabei in dieser Jahreszeit nieselt oder schnieselt ist völlig egal.

Auf der „Kunstmarkt“-Seite der Süddeutschen lese ich in einer Schlagzeile (als Kunstmarkt-Ignorant schenke ich mir den Rest), „die neuen Spekulanten stürzen sich auf junge Kunst, deren Wert bloße Behauptung ist“. Aber ist nicht der Wert aller Kunst bloße Behauptung?

Um am Freitag nicht zu viel Zeit zu verlieren, arbeite ich schon mal ein bisschen im Stein(es)bruch des Herrn gw, wie schon vorgestern (bei Schwarzenegger / Trump). Also, Randale in Dortmund: Watzke eine Teilschuld zuzuschieben, ist ein Heuchel-Argument. Der BVB-Boss spreizt zwar allzu gerne das Gefieder und genießt die Wichtig-Wichtig-keit, was ihn zumindest bei mir in der Sympathieskala weit hinter seine wilde Jungschar auf dem Platz zurückfallen lässt, aber sein Spruch, in Leipzig werde Fußball gespielt, „um eine Dose zu performen“, ist eine der originelleren Schmähungen im Rivalitätsbereich des Fußballs und keine klammheimliche Gewaltunterstützung. Schuld sind einzig und allein die Gehirnverkorksten, die mit potenziell tödlich wirkenden Wurfgeschossen Menschen attackieren (ob dies Polizisten, Frauen, Kinder oder Sie und ich sind, spielt keine Rolle). Identifizieren, U-Haft, schnelle Verhandlung, ab in den Knast und zusätzlich natürlich Schadensersatz – mehr gibt es nicht zu lamentieren.

Gedankenexperiment: Die legendäre Südtribüne ist nur zu einem geringen Prozentsatz mit  Gehirnverkorksten besetzt. Die Mehrzahl dürfte aus „normalen“ Fans bestehen. Aber was wäre, wenn diese also durchaus heterogene Südtribüne bei der Bundestagswahl das alleinige Stimmrecht hätte? Niemand sonst, nur die Südtribüne, als scheinbarer Schnitt der Gesellschaft? Meine Ahnung verkneife ich mir lieber. Ist ja auch unbeweisbar. Außerdem könnte es auch so unangenehm  werden …

Zur vorurteilslosen Sicht auf Red Bull Leipzig (das Hi-hi-hi-Rasenball ist mir zu albern) gehört auch die Anerkennung, dass dort prima Fußball gespielt wird und auch die Fans einen Spitzenplatz besetzen. Wenn schon Protest, dann gegen die Gemeinten, und dann aber richtig. So wird bei mir die Wahrscheinlichkeit, dass ich jemals eine performte Dose öffne, um so geringer, je mehr der Sport von ihr usurpiert wird. Gilt nicht nur für Dosen, auch für andere Sponsor-Exzesse. Den Leipzigern dagegen gönne ich alle schönen Nebeneffekte der Performance, Fußballern wie Fans.

Veröffentlicht von gw am 8. Februar 2017 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert für Mittwoch, 8. Februar, 12.00 Uhr

Montag, 6. Februar, 18.10 Uhr

Panzerschießzeit. Es wummert. Die alte Hündin reagiert empört, aber nicht mehr so panisch wie früher. Vorteil der Altersschwerhörigkeit. Im Gegensatz zum Klack-klack-klack der Maschinengewehre wummern die Panzergeschosse dumpf bis ins Gedärm. So muss die junge Taube (Mensch, nicht Vogel) die „Musik nur, wenn sie laut ist“ von Herbert Groenemeyer gespürt haben.

In der Süddeutschen, die es hier neben einer Kleinversion (Fachausdruck habe ich vergessen) der Bildzeitung gibt, schöner „Panorama“-Artikel über die Fehde Schwarzenegger/Trump. Der Autor David Pfeifer zieht einen interessanten Vergleich.  Arnold komme aus der „harten Schule des Gewichthebens“. Arbeit an Gewichten sei „immer auch Arbeit am Charakter. Die ständige Selbstüberwindung, die andauernde Präsenz der eigenen Schwäche. Solche Leute müssen nicht zwangsläufig klug werden, aber sie begreifen  in der Regel etwas über das Leben. Stets liegt das eigene Versagen ganz nah, Größenwahn und Demut gehen  beim Kraftsport eine enge Bindung ein. Einer wie Schwarzenegger hat gelernt, dass der größte Feind einem stets aus dem Spiegel entgegenblickt. Bodybuilder müssen ja viel vor dem Spiegel stehen, um am Muskeltonus zu arbeiten. Und wer sich dabei nicht der Lächerlichkeit des eigenen Seins und Tuns bewusst wird, muss schon sehr blöde sein. Blöde ist Schwarzenegger gewiss nicht.“ Trump dagegen habe in seinem Leben  wohl „nicht allzu viele Sit-ups gemacht, zumindest scheint ihm das Verständnis der Selbstüberwindung zu fehlen“.

Gut beobachtet in Sachen Schwarzenegger/Trump. Aber nach meiner Erfahrung als nicht unextremer Kraftsportler (Beleg rechts im Link „Sport-Leben“) nicht zu verallgemeinern. Arnold Schwarzenegger ist eine Ausnahme, auch in Sachen Selbstironie. Ich habe eher erlebt, dass selbst Humor- und Selbstironie begabte Kraftsportler und Bodybuilder sich nicht nur nicht der Lächerlichkeit bewusst werden, sondern das eigene Sein und Tun todernst nehmen und dabei jeglichen Humor verlieren.

Ich war mir der eigenen Lächerlichkeit stets bewusst. Vielleicht ein entscheidender Nachteil. Im Sport. Für das eigene Sein nicht.

Sich der eigenen Lächerlichkeit bewusst zu werden, ist bei Trump leider nicht zu erwarten. Er würde, von Lachkrämpfen geschüttelt, sofort zurücktreten.

Zum „Sport-Leben“ zwei Anmerkungen. Einem Doktoranden (Sohn eines früheren Dreispringers der Spitzenklasse diente der Text als wichtiges Hilfsmittel für seine Doktorarbeit. Vor drei Jahren hat er mich informiert und um Erlaubnis gebeten, einige Kapitel  zu verwenden. Jetzt ist die Arbeit fertig. Die mich betreffenden Stellen hat er mir zwecks Autorisierung zukommen lassen. Ein FAZ-Redakteur wolle über die Arbeit schreiben, ob ich für einen eventuellen Kontakt zur Verfügung stünde? Och nö, lieber nicht. Ich habe zwar nichts zu verbergen, aber alles schon in meinem Text geschrieben, was zu sagen wäre. Außerdem verblasst meine Erinnerung immer mehr, mein ganzes „Sport-Leben“ kommt mir wie ein Fake vor, unwirklich. Aber wahr.

Zweitens: Als ich von hier aus die „Sport, Gott & die Welt“-Seite anklickte, ging mir erstmals so richtig auf, dass der Leser, der kein alter Stammleser ist, zuerst nur die Blogtexte sieht, also mein Warm- und Materialschreiben für die Kolumne, Stichwort Stein(es)bruch, und dass er das Herzstück, die gesammelten Texte in den Links von Baumhausbeichte bis Sport-Leben, vielleicht nicht einmal registriert. Ob ich mal anregen sollte, die Performance (was ich für Wörter kenne!) zu verbessern? Oder den reinen Blog besser und öfter zu bedienen? Wie heute von hier aus, im dänischen Truppenübungsgebiet?

Die OWW-Kolumne mit den „besten Resten“, morgen im Blatt, seit Mittag schon online (siehe „gw-Beiträge Anstoß“), habe ich letzte Woche auf Vorrat geschrieben, ebenso eine 40/30/20/10-Kolumne (Erscheinungstermin offen, ein Stück als Reserve). Den Stammtisch für Samstag schreibe ich von Blavand aus.

(Ich sehe jetzt den geschriebenen Text und einen  kursiv gesetzten Absatz. Warum? Wieso? Keine Ahnung. Kann es auch nicht rückgängig machen. Komisch. Aber was soll’s.)

 

Veröffentlicht von gw am 6. Februar 2017 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert für Montag, 6. Februar, 18.10 Uhr