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Montag, 6. Februar, 18.10 Uhr

Panzerschießzeit. Es wummert. Die alte Hündin reagiert empört, aber nicht mehr so panisch wie früher. Vorteil der Altersschwerhörigkeit. Im Gegensatz zum Klack-klack-klack der Maschinengewehre wummern die Panzergeschosse dumpf bis ins Gedärm. So muss die junge Taube (Mensch, nicht Vogel) die “Musik nur, wenn sie laut ist” von Herbert Groenemeyer gespürt haben.

In der Süddeutschen, die es hier neben einer Kleinversion (Fachausdruck habe ich vergessen) der Bildzeitung gibt, schöner “Panorama”-Artikel über die Fehde Schwarzenegger/Trump. Der Autor David Pfeifer zieht einen interessanten Vergleich.  Arnold komme aus der “harten Schule des Gewichthebens”. Arbeit an Gewichten sei “immer auch Arbeit am Charakter. Die ständige Selbstüberwindung, die andauernde Präsenz der eigenen Schwäche. Solche Leute müssen nicht zwangsläufig klug werden, aber sie begreifen  in der Regel etwas über das Leben. Stets liegt das eigene Versagen ganz nah, Größenwahn und Demut gehen  beim Kraftsport eine enge Bindung ein. Einer wie Schwarzenegger hat gelernt, dass der größte Feind einem stets aus dem Spiegel entgegenblickt. Bodybuilder müssen ja viel vor dem Spiegel stehen, um am Muskeltonus zu arbeiten. Und wer sich dabei nicht der Lächerlichkeit des eigenen Seins und Tuns bewusst wird, muss schon sehr blöde sein. Blöde ist Schwarzenegger gewiss nicht.” Trump dagegen habe in seinem Leben  wohl “nicht allzu viele Sit-ups gemacht, zumindest scheint ihm das Verständnis der Selbstüberwindung zu fehlen”.

Gut beobachtet in Sachen Schwarzenegger/Trump. Aber nach meiner Erfahrung als nicht unextremer Kraftsportler (Beleg rechts im Link “Sport-Leben”) nicht zu verallgemeinern. Arnold Schwarzenegger ist eine Ausnahme, auch in Sachen Selbstironie. Ich habe eher erlebt, dass selbst Humor- und Selbstironie begabte Kraftsportler und Bodybuilder sich nicht nur nicht der Lächerlichkeit bewusst werden, sondern das eigene Sein und Tun todernst nehmen und dabei jeglichen Humor verlieren.

Ich war mir der eigenen Lächerlichkeit stets bewusst. Vielleicht ein entscheidender Nachteil. Im Sport. Für das eigene Sein nicht.

Sich der eigenen Lächerlichkeit bewusst zu werden, ist bei Trump leider nicht zu erwarten. Er würde, von Lachkrämpfen geschüttelt, sofort zurücktreten.

Zum “Sport-Leben” zwei Anmerkungen. Einem Doktoranden (Sohn eines früheren Dreispringers der Spitzenklasse diente der Text als wichtiges Hilfsmittel für seine Doktorarbeit. Vor drei Jahren hat er mich informiert und um Erlaubnis gebeten, einige Kapitel  zu verwenden. Jetzt ist die Arbeit fertig. Die mich betreffenden Stellen hat er mir zwecks Autorisierung zukommen lassen. Ein FAZ-Redakteur wolle über die Arbeit schreiben, ob ich für einen eventuellen Kontakt zur Verfügung stünde? Och nö, lieber nicht. Ich habe zwar nichts zu verbergen, aber alles schon in meinem Text geschrieben, was zu sagen wäre. Außerdem verblasst meine Erinnerung immer mehr, mein ganzes “Sport-Leben” kommt mir wie ein Fake vor, unwirklich. Aber wahr.

Zweitens: Als ich von hier aus die “Sport, Gott & die Welt”-Seite anklickte, ging mir erstmals so richtig auf, dass der Leser, der kein alter Stammleser ist, zuerst nur die Blogtexte sieht, also mein Warm- und Materialschreiben für die Kolumne, Stichwort Stein(es)bruch, und dass er das Herzstück, die gesammelten Texte in den Links von Baumhausbeichte bis Sport-Leben, vielleicht nicht einmal registriert. Ob ich mal anregen sollte, die Performance (was ich für Wörter kenne!) zu verbessern? Oder den reinen Blog besser und öfter zu bedienen? Wie heute von hier aus, im dänischen Truppenübungsgebiet?

Die OWW-Kolumne mit den “besten Resten”, morgen im Blatt, seit Mittag schon online (siehe “gw-Beiträge Anstoß”), habe ich letzte Woche auf Vorrat geschrieben, ebenso eine 40/30/20/10-Kolumne (Erscheinungstermin offen, ein Stück als Reserve). Den Stammtisch für Samstag schreibe ich von Blavand aus.

(Ich sehe jetzt den geschriebenen Text und einen  kursiv gesetzten Absatz. Warum? Wieso? Keine Ahnung. Kann es auch nicht rückgängig machen. Komisch. Aber was soll’s.)

 

Baumhausbeichte - Novelle