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Sport-Stammtisch (vom 25. Februar)

Das Beste kam zum Schluss. Aber nicht bei ARD und ZDF. Dort sah man am Donnerstag nicht den magischen Abend von Borussia Mönchengladbach in Florenz, dieses 7:1 ohne Büchsenwurf, aber tags zuvor in voller Länge und Breite, live und in Farbe, in Trailern tagelang vorher zum Supermegaevent aufgemotzt … das Spiel von Leicester in Sevilla.
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Schnarch-Orgie selbst für den verrücktesten Fußball-Fan. Und warum? Das ZDF übertrug aus dem gleichen Grund, aus dem sich der Hund am Geschlechtsteil leckt. Weil der es kann. Und weil das ZDF auch darf. Und muss. Wegen der teuren Senderechte. Und weil zufällig kein Biathlon-Supermegaevent greifbar war.
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»Da bin ich – wie fast immer – mit Ihnen einer Meinung. In Ermangelung anderer wirklich großer Sportereignisse wird Biathlon vorzugsweise von ARD und ZDF hochgepusht und vollkommen überdimensioniert. Die Tatsache, dass man aus ehemalig einem Biathlon-Wettbewerb (Olympia 1960) mittlerweile annähernd fünfzehn Disziplinen gemacht, sagt alles«, meint Walter Dietz aus Reichelsheim. Und ich meine mit: Wenn eine Athletin im Biathlon fünf Goldmedaillen gewinnen kann, spricht das für die Sportlerin, aber nicht für ihre Sportart.
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Zurück zum Fußball. Leser Dietz ergänzt auch die letzten »Montagsthemen« (Stichwort: Regeländerungen) mit einem interessanten Vorschlag: »In der eigenen Hälfte darf der Ball nicht zurück gespielt werden.« Das hat was. Überhaupt, es tut sich was im Fußball, von Fifa bis »Bild« übertrifft man sich mit neuen Ideen. »Bild« bringt einen »Anti-Schwalben-Gipfel« ins Gespräch sowie Anleihen aus Handball und Rugby (Zeitspiel, Simulieren u.a.). Das sind prima Anregungen … aus meinem alten Vorschlags-Katalog, wissen erfahrene »Anstoß«-Leser.
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Auch den »Flegel-Profis« soll es an den Kragen (Kragen?) gehen. Aber was macht man mit einem solchen wie Joel Veltman? Der Amsterdamer Profi wies im Spiel gegen Rotterdam einen Gegenspieler auf einen verletzten Ajax-Akteur hin und deutete damit an, das Spiel solle unterbrochen werden … und schlug schnell einen Haken an dem verdutzten Sparta-Profi vorbei. Nun ja, im alten Sparta hätte man Veltman in der nächst gelegenen Schlucht entsorgt. Heutzutage darf er ungestraft »Ätschibätschi« sagen: »Es war nur ein Trick. Ich kann darüber lachen.« Wer noch?
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Heribert Bruchhagen sicher nicht. Lachen ist sowieso nicht seine Kernkompetenz. Diese aber scheint er nun auch beim HSV unter Beweis stellen zu wollen: Traumtänzer, Schwafler, frei schwebende Visionäre und Wichtig-wichtig-Typen einfangen und einnorden und den Klub auf eine solide Basis stellen. Dazu muss er allerdings auch eiertanzen, jedenfalls um den wichtigsten der Wichtigen, den Supersponsor. Denn der »Herrn Kühne«, behauptet Bruchhagen im SZ-Interview, greife »nicht ins operative Geschäft ein, denn wenn das so wäre, dann hätte er meine Installierung ja verhindern können.« – Vertrackte Logik: Gerade weil Kühne sie nicht verhindert hat, obwohl er es hätte tun können, beweist er ja, welche Rolle er im operativen Geschäft spielt.
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Ganz anderes Thema. Thomas Wessinghage feierte in dieser Woche 65. Geburtstag, und »dpa« feierte mit (auch bei uns). Mich erinnerte diese Laudatio aber vor allem an meine erste und letzte boulevardeske Exklusivmeldung. Als ich einst erfuhr, dass sich das »Traumpaar« Tittel/Wellmann trennte und Ellen Tittel zu Wessinghage überlief, dem besten Freund und schärfsten Konkurrenten von Wellmann, kam ich mit dessen Trainer überein, dies exklusiv in unserer Zeitung zu veröffentlichen, um knallige Schlagzeilen im Boulevard zu vermeiden. Dennoch rannten uns danach »Express«, »Bild« und andere die Bude ein und gierten nach weiterem Stoff. Das war mir sehr unangenehm, und ich nahm mir vor, mich in Zukunft aus diesem Bereich des Journalismus rauszuhalten.– Diese alte »Traumpaar«-Geschichte kam bei »dpa« nicht vor. Aber das sind ja auch olle Kamellen.
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Womit wir beim Thema des Tages sind. Der Wetterauer Schriftsteller Andreas Maier, der in früheren Jahren gelegentlich als Gast am »Anstoß« mitwirkte, schreibt in der »Zeit« eine hingebungsvolle Hymne auf den Fasching. Überschrift: »Wer den Karneval verachtet, hat ihn nicht verstanden.« Ich verachte ihn nicht, verstehe ihn aber dennoch nicht, zumindest nicht bei Sendungen wie »Da steppt der Bär beim Em-De-Är«. Dann drängt sich mir beim Narrhallamarsch immer die Trennung »Narr-hall-am-arsch« auf.
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Aber auch ich Faschingsmuffel gönne den Narrhallesen ihren Spaß. Zumal ich seit je her bei dem sympathischen Narren-Motto mitschunkele, mit dem wenigstens für ein paar tolle Tage ein  Menschheitstraum verwirklicht werden soll: Allen wohl und niemand weh / Das macht Fassenacht so schee! Helau.  Narrhalla-Marsch! (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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