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Sonntag, 15. Januar, 6.30 Uhr

Kalt geworden, spüre ich beim Gang zum Briefkasten. Aber fahrbar, denn der motorisierte FAS-Bote war schon da. Aufmacher: Chat mit dem Doktor. Weil demnächst Krankenkassen Videosprechstunden zahlen. Und nicht Videosprechstunden Krankenkassen. Still ruht der See auch in den Meldungen der Nacht, dafür aber, anders als in der FAS,  mit einer hübschen Subjekt-Objekt-Verschiebung. Zum Ludwig-Thoma-Jubiläum finde ich bei dpa den Satz: Seine spätere große Liebe Maidi Liebermann von Wahlendorf hätte Thoma gerne geheiratet. Wer hätte gerne wen? Immerhin liefert dpa die Auflösung schon im Folgesatz: Die ihrerseits verheiratete Frau wollte sich aber nicht scheiden lassen. Also: Nicht sie ihn, sondern er sie, sie aber nicht ihn.

So still ruht der See, dass es noch keinen Stapel für “Ohne weitere Worte” gibt. Notfalls muss ich auf ältere Reste zurückgreifen. Auch für die “Montagsthemen” steht noch nichts auf dem Zettel. Oder ruht nicht draußen der See still, sondern drinnen mein Hirn? Beschäftigt mit Gedanken, die nicht in Blog oder Kolumne gehören?

Dorthin, zumindest in die Mailbox, gehörte aber ein Brief, der gestern in meinem echten Briefkasten lag. Dort kann er aber nicht aufgenommen werden, weil der Absender fehlt. Beziehungsweise vom Schnee, der in den Kasten geweht wurde und dann getaut  ist, unleserlich  aufgeweicht worden ist. Als Absende-Ort ahne ich Frankfurt, bin aber nicht sicher. Nicht aufgeweicht werden konnten der Inhalt, eine DVD, und die in der Hülle geschützten Zeilen:

Seit vielen Jahren bin ich immer wieder auf der Suche gewesen nach einer Aufzeichnung der ZDF-Sendung “Nicht nur zur Weihnachtszeit”. Vor ein paar Wochen war ich endlich erfolgreich und habe meine Schwester  zu Weihnachten mit einer DVD beglückt. Eben las ich Ihren Blog vom 8. Januar, wo Sie das Werk zitiert haben.Da ich ein regelmäßiger Konsument Ihres Blogs bin, dachte ich mir, dass Sie vielleicht auch Spaß daran haben könnten. P. S.: “The Letter” ist eines meiner Lieblingslieder. Zufälle gibt’s!

Allerdings. Mangels anderer Möglichkeit bedanke ich mich hier im Blog sehr herzlich.

Gerade fällt mein Blick unter den Textrahmen, da steht “Wörterzahl: 324.” Und: “Entwurf wurde um 8:04:02 gespeichert.” Es ist aber doch erst kurz nach sieben! Zählt der Computer noch nach Sommerzeit? Jetzt habe ich schon 350 Wörter. Sachen gibt’s. Die Begleit-Protokollierung ist mir noch nie aufgefallen. Und links die Begriffe ebenfalls nicht: “Design”, “Plugins”, “Benutzer” usw. Und: “Kommentare 633″. 633 Kommentare? Wo sind die? Moderne Zeiten verwirren mich, aber da gucke ich einfach weg, schaue nicht nach links und unten, sondern nur auf den Text.

Nur noch mal kurz nach unten gelinst. “Wörteranzahl 404.”

Das muss für heute genügen. So viele Wörter, mindestens, brauche ich für die “Montagsthemen”. Wird schwer.

Ich kann’s nicht lassen, zur Mitzählung nach unten zu linsen. Wörteranzahl 423.

Schluss jetzt.

435.

 

 

Baumhausbeichte - Novelle