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Montagsthemen (vom 19. Dezember)

Der Fußball kennt keine Atheisten. Selbst die Ungläubigsten glauben zu wissen, dass es einen Fußball-Gott gibt. Mindestens einen. Der in Frankfurt heißt Alex Meier, aber selbst die Gläubigsten glauben jetzt nicht, dass er in Personalunion auch Fairness-Gott ist. Obwohl er den unberechtigten Elfmeter scheinbar fair übers Tor drosch. Anschließend spielte aber der Schiedsrichter Fairness-Gott und verweigerte der Eintracht einen berechtigten Elfmeter. Ausgleichende Ungerechtigkeit? Minus mal minus = plus = gerecht? Nein, doppelt ungerecht.
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Auch in der spektakulärsten Partie des Spieltages multiplizierte sich die Ungerechtigkeit. Meinen die Dortmunder. Wagners Tor irregulär? Reus’ gelb-rote Karte unberechtigt? Da gibt selbst die Video-Hilfe keine alles überzeugende Antwort. Solche leichten Schubser sind – meist ungeahndet – Alltag im Strafraum, und der übermotivierte Reus verhielt sich zwei Mal zumindest sehr ungeschickt.
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Und immer sind nur die Schiedsrichter schuld. Obwohl die Hälfte aller Fehlentscheidungen gar nicht erst getroffen würde, wenn die Spieler sich immer an das hielten, was auch Aufgabe des Schiedsrichters ist: an die Regeln. Solange Schwalben, Schubser oder Ellbogenschläge vom eigenen Lager offiziell abgestritten und klammheimlich zumindest erfreut zur Kenntnis genommen werden, ist immer nur der Schiedsrichter der Dumme. Auch die Überwachungskamera ist kein Allheilmittel.
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Im Handball oder gar Rugby geht es härter zur Sache als im Fußball. Aber Alltagsbetrug und Tumulte um Schiedsrichter sind dort seltene Ausnahmen. Selbst die verwegensten Rugby-Gestalten machen brav einen Diener, wenn der Schiedsrichter fehlentscheidet. Über die Gründe für den Unterschied von Fuß- und anderem -ball kann man nur spekulieren. Meine Vermutung: Es liegt daran, dass nur im Fußball mit dem Fuß gespielt und getreten wird. Ich will und kann es im Rahmen dieser Kolumne nicht weiter ausführen, denn Näheres würde viel zu weit führen. Eine Begründung, die sprachlich so paradox ist wie faktisch der Fußball.
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Ein Mit-Grund allerdings scheint klar: Der Fußball wird immer schneller. Früher brauchten die Schiedsrichter keine Video-Hilfe. Sie hatten die Zeitlupe ja in Echtzeit zur Verfügung …
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Nach den Spielern beteiligen sich auch die Trainer immer öfter am Bäumchen-wechsel-dich-Spiel. Sogar deren frühere Chefs ziehen nach: Heribert Bruchhagen wechselt nach Hamburg und verlässt Sky, wo ihn HSV-Berater Reiner Calmund als »Experte« ablöst. Wobei sicher scheint: In Sachen Reden und Handeln sind die Kernkompetenzen nun besser verteilt.
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Reiner Calmund. Schon als Donald Trump US-Präsidentschaftskandidat wurde, dachte ich an ihn. Warum, wusste ich nicht. Als ich jetzt im eigenen Archiv über Calmund nachlas, stieß ich auf den Grund: Vor vielen Jahren übernahm er bei RTL eine Sendung, die im US-Original von Donald Trump »moderiert« wurde, »in der er – wie feinsinnig – in jeder Woche einem von zunächst 16 Lehrlingen sagte: ›Du bist gefeuert!‹ (Übrigens hatte keiner den Mut, ihm zu antworten: ›Und du bist bescheuert!)« – das schrieb ich vor zwölf (!) Jahren und ergänzte, dass Trumps Milliardärs-Konkurrent Mark Cuban dies mit einer eigenen Sendung toppen wollte, weil: »›Ich kann einen fetteren Scheck als Trump schreiben und merke nicht mal, dass mir das Geld fehlt.‹« Zwölf Jahre später ist Trump US-Präsident. Dazu fehlen mir immer noch die Worte.
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Mark Cuban ist immer noch »Besitzer« von Dirk Nowitzki – allerdings eine leider Gottes und der Biologie baissende Aktie. Cuban gibt viel Geld für den Sport aus, was ihn mit Dietmar Hopp und Dietrich Mateschitz verbindet. Mein Traum von einem Bäumchen-wechsel-dich-Spiel: Cuban löst Mateschitz in Leipzig ab, Mateschitz ersetzt Hopp in Hoffenheim, und Hopp übernimmt die Geschäfte in Frankfurt und lässt als Mäzen am Main Gold und Geld regnen.
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Und Trump? Für den bliebe Dallas (sorry, Dirk). Aber wir haben ja unsere eigenen Probleme: RB Leipzig mischt die Altparteien auf, und die Traditionsklubs hassen und fürchten die AfD. Oder so. Weitere ungefilterte Gedanken dazu können Sie im Blog »Sport, Gott & die Welt« lesen. Adresse siehe unten. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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