Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Sonntag, 20. November, 6.30 Uhr

Aus den dpa-Meldungen der Nacht: Mario Adorf hatte zu Studentenzeiten wenig Erfolg beim Trampen. «Da hat mich von 100 Menschen keiner mitgenommen», sagte der 86-Jährige. Er führt das auf seine damals schwarzen Haare und den Bart zurück, den er oft trug. Während alle anderen Studenten Mitfahrgelegenheiten gefunden hätten, sei er immer am Straßenrand zurückgeblieben. Schon läuft die Erinnerungsmaschine an. 1966, Solo-Tramptour nach und durch Frankreich. Frankfurt, Straßburg, Clermond, Marseille, Avignon, Lyon, Elsass, Straßburg, Ulm.  Hoch-Zeit des Trampens. Abends in den Jugendherbergen Mädchen kennengelernt, morgens mit ihnen – und vielen anderen – zusammen an den Ausfallstraßen den Daumen gezeigt … und immer einsamer geworden. Von wegen Loyalität unter Trampern! Die Fahrer, die anhielten, siebten aus, die Mädchen stiegen ein, hatten für mich allenfalls ein bedauerndes Achselzucken übrig, und ich wurde immer einsamer. Einmal stand ich noch am Abend alleine da und ging in die Jugendherberge zurück. Schnell mitgenommen wurde ich nur selten. Einmal, im Elsass, von einem deutschnationalen Franzosen (weil ich so deutsch aussähe), einmal von einem, der mir die Hand aufs Knie legte und mich fahren wollte, wohin auch immer, Hauptsache, wir übernachten zusammen. Ach ja, ich und Mario. In meinen Zeitungslektüren stolpere ich über einen FAZ-Artikel über Homiyu Tesfaye, den Weltklasse-Mittelstreckler aus Deutschland/Äthiopien. Der Anlass ist für Laien weniger wichtig, ich lasse ihn mal weg. Nebenbei erfahre ich aber Details, die ich nachher googelnd überprüfen will. Stichworte: Asyl bei uns, aber längere Urlaube im Heimatland. Und Bundeswehrsoldat. So was ist Wasser auf die Mühlen der AfD. Auch die, anderes Thema, Empörung der Presse, nicht zum Landesparteitag zugelassen zu werden, aber gleichzeitig die AfD nicht zum Bundespresseball zuzulassen. So, wie wir mit den Leuten und ihren Ansichten umgehen, machen wir sie stark wie Trump und werden uns am Wahltag wundern. Warum fragen wir uns nicht: Wo haben die Piefig-Miefigen recht? Und wie ändern wir uns, statt im moralischen Hoch- und Überlegenheitsgefühl Toleranz nur so zu verstehen, dass die Andersdenkenden gnädig in unserer Mitte aufgenommen werden, wenn sie sich gefälligst wie wir verhalten und wie wir denken? Warum nicht mit Humor reagieren? Den wenigstens gab’s manchmal bei den mittlerweile durch die und in die Institutionen Marschierten, “teuflischen” Humor. Heute vielleicht so: Spalier stehen  beim AfD-Parteitag und rufen: Unter den braunen Haaren der Muff von 1000 Jahren. Und wenn sie stolz entgegnen: Wir sind blond, stimmen wir zu: Eben!

Mal sehen, ob ich das irgendwie kurz und knackig in den Montagsthemen unterbringen kann. Und ob ich das, womit ich mich kurz vor sieben noch dull im Kopf spontan und ungefiltert warmschreibe, nachher noch für unterbringenswert halte.

Außerdem auf dem Zettel: Nowitzki, Schweinsteiger (Trump, die “schönste Frau der Welt” und das “ius primae noctis” von Potentaten), dazu Max Schmeling und die Mail von Erik Schimpf (siehe “Mailbox”). Vielleicht auch Messi (ihm ist schlecht; zu lange auf sein Bein gekuckt?) / Tuchel, Leicester und Leipzig/und schon lange auf dem Zettel, nie die richtige Gelegenheit gefunden: Der Gorilla beim Basketball und die Eingeborenen und der Fernseher. Viel zu tun, viel zu sichten, viel auszusortieren. Aber erst das, was das Leben lebenswert macht: KKKK.

 

Baumhausbeichte - Novelle