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Michael Jungfleisch-Drecoll: Diskussion um RB nervt

Die Diskussion um den „Retortenclub“ Leipzig finde ich nervig. Ich verstehe die Aufregung nicht. Nach Trikotwerbung/Braunschweig, (als der Fußball damals angeblich seine – wahrscheinlich nie vorhandene – Unschuld verlor, damals ein Riesenskandal) Werksclub/Leverkusen, Milliadärsspielzeug/ Hoffenheim nun also der traditionslose Brauseclub Leipzig. Habe den Eindruck, man nimmt sich nun diesen Club vor, um sich über irgendwas ärgern zu können. Einen nicht Profisport-affinen Menschen wird die Thematik sowieso kaum interessieren. Aufregen tun sich die vermeintlich zu kurz Gekommenen. Die, deren  Lieblingsproficlub keinen potenten Großsponsor gefunden hat. Oder eben die, die sich einfach nur mitärgern wollen, in der Herde mitlaufen wollen und ihrem gerechten Zorn Ausdruck verleihen wollen. Seit Jahrzehnten ist der Profifußball ein lukratives Geschäft. Bei dem es für alle Beteiligten um viel Geld geht, das bereitwillig am liebsten für Spieler ausgegeben wird, die den Verein erfolgreicher machen und ihrerseits versprechen, alles noch lukrativer zu machen. Die persönliche Verbundenheit zu den Akteuren ist völlig verloren gegangen, nicht nur im Profibereich, sondern bis in die unteren Spielklassen hinein. Ich z.B. stamme aus einem früheren Dorf bei Düsseldorf, (hört sich komisch an, ist aber so), das schon lange eingemeindet ist. Die Mannschaft spielte in jüngster Vergangenheit immerhin in der Oberliga, ohne dass einer der Akteure vor Ort gewohnt hätte. Umsonst tun es die Spieler auch im unterklassigen Fußball nicht mehr. Wo liegt der Unterschied, ob Öl- oder Brausemillionen in die Clubs fließen? Diejenigen, die das Brausegeld bei Leipzig kritisieren, hätten wohl nichts dagegen, wenn dieses Geld in die eigene Vereinskasse flösse. Hätte sich jemand derart erregt, wenn der Red Bull Eigner sich bei den Bayern mit dem gleichen Betrag, dann allerdings als einer unter mehreren, engagiert hätte? Mir kommen all die Diskussionen darum irgendwie weit hergeholt vor. Glücklicherweise regeln sich manche Dinge von alleine. Leipzig wird nicht Meister werden. Und wenn die Bayern irgendwann einmal zum 10. Mal hintereinander Meister geworden sind und den Mitbewerbern so viele der guten Spieler weggekauft haben, dass niemand anderes mehr Meister werden kann, wird das Interesse am Profifußball nachlassen. Vielleicht aber erleben wir hier auch einmal ein Leicester. Ich sprach – ziemlich unbedarft und naiv – neulich einen Engländer darauf an, der mich belehrte, Leicester hätte selbstverständlich ebenfalls einen sehr potenten Großinvestor. Momentan lieber mit Leipzig, das die Bundesliga wieder interessanter macht. Soll mir egal sein, wo das dafür nötige Geld her kommt.  Ob mit oder ohne Leipzig, Geld regiert den Profifußball. Zumindest solange, bis sich die ganze Maschinerie nicht irgendwann einmal selbst ad absurdum führt… (Michael Jungfleisch-Drecoll)

Baumhausbeichte - Novelle