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Beste Reste – ohne weitere Worte (vom 7. Februar)

Beim Zusammenstellen der »Ohne weitere Worte«-Kolumne bleiben viele der gesammelten Zitate liegen. Bevor der große Stapel entsorgt wird, präsentieren wir heute »Beste Reste«. Wobei das Beste nicht immer gut ist …
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Für den Sportwettenanbieter Tipico (…) wirbt er mit seinem gealterten Ich-ziehe-mein-Ding-durch-Gesicht für Leute, die mit der Spielsucht anderer Leute Geld verdienen. Da bekommen Menschen mit einem feinen Gefühl für die Abgründe des Werbemarkts und seiner geschickten Verlockungen rote Flecken im Gesicht. (Harald Hordych in der SZ-Kolumne »SchönDoof« über Oliver Kahn/April 2015)
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Im Prinzip funktioniert die Sendung wie »Verstehen Sie Spaß«, nur dass hier zur Abwechslung Kleinkinder die Opfer sind. Ein kleines Mädchen (…), dem Heidi Klum zum Spaß sagte, sie sei immer »die weltweit bestgekleidete Frau«, bekam kurz danach einen Anruf; ein Journalist sagte dem Mädchen: »Wir setzen Heidi übrigens auf das Cover als die am schlechtesten gekleidete Person der Welt. Du musst es ihr sagen.« Das kleine Mädchen bekam einen Nervenzusammenbruch. (Niklas Maak in der FAS über eine US-Fernsehshow von Heidi Klum/Februar 2011)
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Der Humor der Aldi-Kategorie arbeitet mit Witzen auf Kosten anderer, und die gibt es in allen Darreichungsformen, als politisches Kabarett etwa, wo sich alle im Saal einig sind, wie doof die sind, über die sie sich gerade lustig machen, oder als die lustigen Pannenfilme, wo man sich darüber beömmelt, wir irgendein armes Schwein in die Jauchegruppe fällt, außerdem gibt es die Leuteverarschungen in der Fußgängerzone, Telefonstreiche bei überrumpelten Trotteln und Witze auf Kosten von Schwächeren und Minderheiten. (Sven Regener in der FAZ/Februar 2015)
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Und nun bittet dieser selbsternannte Gott doch tatsächlich ein Mädchen zu sich auf die Bühne.(…) Er werde öfter gefragt, teilt Robbie Williams nun dem Publikum mit, wie er denn die Mädchen auswähle, die zu ihm auf die Bühne kommen. »I always choose the ones with the biggest tits!« Die Berlinerin steht da, vor 50 000 Augenpaaren, in (…) bodenloser Scham. (…) Nun geht Robbie vor ihr auf die Knie, den Kopf unmittelbar vor ihrem Oberkörper, den er fixiert, während er ihre »schönen Augen« lobt. Dabei bekommt er einen hysterischen Lachanfall.(…) Die ganze Ego-Showkulisse wirkt nach dieser Horrorszene einfach nur noch pathologisch. (Jan Wiele in der FAZ/ Juli 2013)
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Das Mädchen (…) blieb vor Niki von Glasow (Anm.: Regisseur, Contergan geschädigt) stehen und sagte (…): »Warum hast du denn so kleine Arme?« Niki von Glasow (…): »Geh mal rüber zu Deiner Mutter, die erklärt dir das.« Das Kind rannte zur Mutter zurück (…). Die Mutter erhob sich, ging zu Niki von Glasow und sagte: »Warum können Sie meinem Kind nicht einfach erklären, was ist?« (…) Niki von Glasow antwortete ruhig, aber mit einer Aussprache, die im ganzen Café gut zu hören war: »Stellen Sie sich mal vor, mein Kind würde Sie fragen, warum Sie so große Titten haben.« (Thomas Hahn in der SZ/November 2014)
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Haben Sie mal versucht, mit Ihrer Behinderung einen Vorteil zu bekommen? – »Ja, einmal. Für den Englischunterricht sollten wir an einen imaginären Brieffreund schreiben. Ich dachte, die Lehrerin ist nah am Wasser gebaut. Ich habe geschrieben, dass ich jeden Tag traurig aus dem Fenster schaue und zusehe, wie meine Freunde Fußball spielen. Ich habe es wirklich übertrieben. (…) Meine Mitschüler waren sauer, weil sie wussten, dass das nicht stimmt. (…) Ich habe mich furchtbar geschämt. Es war die einzige Eins, die ich jemals hatte.« (Raul Krauthausen, der an der Glasknochenkrankheit leidet, im SZ-Interview/November 2014)
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Es gibt Sänger, die in ihrem Leben einen einzigen Hit haben. (…) Sie treten in Bierzelten auf und singen (…) mit Todesverachtung zum zehntausendsten Mal ihren Hit. Da kann man sagen: eine traurige Figur. (…) Der Reporter, der sich ins Bierzelt setzt und eine hämische Geschichte über den Niedergang des alten Sängers schreibt, ist, finde ich, die traurigere Figur. (Harald Martenstein in seiner Kolumne im Zeit-Magazin/Datum von mir verschusselt)
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Ich beherrsche (…) nur eine Tanzbewegung: Ein Fuß nach vorne, Kopf neigen, rhythmisch wippen. Für eine Frau, die sich nicht grundsätzlich für unerotisch hält, ist das erbärmlich. In ganz ekstatischen Momenten lasse ich mich dazu hinreißen, beide Arme gen Discohimmel zu heben. Wenn Angela Merkel ein Tor der Nationalmannschaft bejubelt, dann sieht das in etwa auch so aus. (Franziska Storz in der SZ-Kolumne »Liebes Leben«/Dezember 2014)
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Pubertät ist ja bekanntlich das Schlimmste überhaupt. Kaum begreiflich, wie die Evolution es geschafft hat, eine Schamvollzugsveranstaltung wie die Pubertät zu kreieren, ohne die Spezies dem Artentod zu überantworten. (…) Eltern zu haben war per se peinlich. (…) Es war so ähnlich, wie Hämorrhoiden zu haben, ein absolutes Tabuthema. (der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf † in einem frühen Text, veröffentlicht in der FAS/Mai 2015)
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»›Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel‹, auf diesen Satz von mir, der irgendwann wirklich Lukas Podolski zugeschrieben wurde, bin ich wirklich ein bisschen stolz.« (ZDF-Moderator Jan Böhmermann im SZ-Interview/Mai 2015)
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Ein ungebildeter Mann ist gefährlich. Das weiß man nicht nur durch Beobachtung auf dem Fußballplatz.« (Rainer Holbe, Moderator und Autor, im FR-Interview/Sept. 2014) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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