Archiv für November 2016

Sonntag, 20. November, 11.15 Uhr

Das ging ja fix. Alles schon unter Dach und Fach und auf der ersten Sportseite platziert. Sogar ganz gut gelungen, wie ich unbescheiden glaube. Aber das kann täuschen. Auch ein kleiner Schreiber wie ich hat etwas mit den Großen gemeinsam: Wir können unser Geschriebenes nie richtig beurteilen. Beziehungsweise: Wer weiß schon, was „richtig“ ist? In unserem Metier Ansichtssache, und das letzte Wort hat nur der Leser, nicht der Schreiber. Der hat nur das erste Wort.

In den Flow gekommen, blieb einiges auf der Strecke. Hier notiert, als digitaler Knoten im Taschentuch: Mutmaßungen über Jakob … quatsch Marco Reus‘ Verletzungsanfälligkeit, mit Anleihen aus (m)einer früheren Serie mit Ex-Bundesligaphysio Jürgen Schäfer, Stichwort psychische Verletzungsbereitsschaft. Könnte ein Extra-Anstoß werden, als Häppchen in Stammtisch oder Montagsthemen zu komplex. Ebenfalls Extra-Thema: Verrohung der Sitten im Jugendsport, mit Verweis auf den SZ-Artikel, aus dem ich in den letzten OWW zitiert habe, und mit eigener Erfahrung. und natürlich harrt auf Ausformulierung meine Nummer-eins-Tennisgeschichte (vielleicht aus aktuellem Anlass) und die vielen, vielen Kinder und Jugendlichen, die auf der Strecke bleiben, mit jenem Jungen als Beispiel, über den vor Jahren eine komplette Seite-3-Geschichte der SZ geschrieben wurde und dessen Namen man heute kaum noch im Internet finden kann.

Außerdem will ich versuchen, den zum reinen Sonntagfrühmorgens-Warmschreibtext geschrumpften Blog wieder auf den einen und anderen Werktag auszudehnen. Der Blog schreibt sich schließlich fast von alleine. Obwohl, das ist halt immer noch mein anachronistisches Missverständnis: Im Blog hudeln, in der Zeitung konzentriert schreiben, den Text kontrollieren und nachredigieren. Doch umgekehrt wäre cleverer, denn Schwarz auf Weiß, das haftet digital bis in alle Web-Ewigkeit, die Zeitung ist aber morgen schon die Zeitung von gestern. Nur für mich nicht.

Veröffentlicht von gw am 20. November 2016 .
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Sonntag, 20. November, 6.30 Uhr

Aus den dpa-Meldungen der Nacht: Mario Adorf hatte zu Studentenzeiten wenig Erfolg beim Trampen. «Da hat mich von 100 Menschen keiner mitgenommen», sagte der 86-Jährige. Er führt das auf seine damals schwarzen Haare und den Bart zurück, den er oft trug. Während alle anderen Studenten Mitfahrgelegenheiten gefunden hätten, sei er immer am Straßenrand zurückgeblieben. Schon läuft die Erinnerungsmaschine an. 1966, Solo-Tramptour nach und durch Frankreich. Frankfurt, Straßburg, Clermond, Marseille, Avignon, Lyon, Elsass, Straßburg, Ulm.  Hoch-Zeit des Trampens. Abends in den Jugendherbergen Mädchen kennengelernt, morgens mit ihnen – und vielen anderen – zusammen an den Ausfallstraßen den Daumen gezeigt … und immer einsamer geworden. Von wegen Loyalität unter Trampern! Die Fahrer, die anhielten, siebten aus, die Mädchen stiegen ein, hatten für mich allenfalls ein bedauerndes Achselzucken übrig, und ich wurde immer einsamer. Einmal stand ich noch am Abend alleine da und ging in die Jugendherberge zurück. Schnell mitgenommen wurde ich nur selten. Einmal, im Elsass, von einem deutschnationalen Franzosen (weil ich so deutsch aussähe), einmal von einem, der mir die Hand aufs Knie legte und mich fahren wollte, wohin auch immer, Hauptsache, wir übernachten zusammen. Ach ja, ich und Mario. In meinen Zeitungslektüren stolpere ich über einen FAZ-Artikel über Homiyu Tesfaye, den Weltklasse-Mittelstreckler aus Deutschland/Äthiopien. Der Anlass ist für Laien weniger wichtig, ich lasse ihn mal weg. Nebenbei erfahre ich aber Details, die ich nachher googelnd überprüfen will. Stichworte: Asyl bei uns, aber längere Urlaube im Heimatland. Und Bundeswehrsoldat. So was ist Wasser auf die Mühlen der AfD. Auch die, anderes Thema, Empörung der Presse, nicht zum Landesparteitag zugelassen zu werden, aber gleichzeitig die AfD nicht zum Bundespresseball zuzulassen. So, wie wir mit den Leuten und ihren Ansichten umgehen, machen wir sie stark wie Trump und werden uns am Wahltag wundern. Warum fragen wir uns nicht: Wo haben die Piefig-Miefigen recht? Und wie ändern wir uns, statt im moralischen Hoch- und Überlegenheitsgefühl Toleranz nur so zu verstehen, dass die Andersdenkenden gnädig in unserer Mitte aufgenommen werden, wenn sie sich gefälligst wie wir verhalten und wie wir denken? Warum nicht mit Humor reagieren? Den wenigstens gab’s manchmal bei den mittlerweile durch die und in die Institutionen Marschierten, „teuflischen“ Humor. Heute vielleicht so: Spalier stehen  beim AfD-Parteitag und rufen: Unter den braunen Haaren der Muff von 1000 Jahren. Und wenn sie stolz entgegnen: Wir sind blond, stimmen wir zu: Eben!

Mal sehen, ob ich das irgendwie kurz und knackig in den Montagsthemen unterbringen kann. Und ob ich das, womit ich mich kurz vor sieben noch dull im Kopf spontan und ungefiltert warmschreibe, nachher noch für unterbringenswert halte.

Außerdem auf dem Zettel: Nowitzki, Schweinsteiger (Trump, die „schönste Frau der Welt“ und das „ius primae noctis“ von Potentaten), dazu Max Schmeling und die Mail von Erik Schimpf (siehe „Mailbox“). Vielleicht auch Messi (ihm ist schlecht; zu lange auf sein Bein gekuckt?) / Tuchel, Leicester und Leipzig/und schon lange auf dem Zettel, nie die richtige Gelegenheit gefunden: Der Gorilla beim Basketball und die Eingeborenen und der Fernseher. Viel zu tun, viel zu sichten, viel auszusortieren. Aber erst das, was das Leben lebenswert macht: KKKK.

 

Veröffentlicht von gw am 20. November 2016 .
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Ungetwittert

Unser Fußball und unsere Demokratie – nur zu retten durch Vorqualifikationen der Massen, um an WM und Wahl teilnehmen zu dürfen.

Veröffentlicht von gw am 13. November 2016 .
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Sonntag, 14. November, 6.40 Uhr

Draußen trocken. Kühl, aber kein Frost. Soll auch so bleiben. Gut für gewisse private Vorhaben rund ums Haus. So etwas spielt im Blog aber keine Rolle. Das Private kommt hier nur gefiltert vor. Kein Tagebuch. Nur Stein(es)bruch für die Kolumnen. Nur manchmal, wenn beim Warmschreiben die Finger im Flow tippen und der träge Sonntagmorgenkopf noch hinterher döst, schleichen manche Sätze heimlich durch den Filter.

Was will der Autor sich und Ihnen damit sagen? Keine Ahnung. Die Finger tippen, der Kopf schläft noch. Jetzt aber aufgewacht! Gedöstes und Dösköpfiges im Blog ist keine Zeitung von gestern, sondern bleibt bis in alle digitale Ewigkeit. Das vergesse ich manchmal, als Zeitungsmann von gestern.

In meinem Bücherschrank steht auch „Der Aufstand der Massen“ von Ortega y Gasset. Genau: Er steht dort nicht, ich habe ihn herausgeholt, jetzt liegt er neben dem Laptop. Ein vergilbtes rororo-Taschenbuch. 186. bis 195. Tausend vom Dezember 1965. Damals habe ich das Buch aus der Reihe „Rowohlts deutsche Enzyklopädie“ auch gelesen. Aber der Zahn der Zeit hat alle Erinnerung abgenagt. Geblieben ist, wie bei den meisten, nur der Titel als beliebtes Zitat. Jetzt zum Beispiel hatte ich es als Stichwort für die „Montagsthemen“ notiert, ohne noch zu wissen, was dahinter steckt. Irgendwie elitär-konservativ, oder? Aber dafür gibt es ja Wikipedia, eine der echten Errungenschaften des Internets. Ich klicke mal rein und beame es in den Blog, Momentchen bitte …

 

Der Massenmensch (hombre-masa) wird nicht quantitativ bestimmt, sondern psychologisch charakterisiert. Es ist der durchschnittliche Mensch, der sich wohlfühlt, wenn er merkt, dass er wie alle anderen ist.[11]

Die Masse stellt Ortega sich in einer guten Ordnung als passiv, als von einer Elite führbar vor.[12] Er verabscheut das Aktivwerden des Durchschnittsmenschen:

 

»Charakteristisch für den gegenwärtigen Augenblick ist jedoch, daß die gewöhnliche Seele sich über ihre Gewöhnlichkeit klar ist, aber die Unverfrorenheit besitzt, für das Recht der Gewöhnlichkeit einzutreten und es überall einzusetzen.«[13]

Gefährlich sei, dass der Durchschnittsmensch die zivilisatorischen Errungenschaften als etwas Selbstverständliches, Naturgegebenes hinnehme, ohne jedes Interesse für die Grundlagen, aus denen sie entstanden sind.[14]

 

Da werde ich mir einiges raus- und in die Kolumne reinfiltern. Jedenfalls hat sich y Gasset unter dem Aufstand der Massen etwas anderes vorgestellt als das, was heute fast überall in der Welt geschieht und in den USA  seinen ersten Höhe- bzw. Tiefpunkt erreicht hat. Auch die alten Marxisten-Leninisten und schon gar nicht Marx und Engels haben sich unter der Diktatur des Proletariats und dessen weltweiter Vereinigung nicht den Tr(i)ump(f) tumber Backen vorgestellt (na ja, Wortspielchen im erst langsam aufwachenden Kopf sind Glücksache).

Jetzt mal zusammenreißen! San Marino … Fußball … Vorqualifikation … auch für Wahlen … geht doch! Ist schon ein rotes Fädchen für die Montagskolumne. Dazu kleine Kiesel aus dem Stein(es)bruch: Amtsenthebungsverfahren/Potas-Popanz/die Hartings und Bach/Messis Tattoos/Kovac und das Training/der nicht erkannte Gorilla … ist noch nicht alles, aber schon zu viel.

Vorqualifikation. Das wird das Motto sein. Ich versuche mal, es in einen Satz zu zwängen. „Ungetwittert“. Folgt dann gleich. Noch vor KKKK.

 

Veröffentlicht von gw am 13. November 2016 .
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Ungetwittert: 9. 11. Doink!

Veröffentlicht von gw am 10. November 2016 .
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