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Montag, 26. Dezember, 6.30 Uhr

Das Schicksal ist nicht nur ein mieser Verräter, sondern auch ein makabrer böser Clown. Kaum ist George Michaels “Last Christmas” in Radios und Ladenzeilen ausgedudelt, hat auch er seine last Christmas erlebt. George Michael ist tot, gestorben mit 53, angeblich “friedlich eingeschlafen”. 2016 ist auch ein Jahr der toten Pop-Größen.

Ansonsten bleiben die Meldungen der Nacht vergleichsweise friedlich, was in diesem Jahr eine Rarität ist. Die Evakuierung in Augsburg sollte uns sogar klar machen, dass dieses unselige Jahr Vorgänger hatte, die unvergleichlich viel unseliger waren – kein Selbstmordattentäter trug die Bombe jetzt ins Land, sondern ein alliierter Bomber vor mehr als 70 Jahren. Seitdem hat meine Generation in unserem Land friedliche Jahrzehnte erlebt, die in der Weltgeschichte ziemlich einmalig sein dürften.

Die entschärfte Bombe wog 1840 Kilogramm – darunter können sich die meisten Menschen kaum etwas vorstellen. Es sei denn, sie lagen wie ich schon einmal unter 242,5 kg, die nach einem missglückten Bankdrück-Rekordversuch die Brust zu zerquetschen drohten. Die Bombe ist fast acht Mal so schwer … nein, das kann auch ich mir dann doch nicht vorstellen.

Die jetzt zu schreibenden Montagsthemen nenne ich erstmals nicht Montagsthemen, nachdem einer der Jungs, der diese Kolumne zuletzt, als ich unterwegs war, für einen Dienstag schrieb, datumsmäßig korrekt auch Dienstagsthemen genannt hatte. Was ich unter “Montagsthemen” verstand, hatte aber etwas mit “Montagsmalern” zu tun und war eine kleine Selbstveralberung. Montagsmaler malen jeden Tag, aber der Gag ist nun gegessen, und auch mein jahrzehntelanger Einstieg in die Kolumne jeweils nach Ostern und Pfingsten ist damit endgültig gestorben. Meine Wehmut hält sich in Grenzen. Die Montagsthemen bleiben ja montags Montagsthemen, und die kleine Selbstironie, die darin steckt, wird in diesen postfaktischen Zeiten, die ja auch postironische sind, kaum noch wahrgenommen. – Beim frühmorgendlichen Dahinschreiben  mit noch verschlafenem Kopf entstehen manchmal auch Sätze wie der letzte, die den Kopf plötzlich wecken: Stimmt ja! Vielleicht das kennzeichnendste Merkmal der Postfaktiker ist ja ihre nicht vorhandene selbst- und überhaupt ironische Ader.

In diesem Sinne plagt mich nur noch ein Gedanke: Wenn ich die Montagsthemen dienstags nicht mehr Montagsthemen nenne, also zwei- oder drei Mal im Jahr, sie aber auch nicht Dienstagsthemen heißen sollen, muss ich mir ja eine neue Überschrift ausdenken. Vielleicht hilft Goethe. Der einzig richtig treffende Titel für alle meine gw-Kolumnen ist ja vergeben. Leider ist er mir ein paar Jahrzehnte zu spät eingefallen und betitelt daher nur diesen Blog: Sport, Gott & die Welt.

Baumhausbeichte - Novelle