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Mittwoch, 30. November, 10.40 Uhr

Intensive Kolumnen-Woche für den Rentner. Neben Montagsthemen, Ohne weitere Worte und Sport-Stammtisch auch eine Extra-Kolumne (40/30/20/10) für morgen (steht schon online) und ein “progressiver Alt-Tag” für das Seniorenjournal am nächsten Samstag (die dafür und für mich überhaupt zuständige Chefin hat den morgigen Donnerstag als Abgabetermin angeordnet). Der Alt-Tag ist so gut wie fertig, der Samstags-Stammtisch hat noch Zeit. Aber jetzt muss ich langsam den Zeitungsstapel neben mir herunterlesen. Selbst die Zeit vom letzten Donnerstag liegt da noch obenauf.

Buch-Lektüre momentan: “Sunset” von Klaus Modick. Eine Art biographischer Roman über Feuchtwanger/Brecht. Danach kommt der dritte Teil der Gardam-Romane dran. Oder der letzte Griechen-Krimi von Markaris. Sehr interessant schien mir auch  “Erste Erde” von Schrott zu sein. In seinem Wälzer will er, so sein Rezensent Josef H. Reichholf in der SZ, “die Evolution des Kosmos und des Menschen in Poesie verwandeln”. Ich lese, was Reichholf schreibt, den meine “alten” Kolumnen-Leser kennen, zum Beispiel aus manchen Sätzen zum Reichholf-Buch “Warum wir siegen wollen”, was ich lese, klingt sehr interessant, doch dann: “… Es ist eine sehr schwierige Lektüre, da die Texte (…) in konsequenter Kleinschreibung und nahezu ohne Interpunktion gesetzt sind”. Nein danke, darauf kann ich verzichten. Nahezu ohne Interpunktion – was soll das? Für mich ist die Interpunktion die geschriebene Melodie der Sprache, ein Komma kann wie eine Musiknote wirken (sollen). Ich setze manchmal Kommas gegen die Regeln oder lasse sie aus, um die von mir gewünschte Betonung erkennbar zu machen. Ohne Kommas und Co. fehlt dem Text Entscheidendes. Oder sehe ich das falsch?

Die Glocken läuten. Elf Uhr. Jetzt sollen die Bauern sich langsam vom Acker machen, um pünktlich um zwölf zum Mittagessen zu Hause zu sein. Das nächste Mal läuten die Glocken um fünf – zum Abendessen um sechs. Es gibt hier zwar keine Bauern mehr, und schon um sechs isst man heute nur im Krankenhaus oder Altersheim, aber Traditionen halten sich. Ist ja auch gut so. Mir würde jedenfalls etwas fehlen, wenn die Glocken um elf und fünf still blieben.

Baumhausbeichte - Novelle