Archiv für Februar 2017

Sonntag, 26. Februar, 6.20 Uhr

Nach „meiner“ Meldung der Nacht müsste ich lange suchen, wenn ich nicht wüsste, wo ich sie finde. Nicht bei dpa oder „Bild“, sondern bei Google, Suche mit dem Stichwort „Crouser“ und eingegrenzt auf „Letzte Stunde“. Schon hab ich’s: Unter meinen Füßen, also rund 13 000 Kilometer unter meinen Füßen, gewinnt Crouser den zweiten Kugelstoß-Wettkampf „down under“, und alle drei verbessern sich gegenüber dem ersten (siehe Blog vom letzten Sonntag). Crouser gewinnt mit 22,15, Walsh stößt 21,80, Gill wird Dritter mit 20,92. Olympiasieger Crouser steckt mitten  im Aufbautraining und kam zu den „Kiwis“ nicht der Antrittsprämie wegen, sondern weil ihn Walsh, im erlernten Beruf als Maurer immer noch aktiv,  zum Fliegenfischen eingeladen hat. Einer von beiden wird über kurz oder mittel den Uralt-Weltrekord (Barnes/23,12) brechen, oder Kovacs schafft es, aber nicht David Storl, unser Jahrhunderttalent. Er wird nächste Woche wohl Hallen-Europameister, aber nach Lage der Dinge nie mehr das halten, was er einst versprochen hat. Warum? Die einfachste Lösung wäre, den anderen etwas zu unterstellen … aber stopp, das, merke ich soeben beim Warmschreiben, hebe ich mir für die Montagsthemen auf und fahre dort mit einer Leser-Mail fort (siehe „Mailbox“).

Die anderen Meldungen der Nacht, die nicht mich allein, sondern  alle angehen sollen und daher von dpa verbreitet werden, wirken angesichts der Weltlage (und wie der SPD-Kandidat die deutsche Lage unter Merkel beschreibt) so richtig heimelig: „Die Zukunft der Krumm-Möhre“ und „125 Jahre Diesel-Patent“. Selbst „Forscher spüren Klimawandel in der Antarktis“ ist nicht unbedingt der „Hammer“ – ich spüre ihn ja sogar in Mittelhessen.

Kleiner Scherz. Im Ernst: Den Klimawandel mag’s ja geben, auch meinem Gefühl nach, doch ob er menschengemacht ist oder natürliche Ursachen hat (das Klima wandelt sich ja immer, erdgeschichtlich gesehen), darüber mögen die Gelehrten streiten, die aus den beiden konkurrierenden Forscher-Lagern kommen und von interessierter Seite gestützt (und gesponsort?) werden. Mir scheint viel dringlicher, etwas gegen die zu hundert Prozent menschengemachte Plastikverseuchung der Meere zu tun (schöne Überschrift in der FAS: „Der alte Müll und das Meer“). Dazu gehört allerdings mehr als das bloße Klimawandel-Lamento, da müsste man ja etwas tun, weltweit anpacken, präventiv und nachsorgend. Aber das kostet Zeit, Mühe und viel Geld. Und ich sollte hier nicht rumschwadronieren, so nach dem Motto: Fachlich habe ich zwar keine Ahnung, aber eine starke Meinung dazu. Die Welt ist nicht nur alles, was der Fall ist, sondern noch viel komplizierter, als es den Anschein hat.

Langsam vergaloppiere ich mich warmschreibend ins Nirwana und pflücke dort Stilblumen. Sorry.  Zum Business as usual: Aus diesem Stein(es)bruch übernehme ich die Crouser-Sache in die Montagsthemen. Weitere Stichworte: Ancelotti, Onkelotti, Onkel Otto (HR) / Bundes-Überschuss und Aubameyang / … o, das war’s ja schon. Nur ein etwas komplexeres Thema ist auf dem Themenzettel noch angerissen: Im Wahlkampf Innere Sicherheit (CDU) kontra soziale Gerechtigkeit (SPD), sind aber keine Gegensätze, sondern eher Synonyme; dazu digital, analog, binäres System, das nur Entweder-oder und kein Unentschieden kennt … aber das wird mir jetzt am frühen Sonntagmorgen und vielleicht überhaupt zu kompliziert.

Erst sieben Uhr? Präliminarien schon erledigt, Blog schon geschrieben? Da kümmere ich mich schnell mal um meinen Hexenschuss, bevor der Hölhepunkt des Tages kommt, buchstäblich, nämlich sie mit KKKK. Aber vorher eine kleine Runde Klappsches Kriechen zum Hexen-Exorzismus.

Veröffentlicht von gw am 26. Februar 2017 .
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Mittwoch, 22. Februar, 11.35 Uhr

Die „Wer bin ich?“-Serie wird  in unregelmäßigen Abständen fortgesetzt, weil ich nach all den Jahren warten will, bis mir eine Idee kommt, die das Lesen auch für Nicht-Teilnehmer interessant  macht. Der „Tausendsassa“ heute ist so eine Folge, glaube ich, hoffe ich. Für die Profis stellt er womöglich kein Problem dar, aber das nehme ich in Kauf. Außerdem habe ich versucht, den Text weitgehend Suchmaschinen-immun zu schreiben. Was hundertprozentig wohl nie gelingen kann.

Bald muss, nein soll, nein, richtig: darf  ich wieder eine Kolumne aus meinem progressiven Alttag schreiben, denn das nächste Seniorenjournal naht. Auch hier bemühe ich mich, den Text so zu gestalten, dass er anregend und interessiert gelesen werden kann. Das ist beim progressiven Altern nicht ganz leicht, denn neben Zipperlein und komischen Begleiterscheinungen schreiten im Alttag-Alltag zwangsläufig auch existenzielle Krisen voran, und mindestens eine davon wird eine finale sein. Darüber können nur ganz große Literaten peinlichkeitsfrei schreiben. Weder bin ich einer, noch will ich das überhaupt, ich möchte so lange wie möglich bei den Zipperlein und amüsanten kleinen Ausfallerscheinungen bleiben. Und nicht, zum Beispiel, über die schnelle Abfolge von Tod, Hochzeit und Geburt im engsten Familienkreis schreiben, begleitet vom langsamen Dahinscheiden eines vierbeinigen Familienmitglieds. Meine Themen bleiben solche wie die Penisverlängerung, die mir schon gar nicht mehr angeboten und in der Spam-Post von den Treppenlifts verdrängt wird, oder die körperliche Verfallserscheinung, dass der Doppelklick nicht mehr schnell genug gelingt, was die Computerarbeit lästiger macht. Und wenn ich sehe, auf welche Geschwindigkeit andere ihre Maus eingestellt haben, wird mir schon beim Zuschauen schwindlig.

Und wenn ich lese, was ich hier im Stein(es)bruch des Blogs vor mich hin geschrieben habe, merke ich, dass er mir schon den Einstieg in den progressiven Alttag liefert.

Veröffentlicht von gw am 22. Februar 2017 .
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Montag, 20. Februar, 12.00 Uhr

Woher ich den Trompetenstoß von Knox habe (siehe Montagsthemen)? Gehört er zu meinem unermesslichen Bildungsfundus? Ist er mir in meiner akademischen Karriere begegnet? Oder bin ich Privatgelehrter? Althistoriker? Mit der Antwort auf solche und ähnliche Fragen lasse ich gerne die Luft raus, auch wenn ich mich gar nicht aufgeblasen habe. Denn gefunden habe ich ihn nicht in einem historischen oder sonstigen geisteswissenschaftlichen Werk, sondern bin über Name und Trompete bei Ian Rankin und seinem Ermittler Rebus gestolpert. Denn zur Zwischendurch-Lektüre gehörte letzte Woche auch eine Krimi-Kurzgeschichtensammlung von Rankin/Rebus, da stieß ich auf den Trompetenstoß, notierte ihn, nicht wissend, ob er eine Erfindung von Rankin oder historische Wahrheit war, googelte es später nach, voila, den Typen und sein Werk gibt es wirklich – und schon landete er auf dem Kolumnen-Themenzettel zwecks nächst möglicher Verwendung.

So mach ich das. Und falls ich mich vorher bildungshuberisch aufgeblasen hätte, wäre jetzt die Luft raus …. pffffft.

Um mich noch eine Nummer kleiner zu machen: Auf den albernen Reim am Schluss, auf den bin ich wirklich stolz. Obwohl er nur eine Abwandlung eines alten Reims aus dem pubertären Leben ist … und aus der Ferne hört man mit Grausen / die Eierschleifmaschine sausen …. Pfui. Schluss jetzt.

Veröffentlicht von gw am 20. Februar 2017 .
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Sonntag, 19. Februar, 11.45 Uhr

Montagsthemen sind gut geflutscht und nach meinem Empfinden und für meine Verhältnisse wirklich gut. Aber das kann täuschen, muss ich immer anfügen. Das Urteilsvermögen für eigene Texte ist begrenzt.

Ich wollte auch über David Storl schreiben, aus Interesse an der eigenen früheren Disziplin, habe es aber gelassen, aus Platzgründen (Kolumne ist eh zu lang geworden, sorry, Jungs in der Redaktion) und weil mein Interesse ganz sicher nicht dem der Lesermehrheit entspricht. Hier im Blog kann ich aber loslegen: 2012 in London sagten alle, auch der polnische Olympiasieger, dass nun die Zeit von Storl anbricht, eine neue Ära im Kugelstoßen. Auch ich war sicher, dass der Junge in neue Dimensionen vorstoßen würde. Aber Storl kam in die besten Athletenjahre , wurde aber nicht besser, sondern schlechter als in jungen Jahren. Jetzt, bei der Hallen-DM, wird er von den Journalistenkollegen schon gepriesen, weil er weit vor der deutschen Konkurrenz lag. Das darf aber für ein Jahrhunderttalent wie Storl kein Kriterium sein. Auch nicht, dass er die Hallen-Jahresweltbestenliste anführt. Mit etwas über 21 m . Den DM-Titel gewann er mit etwas unter 21 m. Zum Vergleich: Gerade eben  habe ich die Ergebnisse des Kugel-Meetings in Auckland gegoogelt. Olympiasieger Crouser gewann vor ein paar Stunden mit 22,02, Walsh stieß als Zweiter 21,46. Jacko Gill, das zweite Jahrhunderttalent, wurde Dritter mit 20,69m.

Crouser, Kovac und Walsh könnten langsam in Weltrekordnähe kommen, dorthin, wo ich Storl schon für 2013, 2014 erwartet hatte. Warum, wieso diese Entwicklung? Keine Ahnung, bin mittlerweile zu weit weg vom wirklichen Geschehen. Andere raunen natürlich von Doping und Nicht-Doping, aber so weit weg bin ich nun doch nicht, um es mir so einfach zu machen.

Veröffentlicht von gw am 19. Februar 2017 .
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Sonntag, 19. Februar, 6.55 Uhr

„Sturm auf West-Mossul beginnt“   und „sträwkcür dneßeilf thcirps rE“ – zwei Meldungen der Nacht bei dpa. Die erste ist assoziiert mit Tod und Tränen, die will ich so früh am Morgen schnell in den allerhintersten Hirnlappen verbannen. Dabei hilft mir die Konzentration auf die zweite und meinen Kommentar dazu: Mein Name ist Drahreg Seniets und hci ehcerps thcin  dneßeilf sträwkcür. Früh geübt, längst vergessen, daher  hat dieser Satz einige Minuten benötigt. Wenn die Geheimschrift noch unentschlüsselbarer gemacht werden sollte, kam nach jedem rückwärts geschriebenen Wort ein beliebiges in richtiger Reihenfolge. Schon waren die Erwachsenen außen vor. In der Meldung der Nacht ist von einem Redakteur aus dem Schwäbischen die Rede, der das rückwärts Sprechen, Schreiben und Lesen fließend, also dneßeilf, beherrscht.

Davon kann man Kopfschmerzen bekommen, wenn man es nicht fließend beherrscht. Ich nicht, denn die habe ich schon. Großer Saal, viele Menschen an vielen Tischen, angeregteste Unterhaltungen bei ständiger Hintergrundmusik – was für die meisten Normalhörigen ein entspannter, froher Abend in angenehmer Runde ist, bedeutet für uns Schwerhörige stundenlange Hör-Schwerstarbeit, um in dem Geräuschmischmasch wenigstens ein paar Wörter richtig heraus zu hören. Gelingt immer seltener, und immer öfter spiele ich unfreiwillig stille Post, indem ich auf Sätze antworte, die ich verstanden zu haben glaube, die aber ganz anders gefallen sind.  Das nervt die Normalhörigen. Im besten Fall lachen sie sich schlapp, wenn es besonders absurd wird. Schwerhörige werden diskriminiert! Es lacht doch auch niemand, keinen nervt es, wenn ein Schwachsichtiger weniger sieht als andere. Ich sollte eine Selbsthilfegruppe gründen. Nee, sogar einen Bundesverband der Schwerhörigen. Da gibt es bestimmt auch Fördermittel abzugreifen.

Aber im Ernst: Unter meiner Schwerhörigkeit leide weniger ich als andere, vor allen meine KKKK-Liebste. Mein Leiden nach solch einem Abend ist der Kopf, in dem der Geräuschpegel stundenlang nachdröhnt. Das ist schlimmer als ein Kater.

Über die Verfertigung der Kolumnen beim Warmschreiben: Das Hör-Thema übernehme ich für die nächste „Mein progressiver Alttag“-Kolumne im Seniorenjournal. Für die Montagsthemen gibt dieser Frühsonntagmorgenblog nichts her. Oder doch das Rückwärtsschreiben? Wohl kaum. Was steht auf dem Zettel, gestern Nacht noch schnell mit Dröhnkopf notiert: 50000, die Zahlen als Fetisch, mechanische Uhren, Kovac, Nachspielzeit, Abseits und Co. Das muss ich auf die Reihe bringen, irgendwie. Aber erst, da kommt es schon: KKKK.

Veröffentlicht von gw am 19. Februar 2017 .
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