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Ohne weitere Worte (vom 28. Februar)

So wie der Mensch im Wasser automatisch Schwimmbewegungen macht, so entstehen in Gesellschaft Fastnachtsbewegungen. (…) Mehr Gemeinschaft lässt sich nicht schaffen, in Frankfurt kommt da höchstens noch der Fußballverein Eintracht Frankfurt oder der Apfelwein heran. (der Wetterauer Schriftsteller Andreas Maier in einem Gastbeitrag für die Zeit)
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Ganz Deutschland diskutiert über den so genannten Bayern-Dusel. Lassen die Unparteiischen eine Partie wirklich so lange laufen, bis die Münchener wenigstens ausgeglichen haben? Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. (…) Ein weiterer perfider Trick der Münchner: Sie schießen in neun von zehn Spielen einfach mehr Tore als der Gegner, so kommt der Großteil ihrer so genannten »Siege« zustande. Fairplay sieht anders aus. (»Zippert zappt« in der Welt nach dem Spiel in Berlin)
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Leicester hätte erhobenen Hauptes mit ihm absteigen können und damit das Märchen weitergeschrieben; es hätte zwar kein Happy End gehabt, aber wenigstens eine Moral. Nun wird beides fehlen. (…) Einstweilen wird Ranieris Assistent das Training übernehmen. Sein Name ist Shakespeare, Craig Shakespeare. Mit einem Kalauer endet das Fußballepos von Leicester – banal und bitter. (Birgit Schönau in der Süddeutschen Zeitung über die Entlassung des Meister-Trainers von 2016)
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Am 20. April 2010, Hitlers 121. Geburtstag, besiegelten in der Dresdner Torwirtschaft junge Hooligans einen Bund. Sie sahen sich als »disziplinierten Haufen von 50 Mann, der nicht besoffen, sondern motiviert die Bullen wegknallt«. Polizisten, westdeutsche Fußballfans und Ausländer erklärten sie zum Ziel ihrer Angriffe. Ihr Name: Faust des Ostens (FdO). (Steffen Winter im Spiegel über eine rechtsextreme Hooligangruppe)
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Fühlte mich selten so ausgeschlossen wie im Sky-Werbeblock. Ich scheine einfach nicht zur Zielgruppe zu gehören: Wetteinsätze, Neuwagen, Finanzprodukte, Versicherungen. Und dann noch »Candle-Light-Dinner über den Wolken«. (…) Ich bräuchte eine eigene Werbeoption (…) mit Clips für günstige Fleischprodukte, Handyklingeltöne und Jogginghosen mit Beschriftung. (aus dem Liveticker des Fußballmagazins 11Freunde zur Halbzeit   in München)
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»Meine Kinder (…) haben (…) natürlich einen fürchterlichen Beruf ergriffen (lacht).« – Der Klassiker: irgendwas mit Medien. – »Ich konnte mich nicht dagegen wehren, ich habe sie nur gefragt: Wollt ihr wirklich das Gelübde der ewigen Armut ablegen«? (Heribert Bruchhagen im SZ-Interview)
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Die diversen Quotenvereine haben noch einiges zu tun. Wenn Nina bravourös im Fußballtor steht, was ist sie dann? Eine Torfrau (wenngleich noch keine Frau) oder eine Torwartin? Und wie sollen die Trainer ihr gemischtgeschlechtliches Team anfeuern? »Auf geht’s, Jungs!« ist gelogen. Korrekt wäre: »Auf geht’s, Jungs und Mädels!« Dazu sollten wir dringend in der Elterngruppe Alternativen diskutieren. »Auf geht’s, Feldspieler und Torfrau« erscheint mir umständlich, »liebe Heranwachsende« zu gestelzt. Ein »Auf geht’s, ihr Sporttreibenden und -treibendinnen« bringt vielleicht den Feminismus voran, aber nicht den Ball ins Tor. (Bettina Weiguny in ihrer Kolumne in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Vor allem aber weiß jeder näher Beteiligte: Fastnacht ist Knochenarbeit. Auch das ist nah am Fußball. Wer wäre in Frankfurt in den letzten zwanzig Jahren zum Fußball gegangen, um dort ausschließlich Spaß zu haben? Nur ein verrückter oder ein Masochist. (Maier/Zeit)
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»Wenn James Brown im Leben etwas wollte, dann Geld und nochmals Geld. (…) Auch deshalb hat er sich das Herz so aus dem Leib getanzt und geschrien.« (Fred Wesley, Posaunist und Leiter der Brown-Band, in der SZ-Interviewserie »Reden wir über Geld«)
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Peugeot-Chef gesteht: Mein Vater war Manta-Fahrer. (Schlagzeile in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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