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Mittwoch, 8. Februar, 12.00 Uhr

Geschlossene Schneedecke. Seit Stunden Schneegestöber. So etwas habe ich hier auch noch nicht erlebt. Am Strand aber alles wie gehabt. Wind, Wellen, Nordsee. Ob es dabei in dieser Jahreszeit nieselt oder schnieselt ist völlig egal.

Auf der “Kunstmarkt”-Seite der Süddeutschen lese ich in einer Schlagzeile (als Kunstmarkt-Ignorant schenke ich mir den Rest), “die neuen Spekulanten stürzen sich auf junge Kunst, deren Wert bloße Behauptung ist”. Aber ist nicht der Wert aller Kunst bloße Behauptung?

Um am Freitag nicht zu viel Zeit zu verlieren, arbeite ich schon mal ein bisschen im Stein(es)bruch des Herrn gw, wie schon vorgestern (bei Schwarzenegger / Trump). Also, Randale in Dortmund: Watzke eine Teilschuld zuzuschieben, ist ein Heuchel-Argument. Der BVB-Boss spreizt zwar allzu gerne das Gefieder und genießt die Wichtig-Wichtig-keit, was ihn zumindest bei mir in der Sympathieskala weit hinter seine wilde Jungschar auf dem Platz zurückfallen lässt, aber sein Spruch, in Leipzig werde Fußball gespielt, “um eine Dose zu performen”, ist eine der originelleren Schmähungen im Rivalitätsbereich des Fußballs und keine klammheimliche Gewaltunterstützung. Schuld sind einzig und allein die Gehirnverkorksten, die mit potenziell tödlich wirkenden Wurfgeschossen Menschen attackieren (ob dies Polizisten, Frauen, Kinder oder Sie und ich sind, spielt keine Rolle). Identifizieren, U-Haft, schnelle Verhandlung, ab in den Knast und zusätzlich natürlich Schadensersatz – mehr gibt es nicht zu lamentieren.

Gedankenexperiment: Die legendäre Südtribüne ist nur zu einem geringen Prozentsatz mit  Gehirnverkorksten besetzt. Die Mehrzahl dürfte aus “normalen” Fans bestehen. Aber was wäre, wenn diese also durchaus heterogene Südtribüne bei der Bundestagswahl das alleinige Stimmrecht hätte? Niemand sonst, nur die Südtribüne, als scheinbarer Schnitt der Gesellschaft? Meine Ahnung verkneife ich mir lieber. Ist ja auch unbeweisbar. Außerdem könnte es auch so unangenehm  werden …

Zur vorurteilslosen Sicht auf Red Bull Leipzig (das Hi-hi-hi-Rasenball ist mir zu albern) gehört auch die Anerkennung, dass dort prima Fußball gespielt wird und auch die Fans einen Spitzenplatz besetzen. Wenn schon Protest, dann gegen die Gemeinten, und dann aber richtig. So wird bei mir die Wahrscheinlichkeit, dass ich jemals eine performte Dose öffne, um so geringer, je mehr der Sport von ihr usurpiert wird. Gilt nicht nur für Dosen, auch für andere Sponsor-Exzesse. Den Leipzigern dagegen gönne ich alle schönen Nebeneffekte der Performance, Fußballern wie Fans.

Baumhausbeichte - Novelle