Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Sport-Stammtisch (vom 10. Dezember)

Die knappste und knackigste Zusammenfassung des Spektakels im Bernabeu wäre mir gerne selbst eingefallen: »Es hätte auch wieder 8:4 ausgehen können. Für Madrid.« (Thomas Nowag/sid). Damit ist alles gesagt, im Guten wie im Bedenklichen. Attraktiv war’s in jedem Fall. Nur Uli H. grollt. Da gewinnen seine Bayern gegen Atletico, aber alles spricht nur vom BVB.
*
Rechnerisch haben 8:4 und 8×4 übrigens jeweils zwei unterschiedliche Lösungen. Die arithmetischen lauten zwei und zweiunddreißig, die algebraischen BVB/Legia und Deo.– Hoffentlich hält der Kalauer, wenn ihm schon der Witz fehlt, wenigstens mathematischen Standards stand. Ich bin ein bisschen verunsichert, weil … dazu später.
*
Auch Thomas Tuchel verunsichert mich. Angesprochen auf seine harsche Kritik nach der Schlappe in Frankfurt sagt er, es lohne sich nicht, »auf Reaktionen von außen sein eigenes Tun zu reflektieren«. Wie meint er das bloß? Doch nicht so egomanisch arrogant, wie ich den Satz hoffentlich falsch verstehe?
*
In Wolfsburg wackelt Manager Klaus Allofs ganz gewaltig. Liegt die Misere an ihm? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur: Wenn VW wackelt, wackelt auch sein Anhängsel, egal wer dort das sportliche Sagen hat. Auch der Schwanz wackelt nur, wenn dem Hund danach ist.
*
In Darmstadt hat Trainer Norbert Meier ausgewackelt. Dort geht alles seinen befürchteten und zwangsläufigen Gang. Selbst ein Francisco Copado könnte die »Lilien« nicht mehr retten. – Entschuldigung. Ein böser Witz. Ramon Berndroth möge mich widerlegen und beschämen. Ich würde es masochistisch genießen. Copado war übrigens gestern noch Trainer in Watzenborn-Steinberg. Bei Wikipedia. Auch Netzmühlen mahlen manchmal langsam. Oder nehmen sie manches nicht so wichtig …?
*
Ziemlich hämisch heute. Doch die Strafe folgt sogleich. Vorher aber noch schnell und – wie angedroht – überfallartig die vierte »Wer bin ich?«-Frage der laufenden Runde: Ich startete bei Olympia, wurde nicht gewertet, gewann aber trotzdem eine Medaille. Allerdings nicht in der Sportart, die mir am besten lag und auf die mich meine Personal Coaches vorbereitet hatten. Die Teilnahme an dem anderen Wettbewerb hatte mir meine Familie verboten. Zu gefährlich, hieß es. Ihr Motto: Was Leib und Leben gefährdet, das macht man nicht, man lässt es machen. Na ja, das Oberhaupt unserer Familie betrieb Jahre später einen Sport (wer lacht da?), der auch nicht ganz ungefährlich ist. Heutzutage wird er sogar im Fernsehen übertragen, er hat einen englischen Namen und heißt … ist ja egal. Das will ich gar nicht wissen, sondern: Wer bin ich? (Einsendungen bitte erst nach der fünften und letzten Runde).
*
Und nun endlich  zu der Rubrik, die bei seriösen Blätter »Erratum« heißt und bei mir »Scheiße gebaut«. Sogar zwei Mal, Errata also. Zunächst hat mich Pfarrer Paul-Ulrich Lenz aus Schotten verunsichert: »Wie ist es denn nun richtig: Sind es schnöselbürschlingsglatte Flachseelen oder Fachseelen?« Zur Erläuterung: Im Blog »Sport, Gott & die Welt« hatte ich das in den »Montagsthemen« noch vorhandene »l« verschludert. Ich korrigierte, dankte dem Leser,  doch er meinte: »Ich finde die ›Fachseelen‹ überaus treffend – es erinnert mich an die in wilden 68er Jahren gebräuchliche Rede von den Fach-Idioten und ihre durchaus überschaubare Kompetenz in Fragen des Lebens.« – Für solche Repliken mache ich gerne Fehler!
*
Ob ich noch an die schnöselbürschlingsglatten F(l)achseelen gedacht hatte, als ich ein paar Tage später im »Anstoß« über die »Arschlochkinder« den zweiten – thematisch nahe liegenden – Fehler fabrizierte? »Was um alles in der Welt ist ein ›emphatisches Mangelmilieu‹? Das wüsste gerne Ihr stets geneigter Leser Gerhard Merz«. – Kleinlaute Antwort: Gemeint war ein Milieu, in dem ein Mangel an Empathie (Einfühlungsvermögen) herrscht, nicht an Emphase (Nachdruck).
*
Tja, das kommt davon, wenn man sich wie beim Scrabble Wörter zusammenbastelt. Vielleicht spiele ich demnächst einmal gegen Ulf Poschardt von der Welt, der in einem Leitartikel über Populismus einige Scrabble-Monster einbaut, die mich vor Neid erblassen lassen, etwa »hysterische Komplexitätsvermeidung« oder »vulgärsozialistischer Antikapitalismus«.
*
Gerhard Merz ist schon länger Leser dieser Kolumne als Macher in der SPD, und Gießens Top-Kommunist Michael Beltz bleibt uns schon länger treu als der DKP (Dementi-Verbot für beide). Nur ihr großer städtischer Sportkamerad von der CDU hat vermutlich noch nie einen »gw«-Text gelesen. Obwohl der Landesvater ein ausgewiesener Sportfachmann ist (oder gerade deswegen?).
Läse er diese Kolumne, hätten wir ja auch eine Koalition im Blatt, die in der Politik jenseits der AfD als einzige nicht mehr denkbar erscheint. Aber das ist ein anderes Thema.  (gw)
*
(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle