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Ohne weitere Worte (vom 21. Februar)

Carlo Ancelotti (…) wird einem in diesen Tagen immer sympathischer. (…) Wenn man ihn so sieht mit seinem weder vom Triumph noch von der Niederlage beirrbaren Bärengesicht und seinen wissenden, von Schwermut nicht ganz freien Augen, denkt man: Der wäre jetzt gerade der ideale Präsident der Vereinigten Staaten. (Peter Kümmel in der Zeit)
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Wir haben ein Monster erschaffen, sagte Donald Trump, bevor er den Startschuss zur Tour de Trump gab. Das Radrennen gab es wirklich, 1989 und 1990. (…) Er tönte damals in der üblichen Manier, dieses Radrennen werde einmal größer sein als die Tour de France. (…) Die Trump-Tour wurde nach zwei Jahren in TourDuPont umbenannt; der Magnat hatte sich zurückgezogen. (Markus Völker in der taz)
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Im nächsten Moment fällt einem dann der wirkliche amerikanische Präsident ein, der nun gar nicht wie ein Diplomat wirkt, sondern wie ein von Adrenalin besoffener Provinzfußballpräsident, ein Tribun, der seinen Trainer im Furor verließ und die Mannschaft nun selbst schindet. (…) Man wünschte sich, es käme ein Zauberer, der über Nacht die Rollen der beiden Männer vertauschte. (Kümmel/Zeit)
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»Endlich spielt Arsenal wie Barcelona. Alles wie gehabt in der Champions League. Bayern zertritt Arsenal und Arsene Wenger schaut wie ein verwundetes Reh. Sein Klub scheint sich an Barcelona zu orientieren.« (Zeit Online nach den hohen Champions-League-Niederlagen von Arsenal und Barcelona)
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»Diese 50-plus-1-Regel, die die Stimmenmehrheit für die Kapitalanleger verhindert, sollte die Liga unbedingt beibehalten. Sie ist der Damm, der euch vor Premier-League-Zuständen schützt. Ich habe gelesen, dass Leipzig diese Regel schon umgeht. Wenn man nicht aufpasst, wird Leipzig euer Chelsea.« (Englands Exnationalspieler und BBC-Moderator Gary Lineker im Spiegel-Interview)
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»Ich war 17 Jahre alt, das Geld war knapp. Da konnten wir (…) nur eins: entweder ins Stadion gehen oder uns ’ne Tüte Pommes holen. Dann haben wir uns ’ne Tüte Pommes geholt, sind zu Fuß zum Stadion Rote Erde gegangen, sind die großen Eichen hochgekrabbelt. Und wenn das Stadion nicht ausverkauft war, durften wir in der zweiten Halbzeit umsonst rein.« (BVB-Fan Karin Fehn, 73, im Interview der Südd. Zeitung )
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Sie nehmen eine Menge auf sich, um ihren Biathleten so nahe wie möglich zu sein. Die Hardcore-Fans kommen schon mal in Windeln daher, weil sie ihren Platz in der ersten Reihe partout nicht durch Nebengeschäfte verlieren wollen. (Claus Dieterle in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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»Also ging ich mit 17 Jahren zur Royal Air Force. (…) Ich fragte (…), ob ihnen klar sei, dass ich schwul sei.. (…) Ich musste umgehend das Gelände verlassen, durfte nicht mal meinen Spind ausräumen. So als hätte ich eine ansteckende Krankheit. Ich kam kurz in die Psychiatrie, wo man nichts feststellte, dann war ich frei. Unter all den Vollverrückten, die dachten, sie seien die Königin von England, war ich dann doch erschreckend normal.« (der englische Performance-Künstler Lindsay Kemp, einst mit David Bowie liiert, im Interview des Zeit-Magazins)
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»Ich wusste sehr früh, ich kann nur berühmt werden. Es ist das Einzige, was ich gut kann.« (Tom Neuwirth alias Conchita Wurst im Welt-am-Sonntag-Interview)
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Im Schloss Bellevue residierten plötzlich Typen wie Köhler, Wulff, Gauck (und seine Freundin). Eine kongeniale Weiterführung dieser Reihe wäre vermutlich Günter Netzer, den ich angesichts des komplexen Weltgeschehens tatsächlich gerne die Lage erklären sähe, aber der hatte im vergangenen Jahr einen Herzanfall und würde sich diesmal nicht selbst einwechseln können. (Martin Sonneborn, Satiriker und für »Die Partei« Mitglied des Europäischen Parlaments, in einem Gastbeitrag in der FAS, in dem er seinen Vater als Steinmeier-Gegenkandidaten präsentierte)
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Immer wenn ich irgendwas zum Widerspruch Einladendes schreibe, kommen Briefe, in denen es heißt, ich sei zu alt. Ich sähe die Dinge nicht richtig, weil ich einfach zu alt sei. (…) Leute, die mein Alter kritisieren, haben mich voll auf ihrer Seite. Ich bin mir selber zu alt, das ist Fakt. (Harald Martenstein in seiner Kolumne im Zeit-Magazin)
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Nur wem Selbstvertrauen fehlt, hat es nötig, ein Riesen-Ego vor sich her zu tragen und anderen den Tag zu verderben.« (Hollywoods Promi-Friseur Peter Savic  im SZ-Magazin) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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