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Mit weiteren Worten (vom 13. Dezember)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft – “Ohne weitere Worte” heute auf  Leserwunsch ausnahmsweise mit weiteren Worten)
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»Wenn ich irgendwo sehe, wie ein Mann einem anderen mit dem Ellbogen ins Gesicht schlägt, klicken die Handschellen. Der wird das Tageslicht so schnell nicht mehr wiedersehen. Da fehlt mir die Relation zwischen dem Sport und dem realen Leben.« (Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann zum Abraham-Foul/zitiert in der FAS / im realen Leben muss man aber doch etwas mehr tun, um das Tageslicht nicht mehr zu sehen)
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Julian Draxler (…) steht in einer Reihe mit Spielern wie André Schürrle oder Max Kruse: Seit dem Abgang von Kevin De Bruyne wurden viele charakterschwache Stars geholt, für die der VfL eher ein Notnagel war. / Lothar Matthäus in seiner Sport-Bild-Kolumne /  Charakter-Noten, ausgerechnet von ihm!?)
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In welcher Schublade stecken Sie? – »Nach dem Pokalsieg hat ein Journalist geschrieben: ›Hecking – bodenständig und akribisch ist sexy.‹ Nach meiner Beurlaubung hieß es dann ungefähr: Bodenständig und akribisch ist langweilig.« (Trainer Dieter Hecking im Interview der Süddeutschen Zeitung / passt prima zu einem meiner neuen Lieblingsbegriffe, der »situativen Ethik« mancher Journalisten)
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Im amerikanischen College-Sport zeigt sich eine Beziehung zwischen außergewöhnlichen Studienleistungen und strategischen Anforderungen ausgerechnet im Football, einer Sportart, die sich als Kombination von Gewalt mit Schachintelligenz beschreiben lässt. Das Einüben von mehreren hundert Spielzügen muss für jede Saison erneuert werden. In keiner anderen College-Sportart schließen mehr Athleten ihr Studium ab als im Fußball. (Hans Ulrich Gumbrecht, Literatur-Professor an der Stanford University, in einem Gastbeitrag für die Zeit / im Fußball  gelten Trainer schon als Taktik-Füchse und ihre Spieler als Intelligenzbestien, wenn sie  … aber bitte, das Wort hat noch einmal Dieter Hecking, voller Hochachtung über Pep Guardiola:) »Einmal hat er gegen uns nach der Halbzeit die Rollen der beiden Sechser vertauscht, der eine hat plötzlich auf der Halbposition etwas weiter vorne gespielt. Bis wir das gemerkt und dieses Loch geschlossen hatten, hatten wir zwei Tore drin. Man lernt als Trainer viel, wenn man gegen Guardiola coacht.« (aus der SZ)
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»Ich lese jeden Brief von jedem Fan durch.« – Beantworten Sie auch solche Briefe? – »Ich schreibe ja keine Briefe, ich rufe die Leute an: ›Hier ist Uli Hoeneß. Sie haben mir doch geschrieben.‹ Die Reaktionen? ›Nein, nein. Das gibt es nicht! Der Hoeneß ist dran!‹« (Uli Hoeneß im Bild-Interview / mag ja sein. Aber so etwas posaunt man nicht heraus als demütiger Mensch)
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Kennen Sie ihn (Anm.: Cristiano Ronaldo) persönlich? – »Nein. Aber letztes Jahr, als ich nach unserem Spiel gegen Madrid neben dem Spielfeld stehe, geht er an mir vorbei, dreht sich um und sagt: ›Guten Abend, Herr Tönnies.‹ Da habe ich mich schon gefreut, dass er mich kennt.« (Schalke-Boss Clemens Tönnies im SZ-Magazin-Interview / freut sich naiv und echt wie ein Fan. So etwas darf man gerne sagen)
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Cristiano Ronaldo, Mesut Özil und wohl viele andere Kicker haben Millionen von Steuern hinterzogen. Klar, was denn sonst? Wer von uns Normalbürgern bliebe denn standhaft, wenn die Verlockung so groß wäre? Wer hat denn noch nicht versucht, private Bewirtungsbelege oder Tankquittungen in seine Steuererklärung zu mogeln? Oder doch noch eine Stange unverzollter Zigaretten in stinkenden Wäschesack zu verstecken? (Michael Herl in seiner FR-Kolumne / ich, ich, ich! Noch nie! Wäre mir alles viel zu mühsam und/oder zu lästig)
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»Ich habe in den letzten beiden Runden mit allem gerechnet. Ich wusste nicht, wie verrückt mein lieber Lewis ist und wie weit er sein Spielchen treiben wird.« (Nico Rosberg im Spiegel-Interview / seit dem Karriereende sammelt er, der mir bisher ziemlich egal war, Sympathiepunkt auf Sympathiepunkt, jedenfalls bei mir)
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Letzte Frage: Weiß Otto Kernberg einen guten Therapeutenwitz? »Ich weiß einen, aber der ist nicht ganz salonfähig.« Nach kurzem Zögern: »Naja, ich glaube, Erwachsene werden ihn überstehen.« Also: »Der kleine Johnny wacht nachts auf und will ins Bad. Auf dem Weg kommt er am Schlafzimmer der Eltern vorbei, die Tür steht offen, sie sind gerade in leidenschaftlicher 69er Stellung miteinander beschäftigt. Er sieht sie an, geht weiter und murmelt zu sich selbst: ›Und mich schicken sie zum Psychiater, weil ich mir den Daumen in den Mund stecke.« (aus einem Gespräch der SZ-Autorin Johanna Adorjan mit dem großen Psychoanalytiker / um den Mund nicht zu voll zu nehmen ohne weitere Worte)
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»Ebenso wie Tiere und Pflanzen sind wir ja Teil der Natur: Wenn wir möchten, können wir uns als Art aber natürlich wichtiger nehmen. Das macht jede andere Art ja vermutlich auch.« (Förster und Bestseller-Autor Peter Wohlleben im Interview des Meller Kreisblatts / das ich zufällig in die Hände und damit eigene Gedanken bestätigt bekam; und auch die meiner beiden Katzen) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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