Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Sport-Stammtisch (vom 5.November)

Was ich in dieser Kolumne schreibe, »bleibt intern«. »Konsequent intern. Und konsequent heißt konsequent konsequent.« Wehe, einer von Ihnen verrät etwas! Er wird hochkant aus dieser Kolumne geschmissen. Aber er bleibt unser wichtigster Leser. Bei den Montagsthemen darf der liebe Jung’ natürlich wieder mitlesen. Ist doch klar. – Klar ist aber auch, dass dies mein erstes, letztes und einziges Wort zu dem affigen Theater um Aubameyang ist, das Watzke und Tuchel mit lausschlaubübischem Grinsen aufgeführt haben.
*
Ein Witz wird auch nicht besser, wenn man dran zieht. Daher: Vorhang! Aber wir bleiben bei Tuchel-Worten: »Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht«, kalendersprüchelt der Dortmunder Trainer zur Entwicklung der BVB-Bubis. Mit dem alten afrikanischen Sprichwort wird Tuchel rauf und runter zitiert, aber nach Deutschland importiert hat nicht er den Spruch, sondern … »unser« Henni Nachtsheim. Schon 2008 in einer seiner Eintracht-Glossen im Rahmen der »Anstoß«-Kolumnen. Gesammelt liegen sie auch als Buch vor (ich durfte ehrenamtlich das Vorwort und die einleitenden Kurztexte schreiben). Titel, Sie ahnen es: »Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht.« – Henni: »Da hat er mal schön recht, de Afrikaner!«
*
In diesen schwierigen Zeitungs-Zeiten werden überregionale Themen gerne lokal »runtergebrochen«, wie der Fachmann sagt. Zum Beispiel von Tuchel zum »Anstoß«. Aber es geht auch andersrum. Ich breche dann mal rauf: An den Gießener Hessenhallen lagerten in dieser Woche irische Landfahrer, was einige Aufregung verursachte. Jetzt sind sie weg, es ist nichts passiert, die »Pavees« oder »Traveller«, wie sie sich auch nennen, hatten sich sogar bei den zuständigen Ämtern angemeldet und schon vorab die Gebühren für die Müllabfuhr bezahlt, deutschkorrekter geht’s ja wohl nicht.
*
Die Traveller sind also wieder aufgebrochen, aber wo bleibt mein Raufbrechen? Hier: Wenn über die Traveller berichtet wird, bleiben sie anonym. Man kennt sie als Gruppe, nicht als Individuen. Aber ich kenne einen! Sie auch. Wetten, dass?! Name: Tyson Fury. Status: Klitschko-Bezwinger und Schwergewichts-Boxweltmeister. Charakterisierung: ziemlich abgedreht. Letzteres führt er selbst auf seine Herkunft und Diskriminierung als Pavee zurück.
*
Mit Fury kommen wir zu einem anderen Raufbruch-Thema. Er hat, wie er sagt, »einen natürlichen Körper wie Gelee« und glaubt, »99 Prozent der Sportler, die Körper wie griechische Götter haben«, seien gedopt. In dieser Woche befasste sich nun der »Spiegel« mit den »kranken Helden« im Sport, deren »Ausnahmegenehmigungen für den Einsatz von Dopingmitteln boomen«. Unsere Leser kennen das Thema, (zu) oft habe ich davon geschrieben. Nun findet heute in Gießen der Mittelhessische Diabetes-Tag statt. Als ich die Ankündigung sah, dachte ich sofort an Fury und den »Spiegel«, denn neben anderen Ausnahmegenehmigungen wie die für Triamcinolon (wegen Asthma, das im Spitzensport zu grassieren scheint), Ritalin (zum Beispiel für die vierfache Turn-Olympiasiegerin Biles wegen ADHS) oder Cortison (zum Beispiel Serena Williams) listet der »Spiegel« auch Human-Insulin auf, eine »knallharte Dopingsubstanz«. Was halten Betroffene, die mit ihrer Krankheit leben müssen, von Sportlern, die sich als Diabetiker ausgeben und mit hoch dosiertem Insulin dopen? Wir in Deutschland kennen ja einen prominenten und öffentlich sehr präsenten Olympiasieger, der echter Diabetiker ist. Er könnte seine Krankenakte öffnen, jegliche Restzweifel ausräumen und die Perversität von Insulin-Doping geißeln. Vielleicht beim nächsten Diabetestag?
*
Rund um das Thema Doping gibt es mehr Fragen als … Lösungen? Nein, als Antworten. Dr. Richard Wagner aus Lollar fiel auf, »dass auch Sie neulich vom Fragen-Lösen sprachen. Das begegnet uns ja häufiger, auch wenn ich hierzu bislang nur Probleme/Aufgaben bzw. (fehlende) Antworten kannte.« – Touché. Wenn ich Sprachschludigkeiten veräppele, bin ich mir stets bewusst, dass ich im Zweifelsfall mehr davon selbst fabriziere, als ich bei anderen kritisieren kann. Siehe Fragen »lösen«.
*
Anlass für die Mail unseres Lesers war aber ein erfreulicher: »Köstlich« seien zuletzt die Montagsthemen gewesen: »Was die Eintracht angeht, bin ich Anhänger-Lehrling, was Ihre Rubrik angeht, deutlich darüber hinaus. Sie ist öfter beliebtes Thema im Freundeskreis. Herzlichen Dank für Ihre regelmäßigen Beiträge, die Sie hoffentlich noch lange fortsetzen (dürfen)!«
*
Dankeschön. Ob ich darf? Oder kann? Oder will? Oder muss? Oder soll? Noch (wie) lange? Das bleibt intern. Konsequent intern.
Und konsequent heißt konsequent konsequent, jedenfalls bei:  (gw)
*
(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle