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Montagsthemen (vom 23. Januar)

Wie am Samstag versprochen, wenden wir uns heute  vom Elend der Zeit ab und den verbliebenen heiteren Dingen des Lebens zu. Fußball also. Das Düstere habe ich in den Blog »Sport, Gott & die Welt« verlagert, Liebhaber des Masochismus mögen ihn bitte anklicken. Ein Klick als Kick für Endzeit-Junkies.
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Lukas Hradeckys Fehlgriff ist ja auch nur lustiger Slapstick im Vergleich zum Menetekel an der Weltenwand. Obwohl auch diese Aktion im echten Elend endete, denn »die urbedeutung dieses schönen, vom heimweh eingegebenen wortes ist das wohnen im ausland, in der fremde«, weiß mein Grimmsches Wörterbuch. So gesehen lief Hradecky buchstäblich ins Elend. Er  muss sich wie Gregor Samsa vorgekommen sein – erst geschlafen, dann als Käfer aufgewacht … hier endet die Kafka-Analogie. Fortsetzung folgt mit Goethe … und hilflos zappelnd packt er mit den Greifern das nur scheinbar Gute, das ihm so nah liegt. Er hätte lieber Goethes Anfang der »Erinnerung« beherzigen sollen: »Warum in die Ferne schweifen?«
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Um das alles eskapistisch vollends auf Fußball und nichts als Fußball runter zu brechen: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch Manuel Neuer einmal den Hradecky macht und Rot sieht. Hoffentlich nicht wie Jens Lehmann vor knapp elf Jahren in einem Champions-League-Finale, als er außerhalb des Strafraums Arsenal ins Verderben stürzte.
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Schon sind wir bei den  Bayern und ihrem Trainer. Auch in Freiburg wurde der Unterschied zwischen ihm und seinem Vorgänger deutlich. Wo Guardiola auf die Überlegenheit seines ausgetüftelten Systems setzte, vertraut Ancelotti auf die Überlegenheit der geballten individuellen Klasse seiner Spieler. Unter Guardiola spielten die Bayern bisweilen atemberaubenden Fußball, unter Ancelotti wirkt das manchmal altväterlich, fast hausbacken, und man muss sogar, wie gegen Freiburg, den alten Bayern-Dusel wiederbeleben. Doch am Ende zählt das ewige Wort eines Altbundeskanzlers, nämlich das, was hinten rauskommt. Denn Guardiola-Fußball ohne Messi/Xavi/Iniesta wirkte bei den Bayern (und jetzt in Manchester?) wie ejaculatio praecox, dem am Ende der Saft ausging (das 0:4-Syndrom). Ob Ancelotti-Fußball wie Ina Deters Frauen sind, wissen wir noch nicht. Die kommen bekanntlich langsam, aber gewaltig.
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Der Fußball läuft wieder, die Leichtathletik beginnt, im Wintersport gibt es nach Rutsch-und-Rodel-Beliebigkeiten auch echte Kracher, und zwischen »Streif«-Wahnsinn und Melancholie, wenn man bei  hessischen Hallenmeisterschaften auf die Leistungen vor allem in technischen Disziplinen schaut, gab es wieder viel schönen, echten, erfreulichen Sport. Vor allem eigenen in Hessens prächtiger Winterlandschaft.
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Und ich? Komme nicht vom Käfer los. Tierische Fortsetzung: RTL-Fernseh-Trump(f)  Bohlen verwandelt nicht wie Kafka den Menschen zum Käfer, sondern Lupo (»der ist doch aus Micky Maus«) in Pluto. Da wendet sich der Donaldist mit Grausen und ist fast so fix & foxi wie beim gleichsetzenden Vergleich von Donald Trump mit Donald Duck. Banausiger geht’s nicht! Wenn das Carl Barks wüsste! Wenn schon, dann ist Trump Gustav Gans und Melania seine Daisy Duck (Donald, schlag dir die Tussi endgültig aus dem Kopf!).
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Es gibt noch andere tierische Aufreger. Zum Beispiel die Katzensteuer. Das ist aber nicht unser Problem. Sollte sie kommen, können wir mit Fug und Recht behaupten, keine Katzen zu besitzen. Unsere beiden würden es bestätigen. Wäre ja fast so, als müsste man für, wenn auch lieb gewonnene, Miet-Nomaden auch noch Steuern zahlen.
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Bei Hunden liegen die Besitzrechte anders. Unsere beiden bleiben ewig die betreuten Welpen im gemischten Rudel. Wenn sie miteinander spielen, fragt die Rudel-Bossin das Beta-Tier immer: »Ist das nicht süß? Gib zu, dass das süß ist!« Dann knurrt es widerspenstig-hartnäckig zurück: »Süß ist kein Kriterium für mich.« Aber es gibt Ausnahmen. Wenn ich kurz vor acht den Fernseher einschalte, sehe ich oft in der ARD einen dicken Hund neben seinem Frauchen eine Treppe hoch hoppeln oder neben ihr am Strand entlang joggen. Oben an der Treppe angekommen, klingelt sie, ein Mann macht auf und riesengroße Augen, wenn sie den Mantel öffnet. Genauso große wie die beiden Strandwächter. Natürlich ist das sexistisch und frauenverachtend. Ich verabscheue das und schaue  auch nur wegen des Hundes hin. Dann frage ich: »Ist das nicht …« – aber das (und die müde augenrollende Reaktion) ist ein ganz anderes Thema. Und diese Kolumne heute, geben Sie doch zu, dass sie … wie versprochen heiterer ist als die vom Samstag. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle