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Ohne weitere Worte (vom 17. Januar)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Die Winterpause der Fußball-Bundesliga ist bald vorbei. Und wie absurd die Fans einen Fußball-Weltverband finden mögen, der ihnen eine Mega-Weltmeisterschaft mit 48 Teilnehmern zumutet, wie sehr sie sich über Skandale, Kommerz und Geldgier ärgern: Sie werden kommen und sehen. Es geht um (…) Erlösung und Verdammnis. Millionen Männer wissen wieder, was ihre Bestimmung ist. (Matthias Drobinski in der Süddeutschen Zeitung unter der Schlagzeile »Balleluja!«)
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»China wird den Fußball und den Weltsport tiefgreifend verändern. (…) Im Fußball wird China nicht eher ruhen, bevor es eine Weltliga geschaffen hat, die von chinesischen Interessen und Entscheidungen bestimmt wird.« (Gunter Gebauer, Philosoph und Sportwissenschaftler, im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Im Stadion hat er seinen festen Platz in der Südkurve, wie die Großmutter ihren in der Kirchenbank. (…) Öffnet sich nicht das Spielfeld dort, wo die Tore sind, hin zu einer anderen Wirklichkeit? (…) Es ist ja die Musik des Paradieses zu hören, wenn eine Mannschaft traumwandlerisch sicher ihre Pässe spielt (…) und der Schwefel der Hölle zu riechen, wenn (…) nichts gelingt. Des Balles Wege sind unergründlich. (Drobinski/SZ)
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Es gibt nicht viele Regeln, an die man sich halten muss – Überfüttern verboten ist eine. Sie wird allerdings immer gebrochen, und so ist die Aussicht auf das Sammelbilderalbum 2026 ein bisschen so wie die Aussicht auf die gesamte Weltmeisterschaft. Man wird sich das Ding besorgen, man wird auch ein paar Bilder einkleben. Man wird den Kapitän von St. Vincent und den Grenadinen schnell dreimal haben, und irgendwann wird man das Album halbleer bei Ebay einstellen und 5,80 Euro dafür kriegen. (Holger Gertz in der SZ)
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»Eine WM ist wie eine Weltausstellung, wo nur die Spitzenprodukte des Erfindungsgeistes und des Industriefleißes der besten Länder gezeigt werden. Jetzt dürfen aber auch die Bastlerwerkstätten auftreten. Darauf hat niemand Lust.« (Gebauer/FAS)
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»Ich musste übelste Beschimpfungen von Serben über mich ergehen lassen, einen Kroaten verpflichtet zu haben. (…) Sie haben mir geschrieben: Du Verräter, wir kriegen dich.« (Eintracht-Aufsichtsratsboss Wolfgang Steubing zur Verpflichtung von Niko Kovac/zitiert im Kicker)
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So ein Leben als Fußballprofi muss unangenehm sein. (…) Sie landen gerade an irgendeinem (…) Flughafen (…) – und schon wieder hält Ihnen (…) jemand ein Aufnahmegerät direkt unter die Nase. (…) Deshalb setzen sie sich zur Wehr. Manche halten einfach ihr Handy ans Ohr (…), obwohl ihnen am anderen Ende überhaupt niemand zuhört. Andere (…) tippen wie wild auf ihrem Smartphone herum (…), und es gibt Thomas Müller (…), der hält sich einfach einen Reisepass ans Ohr und telefoniert. (…) Und freut sich diebisch, dass er (…) eine ganze Branche hochnimmt – die Teamkollegen inklusive. (Michael Wittershagen in der FAS-Kolumne »Schluss für heute)
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Ein eigenes Stadion will er den Sechzigern (…) bauen. Erst recht die Idee mit dem Löwen-Zoo an der neuen Arena finden die Fans gut. Die Raubtiere sollen aus Ismaiks Farm in Kenia kommen. »Und jeder Löwe wird den Namen eines Spielers tragen, der bedeutend war für 1860«, hat Ismaik versprochen. (Elisabeth Schlammerl in der Zeit über den Sponsor von 1860 München)
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Im »Dschungelcamp« (…) wird es nun in Erinnerung gerufen (…): Dass Häßler ohne Ball am Fuß alles ist, nur kein Genie. Ihn umgeben zu sehen von traurigen Figuren, die nie in seiner Liga spielten (…), dürfte für uns, die Zuschauer, schmerzlicher sein als für ihn selbst. Icke Homo – sehet, welch ein Mensch. (»jöt« in der FAS)
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Der Baulöwe Karl Heckl verpulverte in den achtziger Jahren zwar sein eigenes Geld, hinterließ dem Verein aber eine Menge Probleme, als er von heute auf morgen abtrat mit den Worten: »Ich bin der Einzige, der beim TSV 1860 Millionär wurde. Vorher war ich Milliardär.« (Schlammerl/Zeit) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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