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Ohne weitere Worte (vom 15. November)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Tom ist gefürchtet in seinem Jahrgang, nicht wegen seiner Spielkunst, sondern weil er ständig bescheißt. Diese Wortwahl ist leider nötig, sie spiegelt den Umgang auf vielen Sportplätzen wider. Genauso wie es im Jugendtennis inzwischen die Kategorie der »Arschloch-Kinder« gibt. Sie verhalten sich so asozial, dass der Ausdruck unter Trainern mittlerweile gebräuchlich ist. Schon mit zehn Jahren pöbeln sie, schummeln und zweifeln jeden Ball an, der sich auf 30 Zentimeter der Linie nähert. (Werner Bartens auf der »Gesellschaft«-Seite der Süddeutschen Zeitung über Entwicklungen im Jugend-Vereinssport)
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Ein Teil des Wrestling-Instrumentariums ist auch im Fußball geläufig. Etwa die theatralischen Mittel zur taktischen Darstellung von Schmerz – das Schlagen der Hände vors Gesicht, das Sich-Krümmen im Staub, das Pochen der Fäuste auf den Boden, das die unmenschliche Qual infolge der Infamie des Gegners dramatisch verdeutlicht. Ein süßer Schmerz muss das sein. Er verflüchtigt sich in Sekunden. (Christian Eichler in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
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Blackout-Tattoo – so heißt jedenfalls der neue Trend, wie uns neulich der Tätowierer unseres Vertrauens verraten hat. Heißt: Körperteile werden komplett schwarz übertüncht. Beim 0:3 gegen Brasilien sah Messi übrigens sehr, sehr blass aus. (Volker Stumpe in der Kolumne »Schluss für heute« der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über Messis neues Unterschenkel-Tattoo)
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»Ohne Roberts Tod hätte ich noch mehr von ihm gelernt, wäre in Hannover geblieben, hätte zu mir gefunden, mich entwickelt.« (…) – Und dann war er tot und Sie die neue Nummer eins. – »Ich hatte vom Timing her die Arschkarte gezogen, war notgedrungen ins Tor gekommen. Eine Last, die ich nie habe ablegen können. Wenn du weißt, dass du nur im Tor stehst, weil sich jemand umgebracht hat, dann bist du da, wo dich (…) eigentlich keiner will.« (Florian Fromlowitz, heute Torhüter beim Regionallisten FC Homburg, im Welt-Interview)
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Viele der armen Wähler behaupten, dass Trump für sie spricht. Wie können sie sich in den Worten eines Milliardärs wiedererkennen, dessen Spekulationsgeschäfte und Misserfolge einer der Gründe für ihr Elend sind? (der Philosoph Slavoj Žižek in seiner (FAS-Kolumne)
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Die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten ist möglicherweise ungültig. Wie soeben bekannt wurde, stimmte das deutsche Volk mit überwältigender Mehrheit gegen ihn. (»Zippert zappt« in der Welt)
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»Der israelischr Schriftsteller Amos Oz hat sehr treffend gesagt, er habe noch nie einen Fanatiker mit einem Sinn für Humor getroffen und nie einen Menschen mit Humor, der ein Fanatiker gewesen wäre.« (der Historiker Timothy Garton Ash im Spiegel-Interview)
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»Seit Silvester steht Köln weltweit für zwei Begriffe: ›Inkompetenz‹ und ›Sexuelle Übergriffe«. Köln ist so was wie Lothar Matthäus als Stadt.« (der Kabarettist Jürgen Becker im Spiegel-Interview)
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»Nein. Ich dachte, ich allein hätte schon 25 000 erzielt.« – Zlatan Ibrahimovic nach dem 3:1-Sieg von Manchester United gegen den FC Swansea auf die Frage, ob ihm klar ist, dass er das 25 000. Tor der Premier-League-Geschichte erzielt hat. (gelesen in der »Auch das noch«-Rubrik der Frankfurter Rundschau)
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Von welchen Vorbildern sollen Kinder lernen, sich anständig im Sport zu verhalten, wenn Maradonas betrügerische »Hand Gottes« eine Schmunzel-Legende des Fußballs ist? (Bartens/SZ) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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