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Sport-Stammtisch (vom 31. Dezember 2016)

Morgens ein märchenhafter Blick vom sonnigen Berg ins Tal, über dem die Nebelschwaden liegen, und danach, beim Feld- und Gassigehen, der unwirkliche Anblick Richtung Stadt, wo sich die rote Sonne über dem Nebelmeer hochschiebt. Wenn es nicht derart arschkalt wäre, dass die frischen Hundehaufen Dampfwolken ausstoßen wie der Stromboli, könnte man sich vorkommen wie bei einem rückwärts abgespulten Sonnenuntergang in der Ägäis. – Na ja, lyrisches Talent liegt mir mindestens so fern wie der Stromboli der Ägäis.
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Also doch lieber Sport. Dort grüßt jährlich das Murmeltier – auf Schalke mit einem aberwitzigen Spektakel, dessen Absurdität mittlerweile Tradition hat und daher kaum noch als absurd wahrgenommen wird, und vor der Vierschanzentournee mit dem üblichen nostalgischen Hannawald-Interview. Erst wenn ein anderer alle vier Springen gewinnt, bleibt das Interview-Murmeltier im Winterschlaf. Und auf Schalke? So lange die öffentlich-rechtliche Hand ihren Fernsehsegen erteilt, wird Schnee ins Fußballstadion gekarrt und geschippt und dann dort skigelaufen und geschossen wie bei Gebirgsjägern im Manöver.
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»Gebirgsjäger« – das hören die Biathleten genauso gerne wie Vielseitigkeitsreiter das Wort »Military«, wobei die Anführungszeichen auch andersrum gesetzt werden könnten. Aber wir wollen lieber die sportliche Form wahren als die militärische Tradition. Zumal der Sport ja von Kritikern traditionell als Kriegsersatz beschimpft wird. Womit wir im Jahr 2016 angekommen sind, das ein bisschen weniger traurig verlaufen wäre, wenn es mehr sportlichen Ersatz- als echten Krieg gebracht hätte. Von mir aus auch mit täglichem Biathlon auf Schalke. Oder Beachvolleyball auf der Zugspitze.
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Die Machtgefüge in der Welt verschieben sich wie tektonische Platten, seismologische Folgen inklusive. Der Sport ist eine Miniaturkopie, doch wenn es rummst, stirbt zum Glück niemand – außer bei manchem naiven Sportfreund die Illusion. Man sollte aber genau hinschauen, wer  was und warum »enthüllt«. Nehmen wir das Russen-Doping. Natürlich haben sie getan, was ihnen vorgeworfen wird, und wahrscheinlich noch viel mehr. Aber sicher nicht viel weniger als die Empörten anderer Länder. Bezeichnend ein »Spiegel«-Interview mit Travis Tygart von der US-Antidopingagentur. Er fordert, »Russen in allen Sportarten von internationalen Wettbewerben auszuschließen« und behauptet gleichzeitig, »die Sportler haben das Recht, sich von uns bestimmte Medikamente genehmigen zu lassen«. Damit verteidigt er die inflationären Ausnahmegenehmigungen für  Medaillengewinner aus den USA oder Großbritannien, ohne deren Pillen und Spritzen (und mit den Russen) der Medaillenspiegel von Rio ganz anders aussehen würde. Aber wen interessiert’s? Offenbar leiden wir wie mancher Olympiasieger an einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADHS). Da hilft kein Ritalin, sondern: genau hinschauen. Zum Beispiel auf solche durchsichtigen Interview-Manöver im neuen kalten Sportkrieg.
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Angenehmeres Thema: Berti Vogts feiert 70. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch! Sehr alte Leser erinnern sich an eine »gw«-Serie über den damaligen Bundestrainer, zwiespältig geschrieben und vorzeitig abgebrochen, weil ich das drohende Ende ahnte, aber Vogts’ freundliches Vertrauen, das ich der Fürsprache von Jürgen Grabowski verdankte, nicht missbrauchen wollte. Ich erlebte Vogts als  großartigen Trainer (ich hatte den frappierenden Vergleich mit dem damaligen Eintracht-Coach …) und aufrichtigen Menschen, der aber an  sich selbst, wie ich fürchtete, scheitern musste.
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Mittlerweile hat Berti Vogts einen Titel verloren: den des schlechtesten deutschen Amateurschauspielers (legendärer Auftritt im »Tatort«: »Ist das euer Kaninchen?«). Haben Sie schon mal Harald Schmidt im »Traumschiff« erlebt? Morgen ist es wieder soweit. Vorteil Vogts: Er weiß, dass er kein Schauspieler ist.
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Entschuldigung. Das war böse. Fast so böse wie früher »Dirty Harry« himself. Ich nehme mir vor, mich zum Besseren zu ändern. Wie hoffentlich auch das neue Jahr besser wird als das alte. Die »Farbe des Jahres 2017« ist jedenfalls schon gekürt: Grün, genau gesagt: »Greenery«, die Farbe der Blätter im Frühjahr – und der Hoffnung für 2017. Guten Rutsch! (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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