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Ohne weitere Worte (vom 28. Dezember)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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»Die männliche Savannen-Jagdgruppe agierte mit dem Auftrag, Wild zur Strecke zu bringen. (…) Der Fußball scheint eine Art Reenactment dieses maskulinen Urverhaltens möglich zu machen.« (…) – Ist die Beute der Ball selbst, oder ist sie das mit Hilfe des Balles erzielte, sozusagen erlegte Tor? – »Der Ball ist ambivalent, er ist das Wild und die Waffe.« (der Hochstapler Felix Krull … entschuldigung … der Philosoph Peter Sloterdijk im Zeit-Interview)
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»Der Fußball mag viele Menschen beschäftigen, aber er bleibt am Ende doch ein Spiel.« (der Philosoph Carlo Ancelotti im Interview der Süddeutschen Zeitung)
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Dieses Zeichen (Anm.: »Daumen hoch« in der römischen Arena) geben die Spieler heute auf dem Rasen ihrem Mitspieler, wenn ein Pass mal zu lang geraten ist. – »Danebengeschossen, aber du kommst trotzdem mit dem Leben davon! Es ist interessant, wie so ein Symbol, von niemandem richtig verstanden, durch die Epochen wandert und plötzlich wieder da ist. Die Arena ist als Schicksalsgenerator erneut aktiv geworden.« (Sloterdijk/Zeit)
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Können Sie uns sagen, wo in Europa zurzeit der modernste Fußball gespielt wird? – »Nein.« – Gibt es den modernen Fußball am Ende gar nicht? – »Es gibt den Fußball. Und was heute gespielt wird, ist dann wohl modern.« (Ancelotti/SZ)
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Günter Netzer (…), war gewissermaßen der John Lennon des deutschen Fußballs. (…) Netzer gelingt an jenem Tag ein Kunstwerk, zu dem es, wie bei aller großen Kunst, kein Vorher und kein Nachher gibt, erzeugt aus Eingebung und Willenskraft. So erklärt uns Netzers Werk die Magie des Fußballs, noch mehr aber den abgründigen Zauber des Lebens. (Moritz Müller-Wirth, stellvertretender Chefredakteur der Zeit, über Netzers Siegtor für Gladbach im Pokalfinale am 23. Juni 1973 gegen Köln)
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»Das Spielsystem ist nicht so wichtig für mich. Erfolgreich ist nicht das System, sondern dessen Anwendung. Wenn meine Spieler lieber 4-2-3-1 spielen als 4-3-3, dann sollen sie das tun.« (Ancelotti/SZ)
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(Sandro Wagner:) »Im Spiel war das intuitiv, aber wenn ich es mir jetzt anschaue, muss ich sagen: Das war ein Foul.« Das intuitive Foul, für dessen Erkennen der Täter selbst den Videobeweis braucht: ein Phänomen des modernen, auf ganz eigene Art postfaktischen Medienfußballs. (Christian Eichler in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
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»Ich habe (…) bei der EM in Schweden vom DFB einen Verweis bekommen, weil ich wegen der Mittsommernacht dunkle Vorhänge anschaffen ließ, damit die Spieler schlafen können. Franz hatte bei der WM 1990 in Italien einen Swimmingpool bauen lassen und schenkte ihn dem Hotel. Einfach so. Niemand wagte es aufzumucken.« (Berti Vogts im Sport-Bild-Interview auf die Frage, ob er unter Beckenbauers Schatten gelitten habe)
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Wie kleine Kinder, denen zum ersten Mal bewusst wird, dass der Weihnachtsmann in Wahrheit Onkel Erwin von nebenan ist, mussten die Deutschen mit ansehen, wie ihr perfektes Sommermärchen Risse bekam. Sogar die Lichtgestalt Franz Beckenbauer verlor im Zuge des DFB-Skandals ihren Glanz. Offen bleibt nach wie vor die Frage, weshalb nicht mit der WM gleich auch der WM-Sieg mitgekauft wurde. (aus dem Jahresrückblick des Fußball-Magazins 11Freunde)
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AfD-Chefin Frauke Petry und AfD-Landeschef Marcus Pretzell haben (…) geheiratet und auch gleich mitgeteilt, dass sie ein Kind erwarten. (…) Beide haben schon jeweils vier Kinder mit früheren Partnern. Somit verfolgen sie, wenn man Aussagen des AfD-Landeschefs Björn Hocke zu Reproduktionsstrategien zugrunde legt, die afrikanische Variante, nämlich die des lebensbejahenden »Ausbreitertyps«. Herzlichen Glückwunsch! (»fhau« in der »Kleine Brötchen«-Kolumne der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
(gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle