Archiv für Januar 2017

Montag, 30. Januar, 16.50 Uhr

David Storl hat am Wochenende eine neue Jahresweltbestleistung mit der Kugel gestoßen. 20,80 m. Bei dieser Agenturmeldung sind zwei Dinge anzumerken:  1. Es ist keine Jahresweltbestleistung. 2. Jahresweltbestleistungen im Januar zu melden, ist Quatsch, quätscher geht’s nicht.

1. Da ich immer in den Tiefen des Internets nach der Entwicklung des ehemaligen Kugel-Wunderkinds Jacko Gill suche (mit 16 24,45m/5kg) , dessen Trainingsvideos von damals im Netz noch zu sehen und zu bestaunen sind, stieß ich jetzt in einer neuseeländischen Online-Zeitung auf Gills aktuellen 21,01-m-Wettkampf. Die von mir befürchtete und auch angeunkte Stagnation mit drohender Rückwärtsentwicklung scheint also gestoppt.  Ich hoffe sehr, mich getäuscht zu haben und Gill kommt jetzt doch noch so gewaltig, wie vor fünf Jahren gedacht, erwartet und erhofft.

2. So albern, Gills 21,01 als bessere Jahresweltbestleistung zu melden, bin aber selbst ich nicht. Was von dieser irren Statistikeritis zu halten ist, habe ich schon vor Jahren (sie ist also ausnahmsweise kein Zeitphänomen) geschrieben. Ich muss mal schauen, ob ich es noch im gw-Archiv finde. Dazu muss ich einige Fenster schließen und ein bisschen Umstand treiben, doch bevor ich es tue, sei noch gesagt, dass ich dabei bestimmt auch auf Jörg Dahlmann stoßen werde, denn der … aber jetzt klicke ich mich weg und ins Archiv, wenn ich den Text finde, folgt er sogleich. Momeeeent ….

 

Da isser:

 

Fast jeder Wahnsinn hat seine Methode. Wie die »Jahresweltbestleistungen«, die in dieser Jahreszeit gemeldet werden. Jörg Dahlmann, damals gerade auf dem Sprung von unserer Sportredaktion in die des ZDF, hatte den Quatsch schon im vergangenen Jahrhundert bloßgestellt, als er im »Sport-Studio« ein paar fröhliche Mainzer Freizeitsportler Weltjahresbestleistungen im Dutzend aufstellen ließ. An einem 1. Januar.  

 

Weiterlesend stoße ich in derselben gw-Kolumne noch hierauf:

Auch das noch: Am Berliner Homo-Mahnmal wird das Video ausgetauscht: Jetzt küssen sich auch Frauen. Und Männer und Frauen. Und Alte und Junge. Und Neonazis und Altlinke … nein, so weit geht die Korrektheit nun doch nicht.  

 

und darauf:

Dirk Nowitzkis Spot für seine Werbe-Hausbank hat bei Vegetariern einen Internet-Sturm der Entrüstung ausgelöst, weil der lange Lulatsch in einer Metzgerei wie ein kleiner Junge mit einem Stück Wurst beschenkt wird. Ich kann die Entrüstung verstehen. Auch ich erhielt oft ein Scheibchen Wurst und musste verstockt »Danke« murmeln, obwohl ich lieber ein Bonbon bekommen hätte.  

 War aber eine gute Schule fürs Leben: Man bekommt nie das, was man möchte, muss sich aber für das, was man gar nicht haben will, auch noch bedanken.

 

Ich sollte nicht mehr ins Archiv gucken. Was ich dort von mir lese, kommt mir viel witziger und prägnanter vor als meine heutigen Kolumnen. Auch auf die Arabellion bin ich dabei wieder gestoßen, in einer Kolumne ganz zu Beginn dieser Entwicklung, als ich  vermutete,  dass das Volk Mubarak weg haben will, aber noch nicht weiß, was es stattdessen will, aber sicher nicht das, was wir wollen, dass die Ägypter es wollen sollen.

Tja. Sechs, sieben Jahre her. Ohne weitere Worte, um nicht als penetranter Besserwisser zu wirken.

Macht das Alter mich zu einem schlechteren Schreiber und zu einem … nein, bitte nicht, das wäre ja noch viel schlimmer. Aber als ich jetzt ein Streitgespräch mit der AfD- und der Grünen-Chefin lese (ganze Seite, ich glaube, in der Zeit, bei meinem Lesematerialsammelsurium komme ich manchmal durcheinander) ertappe ich mich mit der niederschmetternden Erkenntnis, dass ich die Aussagen der einen insgesamt viel besser und zutreffender finde als die Schwammigkeiten der anderen, sieht man einmal von der Nationalgefühligkeit ab, die mir fremd war, ist und ewig bleiben wird.

Aber ich will es positiv sehen: Immerhin sind beide zwar sehr unterschiedliche, aber halt doch Frauen. Wie die Frontfrauen der CDU und der Linken. Meine Wunschvorstellung, nicht nur privat im Matriarchat zu leben, nimmt langsam realistische Formen an. Fehlen nur noch Frau Seehofer und Frau Schulz. Auch Frau Trump wäre willkommen, wenn’s schon nicht mehr Frau Obama sein darf. Die Kerle brauche ich nicht, bin ja selbst einer. Mein Vorbehalt bleibt aber: Matriarchat nur mit mir als verhätscheltem Hähnchen im Korb. Heinz Erhardt würde jetzt schließen mit: Ach, was bin ich heute wieder für ein Schelm.

 

Veröffentlicht von gw am 30. Januar 2017 .
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Sonntag, 29. Januar, 6.25 Uhr

Es taut. Gemerkt habe ich es leider erst, als ich die FAS aus dem Briefkasten holte und nasse Schmutzspuren im Haus hinterließ. Könnte Ärger geben.

Bin schon länger zugange. Senile Bettflucht. Oder zu Gange? Mir im Blog egal. Für die Kolumne würde ich nachschlagen.

Meldungen der Nacht bereits durchgesehen. Schönste dpa-Schlagzeile: „Lafontaine sieht sich nicht im Schatten seiner Frau.“ Auch Ego-Bomber leiden also unter dieser männlichen Wahrnehmungsschwäche.

Er „sieht“ sich nicht im Schatten. „Sehen“ und „Wissen.“ Dazu habe ich mir doch in  Modicks Roman eine Seite mit einem Tempo-Taschentuch markiert? Für empfindliche Gemüter: natürlich unbenutzt. Mal nachschauen. Moment bitte.

Hier ist die Stelle (Klaus Modick, „Das Grau der Karolinen“): „…darüber nachzusinnen, welche Beziehung besteht zwischen Sehen und Wissen (…) Die allgemein angenommene Etymologie des Wortes besteht nämlich aus einer einfachen, gleichwohl manchen überraschenden und zugleich vieles erhellenden Gleichung. Sie lautet: Ich weiß = ich habe gesehen. (…) Die sogenannte Sprachwurzel vid findet sich in der Bedeutung sehen, beobachten (…) im Sanskrit wie im Griechischen und Lateinischen und Gotischen.“ Und daher sei die Sprachwissenschaft „zu der Überzeugung gelangt“, „dass das deutsche Wort weiß ein Perfektum des Begriffs sehen ist: Man weiß, was man gesehen hat. In Frankreich ist diese Wortehe noch heute ungeschieden, denn sehen heißt dort voir und wissen hüllt sich ein in savoir.“

Wissen = gesehen haben. Die Stelle in Modicks Roman habe ich hier zusammengefasst, für die Kolumne werde ich sie noch weiter komprimieren. Wir wissen nur, was wir gesehen haben, aber manche leiden unter sinnlicher Wahrnehmungsschwäche oder sehen sowieso nur, was sie sehen und dann wissen wollen. Passt gut in die Zeit. Und der Blog erfüllt damit wieder einmal seinen Zweck als Stein(es)bruch für die Zeitungskolumnen.

Das Modick-Buch liegt schon länger bereit. Umberto Ecos „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana“ erst seit gestern. Vor einigen Jahren, als ich noch an „meiner“ Bücherseite arbeitete … ich sollte nicht zugeben, gar nicht zu wissen, ob es sie überhaupt noch gibt. Müsste mal wieder in die Wochenend-Beilage schauen. Sicher gibt es sie aber nicht  so, wie ich sie einmal eingeführt habe, mit Klappentext, eigener Bestsellerliste (zusammengerechnet aus diversen anderen) und der Interview-Serie, bei der die Befragten (Dr. Erika Fuchs, Hans Zippert, Andreas Maier u.v.a.m.) aus einer Fragen-Liste sich diejenigen Fragen aussuchen konnten, die sie interessant genug fanden, um darauf zu antworten. Ist kein Vorwurf, denn für mich war es Hobby, und schon als ich die Seite abgab, habe ich nicht verlangt, dass das aufwändige Zusammenpuzzeln von Bestsellerliste und Interviewform weitergeführt würde … wo war ich? Ach so, ja, Eco. Den Roman zu lesen hatte ich damals früh aufgegeben, war mir zu langweilig (wie auch das „Pendel“-Buch), jetzt habe ich, wie oft in solchen Fällen, noch einmal begonnen und finde es gar nicht mehr langweilig.  Es geht um einen Mann, der sein persönliches Gedächtnis verloren hat. Einmal fällt ihm auf, „dass mir alle paar Schritte Neger begegnen“, und er fragt seine Frau: „Wo sind wir? In New York? Seit wann gibt es in Mailand so viele Neger?“ Seine Frau klärt ihn nachsichtig auf: „Seit einiger Zeit. Aber man sagt nicht mehr Neger, man sagt Schwarze.“ Er: „Was macht das für einen Unterschied?“ Und dann, der Satz, für den ich mir die Stelle angemerkt habe: „Mir scheint, diese Schwarzen sind genauso arm dran wie Neger.“

Herrlich. Ein Satz sagt mehr als tausend beflissene Korrektheiten. Stein(es)bruch!

Kommt auf den Montagsthemen-Zettel. Dort steht schon: Meier/Abseits/Bruchhagen/Geld/HSV/Männerfußball/Frings/Lutscher/Tennis-Wunderkinder (oder Extra-Kolumne, weil zu viel Text?)Bob/Bremser/Steher … schon viel zu viel. Nach der Sonntagmorgenlektüre von FAS und SZ kommt sicher noch was dazu. Aber besser, viel auf dem Zettel als nix.

Nachtrag um 8.05 Uhr: Oje. „Es taut?“ Mein später Beitrag zur männlichen Wahrnehmungsschwäche: Die nassen Fußstapfen kamen nicht von draußen. Unser uraltes Hundemädchen. Blasenschwäche. Ich tapp im Dunkeln rein. Jetzt seh ich die Bescherung.

 

Veröffentlicht von gw am 29. Januar 2017 .
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Sonntag, 22. Januar, 6.35 Uhr

Morgens um halb sieben ist die Welt noch in Ordnung: Ob Regen oder Schnee, Hitze oder Kälte – die Sonntagszeitung liegt im Briefkasten. Die FAS, nicht die kostenlose. Das muss ich hinzufügen, seit Dorfbewohner sich gewundert hatten, dass ich die Zusteller lobe, denn die andere Sonntagszeitung, die offenbar hier meistgelesene, liegt erst abends oder gar nicht im Kasten, heißt es. Ist mir nie aufgefallen. Nicht mein Wahrnehmensbereich. Heikles Thema, denn sie kommt aus unserem Haus …

Aber es gibt ja leider noch geringfügig heiklere Themen. Wir leben in einer Zeitenwende. Eine Feststellung, die auch Unaufgeregtere nicht als Überaufgeregtheit abtun können. Ein Symptom: Wie heimelig wirken da doch Feinstaub, der Wachtelkönig oder separate Klos für alle sechsundsechzig Geschlechter. Auch der Klimawandel ist zumindest vorübergehend eingefroren, nicht nur wegen der Minusgrade.

Mir geht es nicht um „America first“. Das ist noch das Harmloseste rund um Trump. Für einen amerikanischen Präsidenten kommt Amerika an erster Stelle – so what!? Es geht viel tiefer, und dafür ist Deutschland das viel bessere, weil furchtbar schlechte Beispiel für die Weltenwende. Der Riss, der durch die Gesellschaften vieler westlicher Länder geht, ist bei uns am klarsten und erschreckendsten zu erkennen, vor allem, weil er immer tiefer und breiter wird. Stimmen der Vernunft gibt es kaum noch oder werden kaum noch gehört. Signifikantestes Beispiel: Wer die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung als erschreckendes Desaster bezeichnet, erhält Zustimmung aus Ecken, die er verachtet, und Verachtung aus solchen, denen er sich zugehörig fühlt. Die eine Seite will ihn eingemeinden, die andere ausstoßen. Fast so, als gälte die Behauptung, eins und eins sei zwei, als Vereinskutte einer von zwei großen Ultra-Fangruppen. Dabei ist es eine Tatsachenbehauptung.

Die Flüchtlings-(Saum-)Seligkeit, in der die eine Fangruppe lag, ist nach dem umjubelten/ausgepfiffenen Kardinalfehler der Bundeskanzlerin auch für die Initiatorin obsolet geworden, um mal das Wort aus der Trump-Rede zu benutzen, um das semantische Eiertänze aufgeführt werden. Der Beweis liegt klar auf der Hand. Man frage nur einmal einen Flüchtling aus Afghanistan, der seit zwei, drei Jahren bei uns lebt und einen noch nicht entschiedenen Asylantrag gestellt hat. Seit „Wir schaffen das“ werden viele zurückgeschickt, haben keine Chance mehr auf Asyl, obwohl wir dazu verpflichtet wären, sie bei uns dauerhaft aufzunehmen (zum Beispiel Angehörige von Dolmetschern für die Bundeswehr). Auch Migranten, die schon lange und friedlich und mehr oder weniger integriert bei uns leben, leiden unter der unter- und schon längst auch überschwelligen Stimmung im Lande, der die Bundesregierung den Weg geebnet hat.  Auch der beliebte Vorzeige-Flüchtling, der Zahnarzt aus Syrien, wird noch darunter leiden. Und die Flucht und Asyl betreffenden Gesetze werden nach der unbegreiflichen Entscheidung, Hunderttausende unkontrolliert ins Land zu lassen, verschärft bzw. viel härter und inhumaner ausgelegt als zuvor.

Alles geht zu Lasten der übergroßen Mehrzahl der neu gekommenen echten Flüchtlinge (also denen, die viel lieber nicht bei uns wären, sondern zu Hause) und der  fast schon verwurzelten Migranten, die sich bereits heimisch gefühlt hatten und jetzt Ausgrenzung spüren.

Und da wären noch die Hunderttausenden, ja Millionen, die auf die gefühlte Einladung hin ihr Bündelchen geschnürt haben, aufgebrochen sind und lange, bevor sie auf ein Schiff oder auf die Balkan-Route kommen, irgendwo in Afrika oder Asien kläglich gescheitert und oft jämmerlich verreckt sind, außerhalb unserer Sichtweite, als Opfer eines wieder einmal unseligen deutschen Sonderwegs. Den zu beklagen, ist kein dumpfbackiger Vereinskutten-Hass gegen alles Fremde, sondern Empathie mit den Fremden, die unter beiden Gesellschaftsgruppen hüben und drüben des tiefen, breiten Risses leiden.

Uff. War das mein Wort zum Montag? Zum Jahr? Zur Zeit? Rausgesprudelt am frühen Morgen, noch unkontrolliert von der freiwilligen Selbstkontrolle im noch schläfrigen Kopf? Egal, ich lasse es stehen. Aber ich erinnere mich auch an den Schluss der Kolumne vom Samstag. Die nächste wird heiterer, hatte ich versprochen. Die Montagsthemen also. Das wird in der Einzahl viel leichter als das, was die Kanzlerin (ob sie dabei an den Nobelpreis gedacht hat?) in unser aller Namen versprochen hat. Ich schaffe das! So ein Hradecky-Gau ist ja auch ein lustiger Slapstick im Vergleich zum Menetekel an der Weltwand.

Na ja, Eintracht-Kuttenträger sehen das vielleicht anders.

 

 

 

Veröffentlicht von gw am 22. Januar 2017 .
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Donnerstag, 19. Januar, 17.15 Uhr

Zwei Mal hintereinander derselbe Autor in der Mailbox – das verhindere ich normalerweise, doch diesmal mache ich eine Ausnahme. Sind ja auch nur zwei ganz kurze Stücke. Und zum „Gesicht“: Sie versucht es immer wieder! Aber ich bleibe hart. Süß ist kein …

Der Absender der „Nicht nur zur Weihnachtszeit“-DVD  hat sich gemeldet. Er kommt nicht aus Frankfurt, wie ich aus der im Schnee zerlaufenen Schrift vermutet hatte, sondern aus Gießen. Es ist Werner Haaser, und ich danke ihm noch einmal sehr herzlich.

Was ganz anderes: Die beiden Hündinnen sind läufig. Das macht alle Rüden im Dorf verrückt. Das ist zwar selbst für den Blog eine nicht erwähnenswerte Belanglosigkeit, bringt mich aber auf ontologische Gedanken (drunter mach ich’s nicht). Die alte Hündin, für ihre Rasse (Berner Sennenhund) mit 13,5 Jahren fast schon kein Methusalem mehr, sondern ein Hundeweltwunder, ändert ihren lieben, stillen, zurückhaltenden, an anderen Hunden uninteressierten Charakter grundlegend, ist unruhig, hechelt den ganzen Tag, frisst nicht und heult vor Sehnsucht nach einem (zwei, drei, viele?)  Rüden wie ein Wolf. Sie macht sich total verrückt, regt sich auf, verausgabt sich, und das alles als uralte Greisin. Und warum? Wegen ein paar Hormonen. Die bestimmen in ihrer Vielfalt unser Leben und unser Sein, ob als Hund oder Mensch. Hier ein paar mehr, dort ein paar weniger, und schon ist man ein anderes Wesen. Soviel für heute zum Thema selbstbestimmtes Leben.

 

Veröffentlicht von gw am 19. Januar 2017 .
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Dienstag, 17. Januar, 18.00 Uhr

Nachmittags  bei Königsberg, also fast auf Mittelgebirgsniveau (400 m), mit den Hunden Feld-und-Waldi gegangen.  Im tiefen Schnee zu stapfen, im Sonnenschein und bei blauem Himmel, vor dem Panorama vom Vogelsberg bis zum Taunus, das ist … ganz schön. Schwärmerischer kann ich nicht, dazu bin ich zu prosaisch. Sehr zum Leidwesen der mir Nächststehenden, die immer wieder versucht, mir Überschwängliches zu entlocken, zum Beispiel wenn die beiden Hunde miteinander spielen oder kuscheln. „Ist das nicht süß!?“ „Gib doch mal zu, wie süß das aussieht!“ Keine Chance. Ich bleibe hart und antworte unbeirrt: „Süß ist kein Kriterium für mich.“

Anschließend aufs Rad gesetzt. Das stationäre. Wenn ich mit dem echten Rad unterwegs bin, fliegt die Zeit. Auf dem Ergometer steht sie. Etwas Langweiligeres, Zäheres gibt es nicht, als im Keller in die Pedalen zu treten. Reine Pflichtübung wg. Bauch. Aber spätestens nach 30 Minuten muss Schluss sein.

Musik hören und lesen hilft nicht viel, aber immerhin etwas. Ich nehme mir ein paar Seiten vom Stapel mit, auf dem ich die mich interessierenden und daher herausgerissenen Seiten aus Zeitungen und Zeitschriften stapele (deswegen wird’s ja ein Stapel). Heute ist auch ein Interview mit Prof. Walter van Laack dabei, vom 2. Januar aus der Welt. Es geht um Nahtoderlebnisse. Laack ist Naturwissenschaftler, aber ein seinem Metier kritisch gegenüberstehender. Einen Satz habe ich eingekringelt, ich will ihn abschreiben für „Ohne weitere Worte“. Ich schreibe ihn schon mal hier für den Blog ab:

„Was uns als Wissen verkauft wird, sind oft einzelne Interpretationen von Beobachtungen. Und wenn die Naturwissenschaft auf unerklärliche Dinge stößt, ignoriert sie sie einfach.“

Schönes Beispiel, warum die Kolumne zu Recht „Ohne weitere Worte“ heißt, denn mit weiteren Worten würde das alles zu weit führen, außerdem habe ich keine dezidierte Meinung dazu. Dass  atheistische Wissenschaftler glauben, dass sie wissen, und Gläubige wissen, dass sie glauben, gehört ja zu meinen „Glaubenssätzen“, mit denen ich zwischen beiden Stühlen sitze, unwissend und ungläubig. Auch über Nahtoderlebnisse habe ich keine feste Meinung, weiß nur, dass die Wissenschaft glaubt, sie seien nur gnädige Vorspiegelungen unseres Gehirns.

Ich kann dazu nur mein Erlebnis beitragen, ich glaube, ansatzweise habe ich darüber schon mal geschrieben, um mich über mich lustig zu machen (Stichwort: Esel fällt vom Esel). Es war aber kein Esel, von dem ich gefallen bin, sondern ein Muli, auf dem ich (peinlich berührt, weil Touristenklischee, und auch nur, weil ich dem armen Christos auf Chalkidiki einen geldwerten Gefallen tun wollte) durch die Gegend  nicht ritt, sondern geritten wurde. Als es endlich vorbei war, wollte ich schnell abspringen, hatte aber nicht daran gedacht, dass mein Muli mit einer Kette mit dem Muli der mir Nächststehenden verbunden war. Ich blieb mit dem Bein hängen und platschte aus fast zwei Metern Höhe wie ein nasser Sack auf den Boden, wurde ohnmächtig  … und landete in einer anderen Welt. Schön war’s. Richtig schön. Saumäßig wohl hab ich mich gefühlt. Nichts denkend, nur wohlfühlend. In einer Landschaft ruhend, grün wie im Mai, in einer  unwirklichen Mischung aus Park und Dschungel. Es war buchstäblich unwirklich schön … bis ich Rufe hörte, lästig, dringlich. Sogar körperlich aufdringlich, als würde ich geohrfeigt. „Ist ja gut, ich komm ja schon“, murmelte ich, langsam aus der anderen Welt entschwindend, die Augen öffnend … und in die schreckgeweiteten meiner Frau und von Christos blickend, die mir Wasser ins Gesicht schütteten und mich in der Tat geohrfeigt hatten. Ich war wieder da, und statt mich saumäßig wohl zu fühlen, tat mir alles saumäßig weh. Rippen gebrochen und geprellt.

War das ein Nahtoderlebnis? Oder eine banal erklärbare Reaktion meines Gehirns, das gegen die Schmerzen mit Ohnmacht und Glückshormonen reagierte? Was weiß denn ich? Alles, was ich zu wissen glaube, bündelt sich in der Schlagzeile der Bild-Zeitung am Jüngsten Tag: „ALLES GANZ ANDERS!

 

Veröffentlicht von gw am 17. Januar 2017 .
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