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Sonntag, 14. November, 6.40 Uhr

Draußen trocken. Kühl, aber kein Frost. Soll auch so bleiben. Gut für gewisse private Vorhaben rund ums Haus. So etwas spielt im Blog aber keine Rolle. Das Private kommt hier nur gefiltert vor. Kein Tagebuch. Nur Stein(es)bruch für die Kolumnen. Nur manchmal, wenn beim Warmschreiben die Finger im Flow tippen und der träge Sonntagmorgenkopf noch hinterher döst, schleichen manche Sätze heimlich durch den Filter.

Was will der Autor sich und Ihnen damit sagen? Keine Ahnung. Die Finger tippen, der Kopf schläft noch. Jetzt aber aufgewacht! Gedöstes und Dösköpfiges im Blog ist keine Zeitung von gestern, sondern bleibt bis in alle digitale Ewigkeit. Das vergesse ich manchmal, als Zeitungsmann von gestern.

In meinem Bücherschrank steht auch “Der Aufstand der Massen” von Ortega y Gasset. Genau: Er steht dort nicht, ich habe ihn herausgeholt, jetzt liegt er neben dem Laptop. Ein vergilbtes rororo-Taschenbuch. 186. bis 195. Tausend vom Dezember 1965. Damals habe ich das Buch aus der Reihe “Rowohlts deutsche Enzyklopädie” auch gelesen. Aber der Zahn der Zeit hat alle Erinnerung abgenagt. Geblieben ist, wie bei den meisten, nur der Titel als beliebtes Zitat. Jetzt zum Beispiel hatte ich es als Stichwort für die “Montagsthemen” notiert, ohne noch zu wissen, was dahinter steckt. Irgendwie elitär-konservativ, oder? Aber dafür gibt es ja Wikipedia, eine der echten Errungenschaften des Internets. Ich klicke mal rein und beame es in den Blog, Momentchen bitte …

 

Der Massenmensch (hombre-masa) wird nicht quantitativ bestimmt, sondern psychologisch charakterisiert. Es ist der durchschnittliche Mensch, der sich wohlfühlt, wenn er merkt, dass er wie alle anderen ist.[11]

Die Masse stellt Ortega sich in einer guten Ordnung als passiv, als von einer Elite führbar vor.[12] Er verabscheut das Aktivwerden des Durchschnittsmenschen:

 

»Charakteristisch für den gegenwärtigen Augenblick ist jedoch, daß die gewöhnliche Seele sich über ihre Gewöhnlichkeit klar ist, aber die Unverfrorenheit besitzt, für das Recht der Gewöhnlichkeit einzutreten und es überall einzusetzen.«[13]

Gefährlich sei, dass der Durchschnittsmensch die zivilisatorischen Errungenschaften als etwas Selbstverständliches, Naturgegebenes hinnehme, ohne jedes Interesse für die Grundlagen, aus denen sie entstanden sind.[14]

 

Da werde ich mir einiges raus- und in die Kolumne reinfiltern. Jedenfalls hat sich y Gasset unter dem Aufstand der Massen etwas anderes vorgestellt als das, was heute fast überall in der Welt geschieht und in den USA  seinen ersten Höhe- bzw. Tiefpunkt erreicht hat. Auch die alten Marxisten-Leninisten und schon gar nicht Marx und Engels haben sich unter der Diktatur des Proletariats und dessen weltweiter Vereinigung nicht den Tr(i)ump(f) tumber Backen vorgestellt (na ja, Wortspielchen im erst langsam aufwachenden Kopf sind Glücksache).

Jetzt mal zusammenreißen! San Marino … Fußball … Vorqualifikation … auch für Wahlen … geht doch! Ist schon ein rotes Fädchen für die Montagskolumne. Dazu kleine Kiesel aus dem Stein(es)bruch: Amtsenthebungsverfahren/Potas-Popanz/die Hartings und Bach/Messis Tattoos/Kovac und das Training/der nicht erkannte Gorilla … ist noch nicht alles, aber schon zu viel.

Vorqualifikation. Das wird das Motto sein. Ich versuche mal, es in einen Satz zu zwängen. “Ungetwittert”. Folgt dann gleich. Noch vor KKKK.

 

Baumhausbeichte - Novelle