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Mittwoch, 21. Dezember, 18.10 Uhr

Pfarrer Ulrich Lenz hat gemailt, Doris Heyer geantwortet und Michael Jungfleisch-Drecoll auf beide reagiert. Ihre Gedanken sind in der “Mailbox zu lesen, ich bitte dringend darum.

Für mich waren sie der Anstoß, in den für den Tag geschriebenen ungefilterten Blog-Texten von mir nachzuschauen. Ich habe einige Beispiele gefunden, zwischen einem und eineinhalb Jahren alt. Was ich finde, sind Texte, über die man streiten kann, die aber kontinuierlich am Thema bleiben und keine Kehrtwendungen bieten. Ich hänge sie kommentarlos an. Wer diese Texte liest, dazu die drei Leser-Mails und noch einmal deren Anlass (aktueller Blog und aktuelle Kolumne), ist dann vielleicht das, was ich bin: ratlos. Aber etwas vorweg: Mit dem Anschlag von Berlin hat das alles gar nichts zu tun. Sondern mit der “Ursünde” (ich verstehe, dass Pfarrer Lenz dieses Wort in Rage bringt, siehe seine Mail), die unausweichlich solche Folgesünden nach sich zieht.

 

 

 

 In der Dekadenz, die an sich nichts Schlimmes ist (so wie ich sie verstehe, als Über-Reife einer Kultur; Sparta zum Beispiel war nicht dekadent, sondern archaisch brutal – da lebe ich lieber in der Dekadenz), blüht doch noch etwas, nämlich die Gesinnungsethik. Die lässt uns alle Mühseligen und Beladenen und überhaupt alle, die nicht unseren Lebensstandard haben und zu uns kommen wollen, um unsere in Jahrzehnten erarbeiteten und in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen erkämpften sozialen Wohltaten mitzugenießen, in illusionärer christlicher Barmherzigkeit nicht nur willkommen heißen, sondern sogar auffordern, zu uns zu kommen – wir schaffen das! Die Verantwortungsethik verlangt aber eher australische Verhältnisse und ist, wenn man vom Ende her denkt, wie angeblich die Kanzlerin, barmherziger als der – wieder einmal – deutsche Sonderweg. Dass jetzt das Pendel zurück schwingt und alle Flüchtlinge in einen Sack gesteckt werden, gehört ebenfalls zu den deutschen Spezialitäten, die die Welt nicht braucht: Entweder gehen wir beseelt in die Knie oder im furor teutonicus an die Kehle. Australische Verhältnisse? Australien ist in seiner Historie nie durch Unmenschlichkeit auch nur annähernd so auffällig geworden wie wir. Es wäre ratsam, sich an dem Land ein Beispiel zu nehmen und nicht wieder die Welt an unserem Wesen genesen lassen zu wollen, einem Unwesen, das alle krank macht. Die Australier haben mit ihrer konsequenten Weigerung, Bootsflüchtlinge an (ihr) Land zu lassen, verantwortungsethisch mehr Menschenleben gerettet als geopfert. Wir opfern gesinnungsethisch langfristig mehr Menschenleben, als wir im Mittelmeer kurzfristig retten. Wir stehen in der   Pflicht, die Menschen, die schon bei uns sind, die Schlimmes erlebt haben und die sich hier nichts zu schulden kommen lassen, anständig zu behandeln und ihnen alle Chancen zu geben, sich in unserer Gesellschaft zu integrieren. Eine große Aufgabe. Sie kann, wenn überhaupt, nur gelingen, wenn wir weiteren Zuzug stoppen sowie jene fremde Un-Kultur, die sich gesellschaftsfeindlich und gesetzwidrig breit machen will, rechtsstaatlich korrekt behandeln und danach in ihr eigenes Elend zurückschicken.

 

 

 

 

 

Ich denke an die vielen Millionen in aller Welt, die die Bilder vom beseelten Empfang am Münchner Hauptbahnhof gesehen und als Einladung aufgefasst haben (und das haben sie!). Wie viele von ihnen haben sich schon auf die Reise gemacht? Wie viele bereiten sie noch vor? Wie viele werden jämmerlich sterben, unbeachtet von der Weltöffentlichkeit und unseren offenen Herzen und Armen, weil sie schon längst gescheitert sind, bevor sie in die Boote steigen? Und zu Hause wartet die Großfamilie, die Tausende Euro gesammelt hat, vergeblich auf die Wundergaben aus dem fernen Schlaraffenland. Ein Jammer für Land und Leute dort, ein Elend für die meisten, die es schaffen, und ein erbärmlicher Tod für die, die es nicht schaffen. Hinter dem kleinen toten Jungen am Strand, der uns aufgewühlt hat, liegen außerhalb der Kameras Tausende, vielleicht Hunderttausende, vielleicht noch mehr  von ihnen, unbeachtet, unbekannt, unbetrauert.

Mephisto ist “ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft”. Gibt es auch eine Kraft, die stets das Gute will und damit oft das Böse schafft?

 

 

 

 

Nach der seltsamen Begrüßungsorgie schlägt das Pendel jetzt in die andere Richtung aus. So viele wie möglich so schnell wie möglich abschieben! Ungerechtigkeit Unschuldigen gegenüber, nachdem man zuvor unkontrolliert viele hereingelassen, ja hereingebeten hat, wobei von vornherein klar war, dass sich eine Un-Kultur von kleinkrimineller Unterschicht, Bandenunwesen und Terroristen die Einladung nicht zweimal sagen lassen würde. Leidtragende sind Migranten, die schon lange hier sind, sich zu integrieren versuchen oder es bereits sind, und die jetzt unter dem Wahnsinn leiden, den die Politik angerichtet hat.

Erst auch die Un-Kultur einladen, dann überrascht sein, dass sie ist, wie sie ist, und nun am liebsten alles abschieben, was sich abschieben lässt. Das werden oft genug die Falschen sein bzw. die Richtigen, die unser Land brauchen könnte.

Der Mob der Un-Kultur ist clever und  flexibel genug, um Abschiebung weniger fürchten zu müssen als zum Beispiel eine integrationswillige Familie mit Schulkindern.

Am schlimmsten wird es für Kinder, die hier zur Schule gehen, gut integriert sind, das Land lieben und deutscher sind als mancher deutsche Hartzvierer, jetzt aber mehr denn je von Abschiebung bedroht sind.

Die Sache ist von Grund auf schiefgelaufen.

Wir schaffen das nicht.

 

 

 

 

Baumhausbeichte - Novelle